26.07.2016
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Ginsterpfad: Naturschutz statt Naherholung

Blick vom Aussichtsplateau auf den See in der Schutzzone, am Horizont die Heilig-Geist-Klinik.

Blick vom Aussichtsplateau auf den See in der Schutzzone, am Horizont die Heilig-Geist-Klinik.

Foto:

Schöneck

Weidenpesch -

Die ehemalige Kiesgrube am Ginsterpfad ist ein Paradies für knapp 70 Pflanzen- und Gewächsarten – darunter Sanddorn, Wilde Möhre und Schwarzer Holunder. Außerdem laichen dort seltene Kröten; viele Vögel haben hier ihre Brutstätte sowie ein Durchzugs- und Winterquartier. Ihren Nachwuchs aufziehen können sie jedoch nur, wenn Menschen dabei nicht stören. Deshalb ist die rund 22 Hektar große Fläche am Nordrand von Weidenpesch seit mehr als 20 Jahren als Naturschutzgebiet ausgewiesen – eines mit besonders strengen Schutzvorkehrungen. So dürfen Personen das Gebiet grundsätzlich nicht betreten.

Einzige Ausnahme ist der Südosten des Areals, das Grundstück einer ehemaligen Hochdeponie. Vom Heckpfad aus, an der kompletten Kleingartensiedlung vorbei, ist es auf schmalen Wegen zu erwandern; eine kleine Aussichtsplattform, die Helfer angelegt haben, erlaubt wunderschöne Blicke auf die Seenplatte. Zahlreiche Hinweisschilder informieren in diesem Bereich die Besucher, wie sie sich zu verhalten haben. So sollen sie etwa Hunde anleinen; weder Vier- noch Zweibeiner dürfen die gekennzeichneten Wege verlassen. Weil einige Bürger das Verbot jedoch beharrlich ignorieren – vor allem im Sommer, wenn viele unerlaubterweise im Baggersee baden –, hat eine Bürgerin eine Eingabe an die Bezirksvertretung Nippes gerichtet. Darin schlägt sie vor, auch das übrige Gebiet unter Aufsicht für eine begrenzte Personenzahl zu öffnen – vor allem, damit Erholungssuchende bei schönem Wetter im Baggersee baden können. Zugleich regt sie an, die Bevölkerung stärker über den Sinn des Naturschutzgebiets aufzuklären, um die Sensibilität für Tiere und Pflanzen zu erhöhen.

Jagd auf Badende

Das Stadtteilparlament schloss sich nach seiner Beratung jedoch der Verwaltung an: Demnach soll der Zugang für die breite Öffentlichkeit weiter gesperrt sein. „Die meisten Menschen, die diesen Ort kennen, können nicht nachvollziehen, warum man sich dort nicht erholen darf“, hatte die Bürgerin beobachtet, die seit vier Jahren in Weidenpesch lebt. Deshalb seien die Besucher verärgert, wenn sie vom Ordnungsamt zur Rechenschaft gezogen würden – etwa Hundehalter, die ihre Lieblinge frei laufen ließen. „Viele lassen sich erst recht gehen, aus Ärger, dass dort praktisch Jagd auf Leute gemacht wird“, schilderte sie in ihrer Eingabe – andere Bürger versuchten sich vorbildlich zu verhalten. Ihrer Meinung nach liegt daher eine Lösung darin, den Zugang einerseits teilweise und beaufsichtigt zu ermöglichen, andererseits aber auch Aufklärungs- und Informationsarbeit zu verstärken.

Die Initiative fanden die Bezirksvertreter gut, sahen jedoch keine Chance auf eine Umsetzung. „Wir finden es wichtig, dass sich Menschen für ein Naturschutzgebiet interessieren, doch viele wollen sich nun mal nur dort amüsieren und lassen die Natur dafür leiden“, so SPD-Mitglied Winfried Steinbach. „Einige haben sogar ihre Hunde shampooniert und im See abgewaschen.“ Daher sei es richtig, wenn der Schutz aufrecht erhalten bliebe. Ähnlich hatte es die Untere Landschaftsbehörde im Umweltdezernat gesehen: Wegen der Schutzfunktion gebe es keine Alternative zum großflächigen Betretungsverbot; das müsse man auch weiter stichprobenartig vor Ort kontrollieren.


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