25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Kneipenwirt in Köln-Mülheim: Auto mit Nazi-Parolen beschmiert
19. May 2014
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Kneipenwirt in Köln-Mülheim: Auto mit Nazi-Parolen beschmiert

Polizei

Symbolbild.

Foto:

dpa

Mülheim -

Seinen mit Hakenkreuzen und Nazi-Parolen wie „Judenschwein“ beschmierten Pkw musste der Inhaber einer Kneipe in Mülheim am Samstagmorgen zur Polizeiwache am Clevischen Ring zur Spurensicherung bringen. Unbekannte hatten sich in der Nacht zuvor Zutritt zu dem Grundstück in Höhenhaus verschafft und das dort geparkte Fahrzeug besprüht.

Für den Betreiber der Kneipe „Limes Cologne“ an der Mülheimer Freiheit ist der Übergriff eindeutig der rechten Szene zuzuschreiben – das Lokal selbst war zuvor bereits mehrfach Ziel ähnlicher Attacken. Das reichte von Plakat- und Aufkleber-Aktionen rechter Gruppen über Drohanrufe in der Kneipe bis zum beschmieren des Gebäudes mit rechtsextremen Parolen in Kombination mit Sachbeschädigungen, so der Kneipeninhaber. „Dass diese Aktionen nun auch auf den Privatbereich ausgedehnt werden, ist schockierend – und in unseren Augen nicht hinnehmbar“, so der zweifache Vater. Er fordere von Polizei und Verfassungsschutz, die Tat aufzuklären und als das einzustufen, was sie sei – „eine eindeutig der Kölner Neonazi-Szene zuzuordnende Aktion“.

Übergriff ist kein Einzelfall

Die Kneipe, die auch ein Treffpunkt für Anhänger des Hamburger Fußballvereins FC Sankt Pauli ist, hatte sich in der Vergangenheit mehrfach an Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit und rechte Gruppierungen in Köln beteiligt – etwa an den Aktionen „Kein Veedel für Rassismus“ oder „Kein Kölsch für Nazis“, bei der ein Zusammenschluss mehrerer Kneipen den entsprechenden Slogan auf Bierdeckel drucken ließ. „Wir wollen ein Treffpunkt für Menschen jeder Kultur, Religion und gesellschaftlicher Schicht sein, der auch Raum für politische Veranstaltungen bietet – Antifaschismus ist für uns keine leere Phrase“, sagt der Inhaber des „Limes“.

Das Vorgehen der Polizei bei ähnlichen Übergriffen in der Vergangenheit sei nicht über die „Standardprozedur“ hinaus gegangen – die Verfahren seien ohne eindeutige Zuordnung zur rechten Szene eingestellt und in keinem der Fälle ein Täter ermittelt worden.

Die Kölner Polizei bestätigt, Ermittlungen wegen „Sachbeschädigung durch Graffiti an Kfz“ sowie „Verwendung verfassungswidriger Symbole“ eingeleitet zu haben. „Das Verfahren läuft, die Abteilung Staatsschutz hat den Fall übernommen“, sagt Polizeisprecherin Natalie Stach. Die Ermittlungen zu der Tat vom Wochenende würden auf ihre Verbindung in die rechte Szene hin ausgeweitet. Aufgrund des laufenden Verfahrens seien konkretere Angaben derzeit allerdings nicht möglich.
Der Inhaber der Mülheimer „Limes“-Kneipe will das Ende der Ermittlungen indes nicht abwarten und sich von dem mutmaßlichen Neonazi-Übergriff nicht einschüchtern lassen: In Zusammenarbeit mit anderen Institutionen im Stadtteil plant er eine Unterschriftenaktion, um auf die Aktivitäten der rechten Szene in Mülheim und ganz Köln hinzuweisen.