25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Nippeser Tälchen: Streit um den Festplatz
09. April 2014
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Nippeser Tälchen: Streit um den Festplatz

Eine Impression vom Streetball-Turnier der Initiative Körbe für Köln, das jedes Jahr im Sommer auf dem Platz stattfindet.

Eine Impression vom Streetball-Turnier der Initiative Körbe für Köln, das jedes Jahr im Sommer auf dem Platz stattfindet.

Nippes -

Noch spielen auf dem asphaltierten Plätzchen im Nippeser Tälchen häufig Kinder. Sie fahren Rad, kicken und tragen Basketball-Partien aus. Zudem finden dort viele jährliche Veranstaltungen statt – wie die von Vereinen im Stadtbezirk mitgestaltete Sport-, Spiel- und Ferienaktion für Kinder und Jugendliche, das Streetballturnier von Körbe für Köln und das Stämme-Lager der Löstigen Gladiatoren zu Pfingsten. Auch die Neppeser Naaksühle schlagen für ihre Karnevalssitzung ein Festzelt auf dem Platz auf. Hinzu kommen weitere Nutzer – wie eine Kindertheater-Spielgruppe, die vor einigen Tagen mit Showzelt und Hüpfburgen Station im Nippeser Tälchen machte, oder 2012 das Ferien-Kinderdorf Pänzhausen.

Doch bald könnte der knapp 3500 Quadratmeter große Platz wegfallen – dort soll nach dem Willen einer Mehrheit in der Bezirksvertretung Nippes ein Schul- sowie Kindergarten-Neubau entstehen. CDU, Bündnis 90/Grüne und FDP beschlossen einen Antrag der Christdemokraten an die Verwaltung, den für das Nippeser Tälchen geltenden Bebauungsplan so zu ändern, dass auf dem Areal eine Schule und eine Kita zulässig wären. Die SPD-Fraktion stimmte geschlossen dagegen.

„Der Festplatz ist ein Filetstück; auch die Bus- und Bahn-Anbindung ist hervorragend“, argumentierte CDU-Fraktionschef Christoph Schmitz. „Und in Nippes sind wir massiv unterversorgt mit Grundschul- und Kita-Plätzen. Was liegt da näher, als den Festplatz hierfür zu verwenden? “

Keine Eingriffe in den Park

Man habe sich die Entscheidung als Grüne nicht leicht gemacht, betonte Fraktionschef Herbert Clasen. Der Schul- und Kitaplatzmangel sei gegen die Erholungsfunktion der Fläche und den freien Blick der Anwohner in den Park abzuwägen. „Nach langer Diskussion haben wir jedoch beschlossen, den Antrag zu unterstützen. Für uns ist dabei wichtig, dass Neubauten nur auf der versiegelten Fläche erfolgen sollen, und dass es keine Eingriffe in den Park gibt.“ Die Fraktionskollegin Regina Bechberger ergänzte, dass Schule und Kita die Dreifach-Turnhalle neben dem Platz problemlos mitnutzen könnten. „Bisher ist sie ohnehin etwas überdimensioniert.“ Auch Biber Happe (FDP) stimmte zu. „Wir haben als wachsende Stadt enormen Bedarf, es ist eine gerechtfertigte Investition in die Zukunft.“

SPD-Fraktionschef Horst Baumann dagegen sah die Initiative höchst skeptisch. „Der Platz ist in der Tat ein Filetstück; die Frage ist jedoch, ob wir ihn ohne jede Prüfung dahingeben sollten.“ Das Areal sei für Sport, Spiel und Freizeit wichtig. Man solle höchstens prüfen lassen, ob der Standort grundsätzlich geeignet sei. „Aber wenn im Antrag die Neubauten so dezidiert gefordert werden, können wir nicht zustimmen.“ Bezirksbürgermeister Bernd Schößler (SPD) sorgte sogar für eine Premiere in der Wahlperiode: Er gab die Sitzungsleitung an seine Stellvertreterin Susanne Eichmüller (Grüne) ab – um sich, jetzt von der Neutralität entbunden, in einer persönlichen Erklärung zu äußern. „Wir haben hier einen Beschluss gefasst, der den Verzicht auf eine der letzten großen Freiflächen des Bezirks Nippes bedeutet. Ich bedaure sehr, dass wir die Entscheidung gefällt haben.“