31.07.2016
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Flora Sinfonie Orchester: Proben für das Open-Air-Konzert

Konzentration in der Scheune des Altenberger Hofs

Konzentration in der Scheune des Altenberger Hofs

Foto:

Max Grönert

Nippes -

Man kann ihn förmlich spüren, diesen Zauber des 2. Satzes von Beethovens Violinkonzert, wie er nach und nach den Raum erfüllt. Der 28-jährige Dirigent Thomas Jung vermittelt den Mitgliedern des Flora Sinfonie Orchesters und der Solistin Judith Stapf die Feinheiten dieses anspruchsvollen und für viele besonders schönen klassischen Musikstücks. Der Name des Orchesters passt zum Stück, das hier in der Scheune des Altenberger Hofs geprobt wird: „Hier wächst Musik wie eine Pflanze“, sagt Jung über dieses einmalige Projekt.

Laien und Profis spielen gemeinsam in einem rund 50-köpfigen Orchester – eine bunte Mischung, angereist aus Lüdenscheid, Bonn oder Nippes, aus allen Altersgruppen, mit unterschiedlichster Herkunft. Am Cello sitzt eine 16-jährige Schülerin, am Kontrabass ein pensionierter Fluglotse. Ein Arzt spielt Bratsche, eine Krankenschwester Geige und ein Bankmanager Horn. Es gibt Musiker mit Wurzeln in Venezuela, Korea, Dänemark oder Albanien. „Und alle teilen den Geist des Orchesters, gemeinsam Musik zu machen auf einem Niveau, für das man richtig arbeiten muss“, sagt Bettina Heimsoeth.

Die Idee, ein großes Orchester zu gründen, sei im botanischen Garten in Cambridge „plötzlich vom Himmel gefallen“, als sie bei einem Konzertprojekt zusammen saßen, sagen Heimsoeth und Jung. Der junge Dirigent hat an der Kölner Musikhochschule sein Studium abgeschlossen. Bei einem Spaziergang durch Nippes habe er den Altenberger Hof, das Bürgerzentrum in Nippes, als ideales Zuhause entdeckt. Zusammen sei man in den vergangenen Monaten immer weiter gewachsen.

Auf ein Programm mit Wiener Klassik folgte ein Konzert mit Werken von Schubert, Mozart und Haydn sowie einer Welturaufführung. Das Orchester hatte einen Kompositionsauftrag erteilt – ein gemeinsamer Lernprozess, sagt Jung. Die Werke bestimmen den Maßstab, dem sich die Musiker stellen wollen. Jeder Instrumentengruppe ist ein Profi zugeordnet, der Einzelproben leitet. Die Hobby-Musiker sollen nicht nur einfach mitspielen. „Sie lernen das Orchesterspielen“, so Jung. Finanziert wird das Projekt aus Spenden und Eintrittsgeldern. Noten, Ausstattung, Raumkosten, ab und zu mal eine Aushilfe kosten Geld. Die Profi-Musiker bekommen eine Aufwandsentschädigung.

Nach dem Open-Air-Konzert im stilvollen Innenhof des Altenberger Hofs an diesem Sonntag, 14. Juli , wo Beethovens Violinkonzert und seine 8.Sinfonie aufgeführt werden (siehe nebenstehenden Info-Kasten), sollen Schumanns Klavierkonzert und Tschaikowskis Nussknacker einstudiert werden. Aus der Ballettmusik soll erstmals auch ein Kinderprogramm werden. Jung, Heimsoeth und ihre vielen Mitstreiter haben noch viel vor. „Wir sind für alle Flausen offen“, sagt Jung. Wer mitmachen will, kann es versuchen. Gesucht werden vor allem erste Geigen und Kontrabässe.