27.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Neues Konzept für Schulen: Für jeden Kölner Schüler ein iPad

Lico (16), Noah (16), Lehrer André Spang und Pablo (16) Kaiserin-Augusta-Schule

Lico (16), Noah (16), Lehrer André Spang und Pablo (16) Kaiserin-Augusta-Schule

Foto:

Bilder: Martina Goyert; istock

Köln -

Mit einem Kraftakt, Experimentierfreunde und wissenschaftlicher Begleitung stellt die Stadt Weichen für die Zukunft ihres Schulangebots: „Technische Standards auf dem höchstmöglichen Niveau“ verspricht ein Konzept zur Ausstattung aller Kölner Schulen mit Informationstechnik, Internetangeboten und modernsten Arbeitsmitteln. In einigen Jahren sollen alle Kölner Schüler einen Tablet-PC als mobiles Endgerät nutzen können.

Die Zukunft liegt nicht in der Ausstattung der Schulen mit möglichst vielen festen Computerarbeitsplätzen, sondern im Tablet, das man überall mit hinnehmen kann. Die Stadt legt sich in ihrem Konzept nicht auf eine Marke fest, doch in den begonnenen Modellprojekten wird fast ausschließlich mit dem Produkt des Apple-Konzerns gearbeitet. Schulen könnten ihren Klassen komplette Sets mit iPads zur Verfügung stellen.

Experten und Lehrer, die bereits mit der Technik arbeiten, plädieren aber für das sogenannte „Byod“-Modell („Bring your own device“). Hier wäre nicht die Stadt als Schulträger der Eigentümer der Geräte, sondern jeder Schüler. Der Vorteil: Der Tablet-PC könnte auch zu Hause für Hausaufgaben und Übungen benutzt werden. Der Nachteil: Das neue Arbeitsmaterial müsste von den Eltern bezahlt werden. Die Belastung könnte durch Einsparungen beim Büchergeld ausgeglichen werden.

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum geplanten neuen Konzept der Stadt Köln. Per Mail an community@ksta.de, via Facebook oder Tweet an @ksta_koeln

„Wir wollen, dass neue Medien in den Unterricht eingebaut werden, damit die pädagogische Arbeit auf neue Beine gestellt wird“, sagt Schuldezernentin Agnes Klein. Am Montag wird sie den Mitgliedern des Schulausschusses des Stadtrates das umfangreiche Konzept „zu einer ganzheitlichen technischen Schul-IT“ vorlegen, das zusammen mit dem Amt für Informationsverarbeitung und der Universität ausgearbeitet wurde. Unter der Federführung des Instituts für Physik und ihre Didaktik werden Schulen begleitet, in denen die Zukunft bereits begonnen hat. Die Stadt hat mit der Uni dazu eine „Forschungs- und Entwicklungskooperation“ vereinbart.

Individuelle Förderung möglich

Drei Gymnasien, zwei Gesamtschulen, zwei Berufskollegs und eine Grundschule sammeln als „Pilotschulen“ Erfahrungen, von denen in wenigen Jahren alle profitieren sollen. Hinzu kommt die Kaiserin-Augusta-Schule als Kölns Vorzeigeschule in Sachen IT. Sie stellt heute im Rahmen der laufenden „Internetwoche“ vor, wie weit die Integration von digitalen Medien im Unterricht bereits heute gehen kann. André Bresges, zuständiger Institutsdirektor an der Uni, glaubt, dass die Schulen vor tiefgreifenden Veränderungen stehen, weil die neue Technik endlich möglich mache, was seit langem besprochen, aber bislang kaum umgesetzt wird: Schüler könnten mit passgenauen Aufgaben und Lernkontrollen individuell gefördert werden. Das iPad ersetze das statische Schulbuch. Die Technik helfe bei der Inklusion. Jeder könne in Teamarbeit seine Stärken einbringen.

Der Lehrer werde zum motivierenden Projektmanager, wenn die Schüler Wissen selbst sammelten. Von der Vernetzung profitierten nicht nur die Schüler: Auch der Lehrer - bislang oft Einzelkämpfer - könne auf die Erfahrungen seiner Kollegen jederzeit zugreifen.

Mit dem Konzept der Stadt sollen vor allem die technischen Hürden genommen werden, damit irgendwann bis zu 100.000 Schüler gleichzeitig auf ein Netz zugreifen und die Technik nutzen können. Bresges glaubt, dass noch Überzeugungsarbeit bei einigen Lehrern nötig ist, weil sich deren Arbeit stark verändern wird. Mit einer weiteren Hürde haben Stadt und Uni bislang nicht gerechnet: In zwei Schulen, die sich an die Spitze der Bewegung gesetzt haben, bremsten Eltern die Innovationsfreude. In den Gymnasien in Bickendorf und Pesch verhinderten sie die Einführung von iPads in den Klassen ihrer Kinder. Mancher habe wohl nicht bezahlen wollen, wird vermutet. Andere zweifelten am Sinn der Umstellung, sogar die Angst vor Strahlung wurde benannt. Mancher meinte, sein Kind säße schon genug vor dem Computer herum.

„Das sehe ich genauso“, sagt Bresges. „Deshalb bin ich ja so froh, dass der Computer jetzt überall mit hingenommen werden kann.“ Die Elternproteste an zwei der teilnehmenden Gymnasien haben ihn überrascht, aber allzu lange wolle er sich damit nicht aufhalten. „Wir sammeln jetzt mit Freiwilligen die Erfahrungen, von denen später alle profitieren.“ In fünf Jahren werde man solche Diskussionen nicht mehr führen. „Da wird die Geschichte drüberrollen.“