23.07.2016
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Ausflugstipp: Deutschlands fleißigster Bach

Die Herler Mühle ist eine der wenigen Mühlen, die erhalten geblieben sind.

Die Herler Mühle ist eine der wenigen Mühlen, die erhalten geblieben sind.

Foto:

Schäfer

Dellbrück/Holweide/Buchheim -

Mehr als 1000 Jahre kultureller und wirtschaftlicher Geschichte erwarten den Ausflügler, der zu Fuß oder auf dem Fahrrad dem Strunder Bach im Stadtbezirk Mülheim folgt. Im Zuge der Regionale 2010 entsteht zurzeit ein Erlebnispfad entlang des Bachs, dessen Verlauf sich auf Kölner Stadtgebiet über etwa vier Kilometer von Dellbrück bis nach Buchheim erstreckt.

Was die Wenigsten wissen: Der Bach floss bis vor etwa 1000 Jahren gar nicht durch heutiges Kölner Stadtgebiet. In Herrenstrunden – heute Bergisch Gladbach – entsprungen, versickerte er ursprünglich in Thielenbruch. Um das zu verhindern, fassten unsere Vorfahren den Bach ein und verlängerten seinen Lauf bis zum Rhein in Mülheim. Er ist also ein künstliches Gewässer, das geschaffen wurde, um Mühlen anzutreiben. Davon gab es über Jahrhunderte etwa 35 – auf einer Strecke von 20 Kilometern. Diese Mühlen brachten der Strunde den Namen „fleißigster Bach Deutschlands“ ein.

Bester Ausgangspunkt für die Erkundung des geschichtsträchtigen Bachlaufs ist der Thurner Hof in Dellbrück. Er liegt nur wenige Meter von der KVB-Haltestelle Dellbrücker Hauptstraße entfernt. Steigt man aus den Bahnen der Linien 3 und 18 aus, führt der Weg nach rechts, um der Straße zu folgen. Nach etwa 200 Metern liegt der prächtige Fachwerkbau aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf der linken Seite. Der ehemalige Herrensitz ist seit 1911 in städtischem Besitz. Zurzeit wird der Hof saniert. Hinter dem Gebäude liegt ein Biogarten mit vielen Kräutern. Ein Kursus der Volkshochschule hat ihn angelegt und betreut ihn bis heute. An vielen Wochenenden kann man sich von den Hobbygärtnern durch den Garten führen lassen. Die Hofanlage wird vom Reitverein „Kornspringer“ genutzt. Nun muss ein Umweg genommen werden. Über die Hatzfelder Straße geht es zum Grafenmühlenweg. Erst dort erreichen wir wieder den Bach.

Ab hier säumt eine Grünanlage die Strunde. Am Dellbrücker Mauspfad wechselt der Weg vom Süd- zum Nordufer des Bachs und folgt ihm bis zum Krankenhaus Holweide. Hier ist wieder ein kleiner Schwenk vom Bach nach rechts nötig, über die Neufelder Straße in die Iddelsfelder Straße. Im ehemaligen Schweinheim – dem heutigen Holweide – stößt man an einer alten Papierfabrik wieder auf ihn. Die Reste der Schweinheimer Mühle sind noch gut zu erkennen, in der ehemaligen Getreidemühle wurden ab 1883 Altkleider zu Papier verarbeitet. Hier sieht man auch, dass viele alte Mühlen Keimzellen von Industriestandorten waren – in diesem Fall einer Baumwollbleicherei, die allerdings vor wenigen Jahren geschlossen wurde.

Die Isenburg mit Wassergraben

Vorbei an alter dörflicher Architektur geht es weiter. Bald taucht zwischen Bäumen die Isenburg auf. Das Wasserschloss wurde im 14. Jahrhundert erstmals als bergisches Rittergut erwähnt. Der Herrensitz ist von einem Wassergraben umgeben, der von der Strunde gespeist wird. Ringsum verbreiten Viehweiden und Wiesen ländlichen Charme inmitten der Großstadt. Die Streuobstwiese auf der Westseite wie auch die Allee, die zum Torbogen der Burg führt, wurden erst vor wenigen Wochen neu gestaltet. Die Burg dient Wohnzwecken und beherbergt ein Restaurant mit französischer Küche. Weiter führt der Weg an der Gesamtschule Holweide vorbei. Sie ist mit annähernd 2000 Schülern die größte ihrer Art in NRW. Von dort biegt die Strunde nach Süden ab.

Direkt an der Lärmschutzwand der Autobahn 3 erwartet uns eine Überraschung: Das sogenannte Kreuzwasser. Zwei Bäche kreuzen sich. Hier wird die Strunde über den Faulbach geleitet. Eine erste Holzbrücke entstand schon vor 1000 Jahren. Sie wurde 1893 durch eine Betonkonstruktion ersetzt.

Letzte Zeugen des alten Buchheim

Um über die Autobahn zu kommen, geht es vom Kreuzwasser nach Süden zum Schlagbaumsweg, dann über die Autobahnbrücke und weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit: der Herler Mühle. Zusammen mit dem benachbarten Gut Herl ist sie der letzte Zeuge des alten Buchheim. Sie ist ein im bergischen Stil gebauter Fachwerkhof, teilweise mit Schiefer verkleidet. Lange Jahre diente sie als Öl- und Getreidemühle. Heute wird sie von mehreren Familien bewohnt. Direkt gegenüber der Mühle liegt auf der anderen Seite des Buchheimer Rings Gut Herl. Zumindest rechtsrheinisch ist es die älteste Wasserburg Kölns. Sie wurde bereits im 9. Jahrhundert als fränkischer Königshof errichtet. Ihr heutiges Aussehen verdankt sie einem Umbau im Jahre 1663. Die Anlage besteht aus einem zweigeschossigen Herrenhaus, das vom einzigen noch tätigen Landwirt Buchheims bewohnt wird, sowie Nebengebäuden, in denen sich unter anderem Stallungen für Privatpferde befinden. Am Gut Herl endet der Weg, denn dahinter verschwindet die Strunde im Untergrund.