25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Museum: Sanierungsstau im Neubau
23. October 2012
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Museum: Sanierungsstau im Neubau

Schon zwei Jahre nach der Eröffnung gibt es Schäden im Rautenstrauch-Joest-Museum. Überall stehen Absperrungen herum

Schon zwei Jahre nach der Eröffnung gibt es Schäden im Rautenstrauch-Joest-Museum. Überall stehen Absperrungen herum

Foto:

stefan worring

Vor zwei Jahren um diese Zeit war mehr los. Rund 23 000 Besucher sahen sich am 23. und 24. Oktober 2010 im Kulturquartier am Neumarkt um, Freitagabend waren der Neubau für das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) und das Museum Schnütgen (Baukosten knapp 67 Millionen Euro) eröffnet worden. 300 000 Besucher wurden im ersten Jahr gezählt, danach wurde es ruhiger. „Meine persönlichen Erwartungen sind trotzdem übertroffen worden“, sagt Klaus Schneider, Direktor des RJM, das nun treffender Kulturen der Welt heißt. Die Bilanz im zweiten Jahr: „100 000 plus“, mit Museum Schnütgen dürften es 150 000 gewesen sein.

Schutz vor Glassplittern

Dienstagmorgen tobt nur eine fröhliche Kindergartengruppe aus dem Aufzug, auf dem Weg zur Garderobe im Untergeschoss laufen die Mädchen und Jungen an einer Absperrung entlang. Im Glasboden zwischen Aufzug und Treppe ist eine Platte gerissen. Doch als man die defekte Scheibe austauschen wollte, wurde festgestellt, dass sämtliche Glasplatten falsch eingelegt worden sind. Das war vor sieben oder acht Monaten.

Für Klaus Schneider ist das schon fast eine Lappalie. Denn nach wie vor hängt das grüne Netz am Erkerfenster zur Cäcilienstraße hin – um eventuell abplatzende Glassplitter aufzufangen. Die rot-weißen Absperrungen rund um den Verbindungstrakt zum Museum Schnütgen sollen Besucher ebenfalls vor herabfallenden Scheiben schützen. Die Milchglas-Verkleidung ist mangelhaft befestigt, das werde zwar in jeder Besprechung mit den Baufirmen reklamiert, „aber es passiert nichts“. Zudem verrottet das Material schon an manchen Stellen, „irgendwann kann die Überwachungskamera da oben in der Ecke nichts mehr sehen“, lästert Schneider. „Das Museum ist im Außenbild ein Desaster.“ So wurde versäumt, den dezenten Schriftzug „Rautenstrauch-Joest-Museum“ an der Klinkerfassade anzustrahlen. Immerhin leuchtet „Museum Schnütgen“ im Dunkeln.

Innen ist es noch schlimmer

Innen ist es fast noch schlimmer. „Im Foto-Archiv im fünften Stock breitet sich der Schimmel aus, wir können die Räume nicht nutzen.“ Vor circa einem Jahr gab es in einem als Klima-Kammer vorgesehenen Raum einen Wasserschaden. Inzwischen sind sämtliche Isolierungen entfernt, die Feuchtigkeit ist unter die Böden angrenzender Bereiche gesickert, die Fußleisten im Gang mussten entfernt werden. „Wir stehen Gott sei Dank nicht unter Zeitdruck“, sagt Schneider, die wertvollen Foto-Bestände sind im Altbau am Ubierring derzeit gut aufgehoben. Ein Raum im fünften Stock ist statt Archiv jetzt Lampen-Lager, „ohne Absprache wurde hier Steuertechnik untergebracht“.

Im Hintergrund tobe ein Gutachterstreit. „Warum macht die Stadt keinen Druck?“, fragt Schneider. Er vermutet, dass man darauf warte, dass die Gewährleistungsfrist abläuft und die Gerichte entscheiden. Das (vorerst) letzte Ärgernis: Die Glasflächen über dem Foyer können nicht gereinigt werden, weil die sogenannten Sekuranten (Absturzsicherungen für Arbeiter) vom Tüv nicht abgenommen worden sind. An den Enden der Schrägen sammele sich der Dreck, auf Dauer sei zu befürchten, dass die Scheiben und vor allem die Dichtungen beschädigt werden. Dann wird es irgendwann zappenduster im Foyer.