28.08.2016
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Museum für Angewandte Kunst: Die Werke der „Hausmaler“

Blau als Dekor war beliebt bei den Fayence-Malern – und den Kunden. Das MAKK zeigt ausschließlich Stücke aus Deutschland.

Blau als Dekor war beliebt bei den Fayence-Malern – und den Kunden. Das MAKK zeigt ausschließlich Stücke aus Deutschland.

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Stefan Worring

Köln -

Mitarbeitern eines Museums geht die Arbeit nie aus. Nicht nur den Restauratoren. Zweieinhalb Jahre hat Patricia Brattig, Kuratorin für Mode, Textil, Keramik und Glas, den Bestand an Fayence im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) durchforstet und wissenschaftlich bearbeitet. Pünktlich zum Jubiläums-Wochenende – das Haus feiert sein 125-jähriges Bestehen – ist die Sonderausstellung „Der schöne Schein. Deutsche Fayencekunst“ (bis 29. September) eröffnet worden. In einem opulenten Katalog (39,90 Euro) sind die Ergebnisse, dazu zählen auch neue Erkenntnisse zur Glasurmalerei, publiziert. Letzteren Part hat Restaurator Tobias Friedrich beigesteuert.

Die Fayencekunst entstand „in einer der kreativsten Epochen in Europa“, sagt Petra Hesse, Direktorin des Museums. Vor allem in den Schlössern und bürgerlichen Salons gehörte Fayence seit Mitte des 17. Jahrhunderts zum Dekor. Auch ein Beitrag zur Beschäftigung, wie Brattig erzählt, rund 80 Manufakturen gab es in Deutschland, vom Familienbetrieb mit zehn Leuten bis zur Fabrik mit 60 Angestellten. Nachdem das Porzellan auch in Deutschland produziert werden konnte, kaufte vorwiegend bäuerliche Klientel Fayenceware.

Fayence ist Keramik mit weißer, deckender Zinnglasur, die dann bemalt wurde. Sie diente als Ersatz für das hochbegehrte chinesische Porzellan. Besonders teuer waren die von „Hausmalern“ dekorierten Stücke; die Künstler, meist Goldschmiede oder Glasmaler, orderten die weiße Ware in den Manufakturen und bemalten sie in ihren Werkstätten, konnten allerdings nicht so hoch brennen, weshalb viele Dekore nicht haltbar waren. In den Fabriken wurde zumeist nach grafischen Vorlagen gemalt, angesagt waren römisch und chinesisch inspirierte Szenerien, aber auch Blütendekore und andere Motive aus der Natur.

So schön es gewesen sein muss, den Tisch mit Fayence, die im Kerzenschein schimmert, zu decken – das meiste war nicht zum Gebrauch, sondern zur Präsentation gedacht. Der Teller mit der rötlich gezeichneten römischen Landschaft (ein sehr beliebtes Motiv) „war nicht fürs Essen gedacht, wir haben keinerlei Gebrauchsspuren gefunden“, berichtet Patricia Brattig. Andererseits gibt es Ausstellungsstücke, die während der Säuberung in einem Wasserbad durchaus Abnutzungserscheinungen zeigten: An einem Teller ließ sich eine spätere Retouche wie eine Folie abziehen, ein Krug war mit einem Henkel aus Holz „restauriert“ worden.