Köln
Nachrichten aus Köln und den Stadtteilen

Vorlesen
0 Kommentare

Oldtimer-Serie: Frische Luft im Trabi-Cabrio

Erstellt
Jürgen Napieraj: „Ich wollte nicht zwangsläufig einen Trabi haben, sondern in erster Linie ein günstiges Cabrio mit Seltenheitswert.“ Foto: Christ
Auch der Trabant 601 zählt mittlerweile zu den Oldtimern. Jürgen Napieraj aus Porz-Zündorf würde mit seinem Trabi-Cabrio gerne mal durch Schottland fahren. Für unsere Serie "Alte Liebe rostet nicht" haben wir Auto und Halter besucht.
Drucken per Mail
Porz-Zündorf

Wenn Jürgen Napieraj noch solo wäre, sein Auto wäre das ideale Vehikel für neue Bekanntschaften. „Die Frauen stehen drauf“, hat der 53-Jährige festgestellt. Klein, knuffig und quietschgelb steht der Trabant 601 in der Einfahrt der Napierajs in Zündorf. Es ist ein spät berufenes Sondermodell – irgendwann in den ersten Nachwendejahren zum schicken Cabrio umgebaut und zeitgemäß lackiert. Beim Tanken gilt natürlich noch immer: Auf 50 Liter Benzin kommt ein Liter Zweitaktöl.

Deshalb habe ich ihn:

Jürgen Napieraj: Ich wollte nicht zwangsläufig einen Trabi haben, sondern in erster Linie ein günstiges Cabrio mit Seltenheitswert. Ich habe fast ein Jahr lang im Internet recherchiert, bis ich auf den Trabant gestoßen bin. Mit 1500 Euro war das Angebot unschlagbar günstig und die Sympathiewerte stimmten auch. Ich habe mich sofort in dieses niedliche Auto verliebt. Die grelle Farbe fand ich etwas gewöhnungsbedürftig, doch ich durfte nichts daran ändern – meine damals 17-jährige Tochter hat es mir verboten. Heute weiß ich, dass das die richtige Entscheidung war: Egal, wohin ich fahre, die Leute bemerken den Wagen und sind begeistert.

Das kann er:

Napieraj: Er ist für mich ein ganzjähriger Frischluftlieferant. Ich fahre den Trabi im Sommer wie im Winter offen. Auch wenn es draußen friert, klappe ich das Verdeck zurück und fahre zum Einkaufen oder ins Bergische Land. Solche Frosttouren bringen Herz und Kreislauf in Schwung. Insofern hält mich der Trabi auch fit.

Der Trabant 601

Das kann er nicht:

Napieraj: Mit 80 Stundenkilometern über die Landstraße fahren ist wunderbar. Die Autobahn sollte man sich schenken, höhere Geschwindigkeiten sind eine Tortur für Technik und Fahrer. Was mir fehlt, ist eine gute Musikanlage. Ich würde gerne bei offenem Verdeck laut Bob Marley hören, aber dazu wird es wohl nicht kommen. Für die Boxen müsste ich große Löcher in die Verkleidung fräsen. Und das kommt gar nicht in Frage.

Der Zweitakter ist dank Katalysator recht gut zur Umwelt.
Der Zweitakter ist dank Katalysator recht gut zur Umwelt.
Foto: Christ

Das habe ich für ihn getan:

Napieraj: Ich mache alles selbst, eine Werkstatt brauche ich nicht. Als ich den Trabi vor sechs Jahren bekam, war er technisch gut in Schuss, aber völlig verdreckt. Der DDR-Staub hatte sich in allen Ritzen festgesetzt und die Teile im Motorraum waren zentimeterdick mit Öl verschmiert. Ich habe irgendwann alle Teile ausgebaut und sie mit Spachtel und Lappen gereinigt, das war harte Arbeit. Karosserie und Technik waren aber intakt, ich habe dem Trabi allerdings einen Katalysator spendiert. Das bringt mir das gute Gefühl, kein Umweltschwein zu sein. Der Wagen qualmt jedenfalls viel weniger als am Anfang und verströmt den DDR-typischen Zweitakt-Geruch nur noch in Maßen.

Das haben wir erlebt:

Napieraj: Meine Frau und ich waren schon vor dem Trabi Fans der Ostseeküste. Zusammen mit ihm erleben wir Land und Leute aber viel intensiver. Seitdem wir mit dem Zweitakter zum Campingurlaub in den Osten fahren, sprechen uns immer wieder frühere Trabi-Fahrer an. Meistens wollen sie ein Foto und den Motor nochmal sehen. Es sind aber vor allem Ältere, die sich interessieren. Die Jüngeren wollen vom Trabi offenbar nichts mehr wissen. Die anderen geben uns immer wieder nützliche Tipps, zum Beispiel, wie man einen gerissenen Keilriemen durch eine Damen-Strumpfhose ersetzt.

Nach der Wende wurde der Trabi von Jürgen Napieraj freizügiger: Das Dach kam weg und ein knalliges Gelb vertrieb das einstige Braun.
Nach der Wende wurde der Trabi von Jürgen Napieraj freizügiger: Das Dach kam weg und ein knalliges Gelb vertrieb das einstige Braun.
Foto: Christ

Das haben wir vor:

Napieraj: Einmal mit dem Trabi in die schottischen Highlands fahren, das wäre mein Traum. Ich stelle es mir aufregend vor, im Cabrio bei Wind und Wetter durch die neblige Landschaft zu fahren, abends Quartier in einer Whiskey-Brennerei zu nehmen und morgens die Fahrt Open Air fortzusetzen. Wenn sich noch ein oder zwei andere Trabifahrer anschließen würden, wäre die Tour vielleicht noch spannender.

Aufgezeichnet von Tobias Christ

Auch interessant
KVB Fahrplan
Start
Ziel
Datum
Zeit
 
Blicke in die Zukunft Kölns
Serie
Visionen für Köln

Mit der Serie „Köln 2020“ wagt der „Kölner Stadt-Anzeiger“ einen Blick in die Zukunft der Stadt.

Videos
Unsere Sonderveröffentlichungen
FACEBOOK
Blog
Digitale Themen
Das Logo von Rheinklick

Mini-Coding-Schulungen, Analysen oder Veranstaltungen, hier geht es um Themen rund um die digitale (Kölner) Szene.

Weitere Serien
Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!