25.07.2016
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St. Mikael: Äthiopisch-orthodoxe Kölner

Die Mitglieder der Äthopisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland feierten in Longerich das Fest des Erzengels Michael.

Die Mitglieder der Äthopisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland feierten in Longerich das Fest des Erzengels Michael.

Foto:

Elsen

Longerich -

Das metallische Klappern der „Tsanatsel“, einer Handrassel, und Trommelschläge der „Kebero“ erklingen über den Kirchenvorplatz von Sankt Mikael. Mit einem melodischen Gesang ehren die in weiße Leinenkleidung gehüllten Gläubigen den Namenspatron ihrer Kirche, den Erzengel Michael, dem zu Ehren sie ein Fest veranstalten. Fröhlich mit den traditionellen äthiopischen Instrumenten musizierend ziehen sie in einer farbenfrohen Prozession aus dem Gotteshaus am Lindweilerweg. Dabei tragen die Gemeindemitglieder einen Tabot, eine Nachbildung der israelitischen Bundeslade, ein goldumschlagenes Evangelium, ein goldenes, reich verziertes Festkreuz und Bilder der Mutter Gottes sowie des Erzengels Michael. Die Stimmung ist sehr feierlich und gleichzeitig beschwingt.

Die Teilnehmer des Festzugs gehören der äthiopisch-orthodoxen Kirche Deutschlands an, die ihren Sitz bereits seit fast 30 Jahren in Köln hat. Im Sommer 2009 hatten die Orthodoxen die denkmalgeschützte ehemalige Lutherkapelle nach langen Jahren als Mieter sogar gekauft. Erzpriester Merawi Tebege ist stolz auf diesen Andachtsort, der farbenfrohe Wandgemälde, kunstvolle Ikonen und einen reich geschmückten Altar beherbergt. Tebege gründete 1983 die äthiopisch-orthodoxe Kirche in Deutschland. Nach dem Sturz von Kaiser Haile Selassie und der Gründung einer sozialistischen Militärdiktatur im Jahr 1974 flüchteten viele äthiopische Christen von Afrika nach Europa, zahlreiche kamen ins damalige Westdeutschland.

Über Glauben und Tradition austauschen

Tebege wollte einen Ort schaffen, an dem sie sich über ihren Glauben und ihre Traditionen austauschen können. „Wir geben den Gläubigen in unserer Gemeinde ein Stück Heimat – auch wenn die meisten natürlich längst in Deutschland Wurzeln geschlagen haben“, erläutert der Erzpriester. „Im Großraum Köln leben etwa 500 Gläubige, in ganz Deutschland sind es rund 25 000“, erklärt Tebege, der der Kirche wie ein Dekan vorsteht.

Der Festgottesdienst, der bereits um fünf Uhr morgens mit einem Weihrauchgebet begonnen hatte, wurde auf „Ge’ez“, der äthiopischen Kirchensprache, gehalten. Um dem Andrang der mehr als 300 Besucher zu bewältigen, waren alle Kirchenbänke ausgeräumt worden.

Frisch gerösteter Kaffee

Im Anschluss an die offiziellen Feierlichkeiten saßen die Gemeindemitglieder noch lange in weißen Zelten zusammen. Es gab das Nationalgericht „Ingera“, ein Fladenbrot mit Rindfleisch und scharfen Linsen. Dazu frisch gerösteten, gemahlenen und heiß aufgebrühten Kaffee. Schließlich ist Äthiopien das Ursprungsland der Bohnen, die aus der Region Kaffa stammen. „Auch das Essen und die Kaffeezeremonie sind so etwas wie ein Stück Heimat“, freut sich Tebege.