27.08.2016
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Pflegeheim: Das Mitmach-Haus für Senioren

Die Seniorin einer Wohngruppe bereitet mit ihrer Betreuerin einen Obstsalat zu.

Die Seniorin einer Wohngruppe bereitet mit ihrer Betreuerin einen Obstsalat zu.

Foto:

Schöneck

Riehl -

Das Leben in den Wohngruppen des neuen Pflegeheims „Haus 2“ der Sozial-Betriebe Köln erinnert an eine ganz normale WG. Im großen, hell und freundlich gestalteten Gemeinschaftsraum mit Küche, Leseecke, Musikanlage und dem großen Fernseher sitzen einige Bewohner mit einer Betreuerin um einen Tisch herum – und bereiten zusammen einen Obstsalat zu. Den Raum haben sie mit Luftschlangen, Girlanden und Clown-Motiven karnevalistisch geschmückt. Den Senioren gefällt ihr neues Lebensumfeld. „Ich bin vorigen Dienstag hier eingezogen – es ist wunderschön, die Zimmer sind top“, sagt eine 94-Jährige, die zuvor in einer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in Nippes gelebt hat. Doch auch wegen ihrer Sehschwäche fiel es ihr immer schwerer, den Alltag alleine zu bewältigen. „Ich fühle mich hier wohl, es klappt alles wieder besser“, meint auch eine zweite Bewohnerin, die sich gerade von einem Schlaganfall erholt. „Das Essen ist gut, die Menschen sind nett – was will man mehr?“

Die beiden Seniorinnen gehören zu den 20 ersten Bewohnern des neuen Pflegeheims auf dem Riehler Gelände der Sozial-Betriebe (SBK). In rund anderthalb Jahren Bauzeit entstand das Haus mit rund 4000 Quadratmetern Fläche auf drei Etagen; etwa 6,3 Millionen Euro haben die SBK in das Heim mit 74 Einzel- und drei Doppelzimmern sowie jeweils eigenen Bädern investiert. Nun präsentierten Geschäftsführer Otto B. Ludorff, Heimleiterin Gabriele Patzke und Pflegedienstleiterin Nina Wieczorek die Einrichtung bei einem Rundgang.

Chance für Bewohner und Angehörige

„Das neue Heim ist eine Chance, sowohl für die Bewohner als auch die Angehörigen“, findet Ludorff. „Haus 2“ ist das erste von sechs in Riehl geplanten neuen Pflegeheimen mit je rund 80 Plätzen, die teils Altbauten auf dem Areal ersetzen; hier legen die SBK großen Wert auf familiäre Strukturen mit vielen Gruppen-Aktivitäten. „Wir wollen ein Mitmach-Haus sein, in dem die Bewohner bewusst auch kleine Haushaltsaufgaben übernehmen.“ Auch Verwandte seien willkommen, mit den Senioren zu werkeln und zu feiern. „Unsere Haupt-Zielgruppe für diese Wohnform sind Menschen mit leichter Demenz, die aber noch mobil sind und sich bewegen wollen“, so Patzke. „Auch den Garten der Anlage bepflanzen wir im Frühjahr mit den Senioren“, kündigt sie an. Das Haus erfüllt schon jetzt alle Vorgaben des Wohn- und Teilhabegesetzes NRW, die ab 2018 verbindlich werden: Etwa die Einzelzimmer-Quote von mindestens 80 Prozent und das Wohngruppen-Prinzip. Im „Haus 2“ teilen sich zwei Gruppen zu je 13 bis 14 Senioren eine Etage. Ihre durch eine Schiebewand getrennten Gemeinschaftsräume sind für Feiern zusammenlegbar.

Was das Design betrifft, macht das Haus ebenfalls einiges her. Auch als Orientierungshilfe für die Senioren gedacht, hat jede Station eine andere Wandfarbe; die Kunstwerke sind aufeinander abgestimmt. So sind in einem Bereich ausschließlich Fotografien von Kölner Rhein-Ansichten und Brücken zu sehen, in einer anderen Ecke haben sich Künstler mit Domspitzen-Motiven beschäftigt. Im Nachbarhaus finden die Bewohner weitere Freizeitangebote vor – wie ein Schwimmbad mit Sauna und Fitnessgeräten. Ärzte, Friseur, Bücherei, ein Lädchen und Weiteres gibt es in nächster Nähe.

Insgesamt investieren die SBK rund 55 Millionen Euro in die sechs Heime. Für die anderen fünf Bauten laufen die Ausschreibungen; im Herbst ist Baubeginn.

www.sbk-koeln.de