27.08.2016
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Prozess: "Ich hatte eigentlich keine Funktion"

Polizei

Symbolbild

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dpa

Dellbrück -

Sturmhaube, Maske, Einweghandschuhe, Gaspistole – alles sah nach professioneller  Planung aus, als drei junge Männer im November 2011 mit dem Auto in die Dellbrücker Fußgängerzone fuhren, um dort ein Juweliergeschäft auszurauben. Zwei blieben im Auto sitzen, der dritte lief in den Laden, um nach wenigen Sekunden unverrichteter Dinge das Geschäft im Eiltempo wieder zu verlassen.

Weder der Ladenbesitzer noch ein  Kunde hatten sich von Maskierung und Waffe beeindrucken lassen und den Täter in die Flucht geschlagen – ohne ihm auch nur einen Cent des geforderten Bargelds auszuhändigen. Einer der Täter, ein 23-jähriger Gabelstaplerfahrer, der mit dem Auto Schmiere stand, muss sich seit Dienstag wegen versuchter räuberischer Erpressung vor dem Landgericht verantworten. Der Haupttäter, der ohne einen Cent Bargeld floh, war bereits im vergangenen Jahr zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Allerdings sind mit dieser Gefängnisstrafe noch zwei weitere Überfälle abgeurteilt worden.

Der Angeklagte gestand die Tat – und bei seiner Schilderung  wurde offensichtlich, dass die auf den ersten Blick exakte Planung des Überfalls an Dilettantismus kaum zu überbieten war. So hatte das Trio erst am Morgen des Geschehens spontan überlegt, den Juwelier zu überfallen. „Ich hatte eigentlich keine Funktion, aber ich wollte dabei sein“, erklärt der Angeklagte lapidar vor Gericht seine Tatbeteiligung, leugnet allerdings nicht, dass für ihn auch finanzielle Aspekte eine Rolle gespielt haben: „Mindestens hundert  Euro von der Beute hatte ich mir versprochen.“

Damit wollte er seine chronische Drogensucht finanzieren. Er sei schon jahrelang abhängig, gab der Gabelstaplerfahrer freimütig zu, habe bisher eine Therapie aber immer abgelehnt: „Ich weiß, dass es notwendig ist, aber ich will es nicht wahr haben.“

Wenige Stunden vor dem Überfall in Dellbrück habe er mit  dem Haupttäter den Fluchtweg ausgekundschaftet. Der Komplize hatte diesen jedoch nicht eingehalten, sondern war in eine komplett andere Richtung gelaufen. „Ein Zaun war ihm im Weg, er ist zu unsportlich, darüber zu klettern“, klärte der Angeklagte das Gericht auf. Der spontan geänderte Fluchtweg hatte jedoch zur Folge, dass die Komplizen im Fluchtauto noch unschlüssig warteten, während die Sirenen der Polizeiwagen bereits zu hören waren.

Der Juwelier hatte sich schnell vom Schock erholt und die Beamten alarmiert. Noch am selben Tag hatten die Beamten das Trio nach einer Nahbereichtsfahndung festgenommen. Gegen den dritten im Bunde wurde das Verfahren abgetrennt. Er wird sich demnächst auf der Anklagebank verantworten müssen.