24.07.2016
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Handwerk: Ein Ohr für die Unternehmer

Wirtschaftsdezernentin Ute Berg (Mitte) und der Geschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, Ortwin Weltrich, lassen sich von Fliesen-Müller-Chefin Nadja Schwellenbach Hochglanzfliesen zeigen.

Wirtschaftsdezernentin Ute Berg (Mitte) und der Geschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, Ortwin Weltrich, lassen sich von Fliesen-Müller-Chefin Nadja Schwellenbach Hochglanzfliesen zeigen.

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Esch

Buchheim -

Auf 300 Quadratmetern Fläche sind in der Firma Fliesen-Müller an der Germaniastraße rund 500 Fliesen, Mosaike und Natursteinmuster unterschiedlicher Hersteller ausgestellt. Das Angebot des mittelständischen Handwerksbetriebes lassen sich Ortwin Weltrich, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer und Kölns Wirtschaftsdezernentin Ute Berg von Geschäftsführerin Nadja Schwellenbach zeigen. "Die vielen fleißigen Heinzelmännchen, die für uns arbeiten, sieht man hier nicht", sagt die Chefin.

Fliesen-Müller ist das erste von drei Handwerksunternehmen, die die Dezernentin an dem Tag besucht - die anderen sind die Firma Hörakustik Köttgen am Hohenzollernring und Sicherheitstechnik Guett-Dern an der Venloer Straße. "Ich möchte mir die Handwerksbetriebe in Köln einmal genauer ansehen, um festzustellen, welche Potenziale das Handwerk hier hat, und welche Fragen die Unternehmer beschäftigen", sagt Berg. Zunächst möchte sie wissen, wo denn nun die anderen 18 Heinzelmännchen von Fliesen-Müller unterwegs sind. "Die arbeiten gerade auf größeren Baustellen. Wir leben hauptsächlich von Großaufträgen", sagt Schwellenbach. Die Firma hat schon viele Arbeiten in Köln erledigt: Den Köln-Bonner Flughafen gekachelt, das Agrippabad, und im Treppenaufgang der Kölnmesse Steine verlegt - die Stadt gehört zu den Dauerkunden.

Die 1969 gegründete Firma, deren Leitung Schwellenbach vor zwei Jahren von ihrem Vater übernommen hat, leide nicht darunter, dass der Bundestag im Jahr 2004 die Meisterpflicht für Handwerksarbeiten abgeschafft hat. Ute Berg hat sie danach gefragt - als das entsprechende Gesetz verabschiedet wurde, war sie selbst Bundestagsabgeordnete. Ob die Firma Müller darunter gelitten hat, dass die Stadt Köln die Umweltzone eingeführt hat und deswegen viele LKW umgerüstet werden mussten, erkundigt sich Berg anschließend. "Ja. Wir mussten zwei Lastwagen in zwei Jahren anschaffen. Das war bitter", sagt die Geschäftsführerin.

Alle Interessen berücksichtigen

Das Strukturförderprogramm Mülheim 2020 sehen Schwellenbach und Weltrich kritisch: Ihrer Ansicht nach gehören die Handwerker mit an den Tisch, wenn über die wirtschaftliche Zukunft des Stadtteils diskutiert wird. "Alle reden nur von der Kreativwirtschaft", sagt Schwellenbach. Ute Berg stimmt zu: "Die Stadt muss darauf achten, dass alle Interessen berücksichtigt werden." Allerdings sei momentan die Wohnungsnot groß und der Wohnraum gering. Aus diesem Grund liege der Fokus momentan stark auf dem Wohnungsbau. Kurz darauf verabschiedet sich Dezernentin Berg - die Eindrücke und Vorschläge aus der Praxis des Betriebs nimmt sie mit.