25.08.2016
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Geldnot: Sozialarbeiter am Sandsack

Cheftrainer Ramazan Saglam (r.) hofft auf eine stabile Basis für seinen Tak-Verein. Auch Verhaltenstrainer Dieter Kegel kämpft für ein Ende der Krise.

Cheftrainer Ramazan Saglam (r.) hofft auf eine stabile Basis für seinen Tak-Verein. Auch Verhaltenstrainer Dieter Kegel kämpft für ein Ende der Krise.

Buchheim -

Kampfsport als Mittel gegen soziale Probleme. Für den Polizisten und Verhaltenstrainer Dieter Kegel bietet der Verein Traditionelle Asiatische Kampfkünste (Tak) mehr als ein Trainingsrefugium für Freunde des Teakwondo und des Kickboxens. „Wir arbeiten daran, dass Täter nicht zu Tätern werden und Opfer nicht zu Opfern“, sagt er. Kegel spricht von einem „hoch qualifizierten Sportangebot mit dem Schwerpunkt auf zwischenmenschlicher Sozialarbeit“. Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus 20 Nationen und oft aus schwierigen Verhältnissen üben sich auf den Matten der Vereinshalle in Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen und respektvollem Miteinander. Manche von ihnen haben eine kriminelle Vergangenheit – sie lernen im Verein, ihre Aggressionen in den Griff zu bekommen.

Doch nun geht dem Verein, den Cheftrainer Ramazan Saglam 2002 gründete und der mittlerweile an der Arnsberger Straße zu Hause ist, das Geld aus. Vor allem die Bezahlung von Saglam als einzigem hauptamtlichem Trainer bereitet Probleme. „Wir haben Mitglieder verloren, weil wir uns der sozialen Frage verschrieben haben“, sagt Vorstandsmitglied Dorothee Schuld. Weil eher die Gewaltprävention als das reine Kampfkunsttraining im Fokus stehe, seien viele abgesprungen. Zudem könnten sich etliche der etwa 100 Mitglieder die Beiträge nicht leisten. Dazu kommt die Miete für die Trainingshalle – sie kostet 1750 Euro pro Monat, erst kürzlich gab es eine Erhöhung.

Deshalb greifen einige Ehrenamtliche seit Kurzem in die eigene Tasche, um Vereinsgründer Saglam zu bezahlen. Doch auch dieses Geld fließt nicht mehr lange. „Wenn das so weiter geht, werde ich die Gewaltprävention nicht mehr machen“, sagt Saglam, der Träger des Ehrenamtspreises Köln Engagiert 2012 ist. Schon von Mai an ist die Finanzierung des Vereins ungeklärt. Dabei könnte Tak viel Gutes tun. Da sind sich die Akteure sicher. Mit den Projekten an verschiedenen Schulen würden aktuell rund 300 Jugendliche erreicht, sagt Schuld. „Es wäre problemlos zu organisieren, dass wir unser Angebot verdreifachen.“ Trainer seien ausreichend ausgebildet worden. Doch dazu sei eine kontinuierliche Finanzierung nötig.

Viele mögliche Sponsoren hat Schuld bereits angefragt, bisher ergebnislos. Nun hofft der Verein auf die Behörden. Das Jugendamt wäre ein möglicher Auftraggeber für Antiaggressions-Trainings. Eine regelmäßige Zusammenarbeit mit der Stadt wäre ein Ausweg aus der Krise, sagt auch Kegel. Das Jugendamt schlägt dem Verein vor, sich als offizieller Jugendhilfeträger anerkennen zu lassen. „Die leisten erfolgreiche Arbeit“, sagt Mitarbeiterin Monika Baars. Die Anerkennung sei die Voraussetzung für eventuelle Personalkostenzuschüsse. Gleichzeitig verweist Baars auf die klamme Stadtkasse: Ob Zuschüsse gewährt würden, sei unklar.

Tak hat dennoch die Anerkennung beantragt. „Das dauert aber Monate“, sagt Schuld. Sie hofft, dass das Verfahren beschleunigt wird. Aber auch die Politik, Stiftungen oder Spender könnten dem Verein aus der Patsche helfen. Es stehe eine Institution auf dem Spiel, die für viele Menschen eine wichtige Anlaufstelle sei. Die Verantwortlichen sind sich dagegen sicher: Mit relativ geringen Mitteln könne ein hoher „sozialer Nutzen“
erzeugt werden.