28.08.2016
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Schul-Projekt: Besseres Lernklima dank Hunden

Fünf Schüler bilden mit den Hunden eine Pyramide: Felix liegt unten, die Lehrerin Carola Preller setzt Mo auf die Spitze.

Fünf Schüler bilden mit den Hunden eine Pyramide: Felix liegt unten, die Lehrerin Carola Preller setzt Mo auf die Spitze.

Foto:

Schöneck

Longerich -

Wenn die beiden jüngsten Mitglieder der Klasse 2a an der Sternsingerschule anwesend sind, hängen Hinweisschilder an der Türklinke. "Felix ist da!" und "Mo ist da!" ist darauf zu lesen. "Klopfe an, bis man Dich rein bittet; die Tür immer direkt schließen." Die Regel hat einen guten Grund: Die zwei hält es während der Stunde nur selten auf ihrem Hinterteil, unangemeldete Gäste werden erst einmal ausgiebig beschnuppert. Felix und Mo sind nämlich Hunde, genauer gesagt ein Border-Collie und ein Zwergpudel.

Die beiden Schulhunde sind seit Ende der Sommerferien in der Alt-Longericher Grundschule fester Bestandteil; während des Unterrichts liegen sie entweder in ihren Boxen neben dem Lehrerpult oder tapsen durch den Raum; die Schüler können sie vorsichtig streicheln, wenn sie deren Tisch passieren. "Wir hatten die Hunde im ersten Schuljahr mal ein paar Wochen im Rahmen eines Projektes in der Klasse; seit diesem Schuljahr sind sie Dauergäste bei uns", erzählt die Klassenlehrerin und Besitzerin der beiden Vierbeiner, Carola Preller.

Zwei mal wöchentlich Unterricht mit Hund

"Etwa zweimal die Woche kommen sie mit in unsere Klasse." In den Pausen betreut die Helferin Lisa, die ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Schule absolviert, die Hunde und geht mit ihnen ins Grüne. Vor ihrem Einsatz an der Sternsingerschule absolvierten die beiden Hunde vier Wochenenden lang ein spezielles Training in der Hundeschule.

In der Klasse sind rund 20 Schüler, darunter auch sechs mit besonderem Förderbedarf - sie werden durch eine Sonderpädagogin betreut, die mit im Klassenraum sitzt. Sie alle haben ihre neuen Klassenkameraden - die "gute Seele" Felix mit den großen, treuen Augen und den wuseligeren, manchmal etwas eigenwilligen "kleinen Prinzen" Mo - lieben gelernt. "Sie können sich, wenn sie mögen, auch eine Auszeit mit den Hunden nehmen, um mit ihnen zu schmusen oder ihnen auf der Lese-Couch etwas vorzulesen", so Preller. In mehreren Ländern, berichtet sie, gäbe es ein Projekt namens Lesehund, um das Selbstvertrauen der Kinder in ihre Lesefähigkeit zu stärken. Denn im Gegensatz zu menschlichen Zuhörern haben die Hunde natürlich keine Erwartungshaltung an den Vorleser und lauschen trotz Versprecher ruhig weiter."

Hunde erfüllen viele Aufgaben

Auch im sozialen Bereich bewirken die vierbeinigen Mitschüler wahre Wunder. "Drei unserer Kinder, die mittlerweile wie selbstverständlich auf Felix und Mo zugehen, kannten zuvor den Umgang mit Hunden nicht; und wir haben ein Mädchen, deren Mutter Angst vor Hunden hat", so Preller. "Sie ist jedoch froh, dass ihr Kind den Umgang mit Hunden lernt."

Einer ihrer Schüler ist vor kurzem als Flüchtling aus Pakistan in Longerich gelandet. "Über die Beschäftigung mit den Hunden hat er Kontakt zu den anderen Mitschülern aufgenommen, anfangs sprach er kaum." Ähnliches gilt für die Kinder mit Förderbedarf, die ebenfalls erkennbar vom Umgang mit den Hunden profitieren.

Zirkustricks im Klassenraum

Das Schulleben mit Felix und Mo erschöpft sich jedoch nicht mit Streicheln und Vorlesen - die Schüler arbeiten auch aktiv mit den Hunden und trainieren, wenn Zeit dazu ist, im "Zirkusraum" der Schule mit ihnen verschiedene Kunststücke. Mittlerweile können Felix und Mo auf ein Kommando hin eine Bodenrolle machen, sich vor den Kindern verbeugen und unter ihren Beinen hertauchen. Als Dankeschön gibt es einen Hundedrops aus dem "Leckerli-Beutel".

Spektakulär wird es zum Ende des Besuchs: Unter dem Applaus von Preller schaffen es fünf der Kinder gemeinsam mit den Hunden eine Pyramide zu bilden. Keine Frage: Die Zwei- und Vierbeiner an der Sternsingerschule sind ein eingespieltes Team.