31.07.2016
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Genoveva-Gymnasium: Zum Schüleraustausch nach Indien

Zwei Wochen lang tauchten 14 Gymnasiastinnen in die indische Kultur ein, in Delhi lebten sie bei Jugendlichen ihrer Partnerschu

Zwei Wochen lang tauchten 14 Gymnasiastinnen in die indische Kultur ein, in Delhi lebten sie bei Jugendlichen ihrer Partnerschule.

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Christ/privat

Mülheim -

Die Eindrücke sind so frisch wie die Henna-Malereien an den Händen. Joline Focke, Inkeri Kollmann und Margarita Puris haben zwei Wochen erlebt, die sie so schnell nicht vergessen werden. Sofort würden die Schülerinnen des Mülheimer Genoveva-Gymnasiums die Koffer packen, wenn sie noch einmal nach Delhi dürften - der indischen Megastadt mit den Elefanten auf den Straßen, den bunt gekleideten Frauen und der schockierenden Kluft zwischen Arm und Reich. Joline, Inkeri und Margarita tauchten ein in eine Kultur, die für Europäer ebenso befremdlich wie erhebend sein kann. Wo sie von kleinen Jungen angefasst wurden, weil sie so anders aussahen. "Dort habe ich mich fremd gefühlt, als wäre ich jemand ganz anderes und würde nicht dazu gehören", sagt Inkeri Kollmann aus der zehnten Klasse.

Dieses Gefühl passte gut zum Thema, das die 14 Austausch-Schülerinnen schon seit April umtreibt. Die Reise in die ausufernde Millionenstadt war der Höhepunkt eines einjährigen Projekts zur indischen und deutschen Einwanderungspolitik, gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung. Viele kleine Arbeiten entstanden dazu in der "Indien-AG", Videos zum Beispiel oder Fotocollagen. 2011 hatte das Genoveva-Gymnasium den Deutschen Schulpreis für seine vorbildliche Integrationsarbeit bekommen. Immerhin 80 Prozent der Schüler haben ausländische Wurzeln. Diese Auszeichnung ermöglichte nun die Teilnahme an dem außergewöhnlichen Schulaustausch.

Kaum Chancen für Muslime

In einem Vorort von Delhi besuchten die Schülerinnen ein Kultur- und Bildungszentrum für Flüchtlinge, erfuhren aber auch, dass muslimische Flüchtlinge aus Bangladesch an der Grenze zu Indien nicht selten erschossen werden. Zwischen den hinduistischen Indern und den Muslimen gebe es eine Menge Hass, so Projektleiter und Gymnasiallehrer Philipp Schmolke. Muslime hätten kaum Chancen in dem aufstrebenden Land mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern.

Die Genoveva-Gymnasiastinnen waren gut untergebracht: Ihre Partnerschüler von der Bal Bharati Public School stammten aus der indischen Mittelschicht und brauchen sich ums tägliches Überleben keine Gedanken machen. In den Slums, an denen sie täglich auf dem Weg zur Schule vorbeifuhren, ist das anders. "Die Armut dort hat einem schon weh getan", sagt Margarita Puris. Wohl auch der Umgang der Inder mit diesen Problemen. Die Gastfamilien wollten den Deutschen den Anblick des Elends ersparen, im indischen Kastenwesen haben Arme keine Existenzberechtigung. "Mit den Schwächen ihres Landes können die Inder nicht so gut umgehen", sagt Joline Focke.

Gerhorsam und stures Pauken

Kritikfähigkeit spielte auch an der Public School keine Rolle. Viel mehr Gehorsam und stures Pauken. "Der Direktor dort wird sehr, sehr respektiert", so Margarita Puris. Ebenso die anderen Lehrer und die Eltern. Auf Versammlungen hatten die Schüler diszipliniert den Darbietungen auf der Bühne zu lauschen, stehend in Reih und Glied. Quatschen und kichern - undenkbar. "Ich habe gelernt, die Dinge zu schätzen, die ich hier habe", sagt Joline Focke. Ihre persönlichen Freiheiten vor allem: "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir in Deutschland wohnen." Inkeri Kollmann fallen aber auch positive Dinge ein: "Die Inder haben ihr Gemeinschaftsgefühl sehr stark gelebt und repräsentiert, das fehlt bei uns." Die 16-Jährige war erstaunt darüber, wie harmonisch das tägliche Leben bei allen Schwierigkeiten verläuft: "Trotz der Masse an Menschen, der Hektik und dem völlig chaotischen Verkehr sieht man fast nie aggressive oder brüllende Leute. Alle schrauben ihre Bedürfnisse ein bisschen zurück." Joline Focke stimmt zu: Etwas mehr Disziplin und Respekt könnte auch hierzulande nicht schaden. Im Mai 2013 werden sich die indischen Schüler selbst ein Bild von den deutschen Verhältnissen machen: Dann steht der Gegenbesuch an.