27.08.2016
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PC-Lernstation: Zum Lesenlernen in die Bücherei

Martina Morales vom Verein „Lernende Region – Netzwerk Köln“ demonstriert den Besuchern die PC-Lernstation in der Bibliothek.

Martina Morales vom Verein „Lernende Region – Netzwerk Köln“ demonstriert den Besuchern die PC-Lernstation in der Bibliothek.

Foto:

Schöneck

Weidenpesch/Nippes -

Lagerarbeiter Didi wünscht sich nichts sehnlicher, als den Führerschein zu machen, um mit seiner Freundin Ausflüge im Auto unternehmen zu können. Doch da er nicht ausreichend lesen kann, ist die Theorieprüfung für ihn ein unüberwindliches Hindernis. Im Alltag mogelt er sich unterdessen mit Tricks durch: Statt an Straßenschildern orientiert er sich an markanten Punkten im Stadtgebiet – und wenn er etwas vorlesen oder ausfüllen soll, hat er gerade mal seine Brille verlegt oder sein Arm ist verstaucht. „Immer lebt er mit der Angst, dass sein Geheimnis entdeckt wird“, heißt es in einem Stück über die Probleme von Analphabeten im Alltag, das eine Artistengruppe in einem amüsanten Schauspiel veranschaulicht hat – jetzt wurde es als Video in der Nippeser Stadtteilbibliothek gezeigt. Didi entschließt sich jedoch, einen Alphabetisierungskursus zu besuchen – und lernt endlich richtig Lesen und Schreiben. Führerschein, Autokauf, Hochzeit, Happy End.

Diese Geschichte könnte ab sofort auch in Nippes spielen. Denn im Obergeschoss der Bücherei im Bezirksrathaus an der Neusser Straße 450 hat nach den Standorten in Chorweiler, Mülheim und Kalk das vierte Lernstudio für Alphabetisierung und Grundbildung der Stadt eröffnet. Hier stehen Leseschülern zwei PCs mit Lernprogrammen, Bücher und Zeitungen in leichter Sprache zur Verfügung, die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Einrichtung stehen ihnen zur Seite. Nun eröffneten Jakob Schüller von der Volkshochschule, die stellvertretende Bibliotheks-Leiterin Carolin Köhnen, Martina Morales vom Verein „Lernende Region – Netzwerk Köln“ und Frank Daniel, Leiter der Abteilung Digitale Dienste der Stadtbibliothek, das Angebot offiziell.

Auch Angebote im Internet

„Es haben sich bei unserer ersten Führung schon acht Leute angemeldet“, freute sich Köhnen. „Wir haben die Räumlichkeit mit den PC-Stationen bewusst so gestaltet, dass die Teilnehmer etwas abgeschirmt sind, der Bereich aber dennoch in die Bibliothek integriert ist.“ Währenddessen demonstrierte Morales den rund 20 Eröffnungs-Besuchern das E-Learning-Angebot der voreingestellten Website ich-will-lernen.de. „Es ist natürlich auch von zu Hause aus nutzbar, bereits mehr als 400 000 Lernende sind dort registriert“, so Morales. Auch die Türkei habe inzwischen das interaktive Lernmodell adaptiert, um dortigen Analphabeten zu helfen. Auch abseits des neuen Projektes freue sie sich über die steigende Bedeutung ihrer Einrichtung. „Die Stadtteilbibliotheken wandeln sich immer mehr zu Treffpunkten, gerade für Jugendliche, die hier zusammen lernen.“

Teilnehmer des Lernmodells berichteten immer häufiger von positiven Veränderungen in ihrem Alltag, je mehr Lese- und Schreibkenntnisse sie entwickelten, so Schüller. In der benachbarten VHS bietet er unterstützende Deutschkurse an – hier zahle sich die Nähe zur Bibliothek aus. „Oft sind es die Kinder, die Teilnehmer motivieren, in die Bibliothek zu gehen.“