26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | „Vermisst“: Roters missbilligt Werbeaktion
25. September 2012
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„Vermisst“: Roters missbilligt Werbeaktion

Postkarten der Initiative Sicherheitspartnerschaft als Werbung für die "Beratungsstelle Radikalisierung" des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) beim Bundesinnenministerium gegen die Radikalisierung junger Migranten.

Postkarten der Initiative Sicherheitspartnerschaft als Werbung für die "Beratungsstelle Radikalisierung" des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) beim Bundesinnenministerium gegen die Radikalisierung junger Migranten.

Foto:

Krasniqi

Köln/Berlin -

Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) kritisiert die vom Bundesinnenministerium initiierte Werbeaktion „Vermisst“ für eine Hotline gegen die islamische Radikalisierung Jugendlicher. „Es genügt nicht, nur die Plakataktion zu dieser Werbekampagne zu stoppen, alle Werbemaßnahmen müssen sofort eingestellt werden“, forderte Roters am Dienstag. In Köln wurden im Rahmen der Kampagne Postkarten verteilt, darunter auch auf der Keupstraße im rechtsrheinischen Stadtteil Mülheim.

In der Straße mit einem hohen Anteil ausländischer, vor allem türkischer Geschäfte und Wohnhäuser, gab es im Juni 2004 einen Nagelbombenanschlag, der inzwischen der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zugerechnet wird. Mehrere Menschen erlitten Verletzungen.

Roters nannte es „in einem hohen Maße unsensibel“, diese Aktion zum jetzigen Zeitpunkt durchzuführen. „Mir fehlt außerdem das Verständnis dafür, ohne jegliche Beratung mit der Stadt Köln heute ausgerechnet in der Kölner Keupstraße bei den Anwohnern, die jahrelang unter falschen Verdächtigungen zu leiden hatten, Postkarten aus dieser Werbeaktion verteilen zu lassen“, erklärte der Oberbürgermeister.

Nach bundesweiten Protesten hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die Anbringung von großformatigen Plakaten in der Form von Vermisstenanzeigen gestoppt. Postkarten werden aber weiterhin verteilt. Die Kampagne des Bundesinnenministeriums gegen religiösen Fanatismus muslimischer Jugendlicher zeigt unter der Überschrift „Vermisst“ muslimisch aussehende junge Leute, die in die Hände „religiöser Fanatiker und Terrorgruppen“ abzurutschen drohten.

Die telefonische Hotline der „Beratungsstelle Radikalisierung“, die mit der Kampagne beworben werden soll, wurde zu Jahresbeginn vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eingerichtet. Besorgte Angehörige oder Freunde können sich dort melden, wenn sie vermuten, dass sich jemand aus ihrem Umfeld radikalisiert. Die Werbekampagne, die auf Deutsch, Türkisch und Arabisch verbreitet wird, kostet den Angaben zufolge 300.000 Euro.

Offener Brief der Ditib

In einem Offenen Brief hat sich die Türkisch-Islamische Union Ditib an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Die Ditib hält den Start der Werbeaktion ausgerechnet in der Keupstraße in Mülheim, wo die Nagelbombe der NSU-Mitglieder detoniert war, für unsensibel und für einen „Affront all denjenigen gegenüber, die bei der Gedenkfeier für die Opfer des NSU-Terrors glaubhaft ihre persönliche Betroffenheit und Anteilnahme zum Ausdruck gebracht hatten".

Die Kanzlerin solle sich persönlich sich persönlich mit den Auswüchsen der „Vermisst“-Aktion des Bundesinnenministeriums befassen, „bei dem das BMI jeden Maßstab der Machbarkeit und jegliche Sensibilität verloren zu haben scheint". (epd/voe)


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