23.07.2016
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Nach drei Tagen: Feuer in Müllsortieranlage gelöscht

Niehl -

Der Brand in der Niehler Müllsortieranlage der Gesellschaft für Gewerbeabfall und Verwertung (GVG) konnte am Samstagmorgen endgültig gelöscht werden. Alle Einsatzkräfte konnten abgezogen werden. Am Freitag wurde noch mit riesigen Greifern der restliche Müll aus der Halle befördert und draußen abgelöscht. Die Greifer arbeiteten abwechselnd mit großen Long-Front-Baggern, die die Halle weiter abbrachen. 46 Wehrleute waren im Einsatz, dazu kamen Mitarbeiter der GVG und weiterer Spezialunternehmen.

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Es stieg nur noch wenig Rauch in den Himmel. Dennoch gab es am Freitag in der Nähe der Unglücksstelle weiter spürbare Geruchsbelästigungen durch eine geänderte Windrichtung auch in Stadtteilen nördlich des Brandortes. Anwohnern wurde darum von der Feuerwehr empfohlen, in diesen Bereichen Fenster und Türen weiter geschlossen zu halten. Allerdings bestand nach wie vor keine Gefahr für die Gesundheit, so Müller: „Wir haben Freitagmorgen um 8.30 Uhr zuletzt in Blickweite der Halle gemessen, die Geräte haben nichts angezeigt.“ Am Freitag gab es nach Auskunft der Feuerwehr auch keine Anrufe besorgter Bürger mehr in der Leitstelle.

Der Wetterwechsel mit Regen und Gewittern hatte die Arbeit der Feuerwehr zuletzt erschwert. Denn auch dieses Wasser musste zunächst einmal aufgefangen werden. Ob es entsorgt werden muss, entscheidet das städtische Umweltamt.

Das GVG-Mülllager in Niehl muss abgerissen werden. Aus Sicherheitsgründen konnte die Feuerwehr keine Männer am Boden in die Halle schicken, es bestand Einsturzgefahr. Am Mittwochabend, als der Brand ausbrach, waren zeitweise 220 Einsatzkräfte vor Ort. „Wir mussten die Wachen mit freiwilligen Kräften auffüllen“, sagte Branddirektor Stephan Neuhoff.

Wie jetzt bekannt wurde, bereitete den Rettungskräften zu Beginn des Einsatzes am Mittwochabend ein Kesselwagen auf Gleisen des angrenzenden Geländes der Chemiefirma Akzo Nobel Sorgen. Die Entfernung zum Brand betrug nur wenige Meter, allerdings lag die Hallenwand noch dazwischen. Da nicht klar war, was sich in den Kesseln befand, baute die Feuerwehr eine sogenannte Riegelstellung auf, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindert. Auch die Werksfeuerwehr war im Einsatz. Um 18.15 Uhr wurde der Waggon weggefahren. Laut einem Unternehmenssprecher befand sich in dem Kessel eine zu 45 Prozent wässrige Lösung von Sodiumhydrogensulfit, ein Vorprodukt der Gummiproduktion. Laut dem Sprecher und der Feuerwehr bestand aber keine Gefahr.

Der durch den Brand ausgelöste Schaden geht in die Millionen, die Halle muss abgerissen werden. Eine Verpuffung in einem Schredder war laut GVG-Geschäftsführer Matthias Müller der Grund für das Unglück. Zwei Mitarbeiter arbeiteten an der Maschine, als es eine Stichflamme gab. Der Müll kommt hauptsächlich aus dem Umland und anderen Bundesländern nach Köln und wird nach der Anlieferung von GVG-Mitarbeitern begutachtet und protokolliert. Gefahrenstoffe sollen aussortiert werden. „Da ist unserem Personal offenbar etwas durch die Lappen gegangen“, sagte Müller. Mit welcher Ladung die leicht entflammbare Flüssigkeit geliefert wurde, wird sich laut Müller nicht klären lassen. Ironie des Schicksals: Nach einem Brand in einer benachbarten Halle im November 2011 hatte das Unternehmen erst vor wenigen Wochen eine neue Brandschutzanlage mit neuen Rauchmeldern und Löschkanonen bestellt, die im September installiert werden sollte. Ansonsten habe das Unternehmen nach eigener Aussage alle Brandschutzvorschriften erfüllt.

Trotz des Ausfalls der Sortieranlage soll die Müllverbrennungsanlage weiter mit der bisherigen Auslastung gefahren werden können, sagte ein Sprecher des Betreibers AVG. Die Fraktion Die Linke im Rat forderte unterdessen, den Ratsbeschluss zum Müll vom Juni aufzuheben. Der Rat hatte beschlossen, Abfallimporte aus dem Ausland zuzulassen, um die Müllverbrennungsanlage in Niehl auszulasten. (bls, ksta)