28.09.2016
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Sessionsmotto nicht kölsch genug: Offener Brief an das Festkomitee

Warben für den Karneval als „das einzig wahre soziale Netz“: Bernd Höft (v.l.) , Dominik Schönenborn (Cat Ballou), Stephan Grünewald, Oliver Niesen, Michael Kraus, Christoph Kuckelkorn und Kevin Wittwer

Warben für den Karneval als „das einzig wahre soziale Netz“: Bernd Höft (v.l.) , Dominik Schönenborn (Cat Ballou), Stephan Grünewald, Oliver Niesen, Michael Kraus, Christoph Kuckelkorn und Kevin Wittwer

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Stefan Worring

Köln -

Es geht nicht einfach um Geschmack. Nein, dem Verein Deutsche Sprache geht es um die kölsche Seele. Genau die sieht der Verein in Gefahr – und zwar durch das Motto für die Karnevalssession 2015. Das lautet: „social jeck – kunterbunt vernetzt“. „Voll daneben. Das zieht ja einem ja glatt die Schuhe aus“, findet Dietmar Kinder, Kölner Regionalleiter des Vereins.

In einem offenen Brief ans Festkomitee Kölner Karneval schimpft Kinder über „diese Anbiederung an den flüchtigen Zeitgeist“. Der „klebrige Mischmasch aus Englisch, Kölsch und Hochdeutsch schlägt der kölschen Seele auf den Magen“. Dem Motto zufolge brauche es bald „keine Sitzungen, keine Karnevalsbälle, keinen Straßenkarneval, kein buntes Treiben in den Kneipen mehr. Man braucht beim Karneval weiter nichts als einen kleinen Bildschirm, mit dem man kunterbunt vernetzt ist“.

Nicht singbar und in Denglisch

Auch im Internet finden sich viele Kritiker des neuen Mottos. Auf ksta.de kommentiert etwa „Dr_Kaestner“: Dieses Motto hat eine neue Dimension des Tiefpunkts erreicht. Es ist anbiedernd, dümmlich, anachronistisch, unaussprechbar, nicht singbar und dann auch noch in Denglisch bzw. Kenglisch.“ Und „mkoeller“ schreibt: „Ich hätte es besser gefunden, wenn man beim Karneval eher ‚folkloristisch‘ geblieben wäre. Dieses ‚Neuartige‘, um unbedingt ‚trendy‘ zu sein, wirkt beim Karneval in Köln so aufgesetzt, unnatürlich.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Verein Deutsche Sprache gegen das Sessionsmotto wettert. Das Motto aus dem Jahr 2011 „Köln hat was zu beaten“ sei Dietmar Kinder zufolge schon „unterirdisch“ gewesen.

2005 habe der Verein gegen „Kölle und die Kids der Welt“ erfolgreich protestiert: Daraus wurde „Kölle un die Pänz us aller Welt“ – „auf unser Drängen“ und unter Androhung des „Sprach-Tünnes“ des Jahres, wie Kinder betont. Damit zeichnet der Verein jedes Jahr den größten Sprachsünder der Region aus. Im offenen Brief kündigte Kinder an: „Wenn Sie bei diesem Motto bleiben, sind Sie heute für uns schon eine heißer Kandidat für den „Sprach-Tünnes 2014“.“

Immerhin: Die Sprachhüter meckern nicht nur, sondern liefern auch gleich eine Alternative mit: „Jeck vernetzt, ävver anders“, lautet ihr Vorschlag. Das Festkomitee hingegen will am Motto festhalten: „Wir haben ein junges, schönes, zeitgemäßes Motto. So soll es bleiben“, sagte Festkomittee-Pressesprecherin Sigrid Krebs auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Zur Kritik des Vereins Deutsche Sprache wolle man sich nicht äußern, „denn der Brief liegt uns gar nicht vor.“