29.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
Kölner Stadt-Anzeiger | Oldtimer-Serie: Frische Luft im Trabi-Cabrio
28. February 2013
http://www.ksta.de/5894614
©

Oldtimer-Serie: Frische Luft im Trabi-Cabrio

Jürgen Napieraj: „Ich wollte nicht zwangsläufig einen Trabi haben, sondern in erster Linie ein günstiges Cabrio mit Seltenheits

Jürgen Napieraj: „Ich wollte nicht zwangsläufig einen Trabi haben, sondern in erster Linie ein günstiges Cabrio mit Seltenheitswert.“

Foto:

Christ

Porz-Zündorf -

Wenn Jürgen Napieraj noch solo wäre, sein Auto wäre das ideale Vehikel für neue Bekanntschaften. „Die Frauen stehen drauf“, hat der 53-Jährige festgestellt. Klein, knuffig und quietschgelb steht der Trabant 601 in der Einfahrt der Napierajs in Zündorf. Es ist ein spät berufenes Sondermodell – irgendwann in den ersten Nachwendejahren zum schicken Cabrio umgebaut und zeitgemäß lackiert. Beim Tanken gilt natürlich noch immer: Auf 50 Liter Benzin kommt ein Liter Zweitaktöl.

Deshalb habe ich ihn:

Jürgen Napieraj: Ich wollte nicht zwangsläufig einen Trabi haben, sondern in erster Linie ein günstiges Cabrio mit Seltenheitswert. Ich habe fast ein Jahr lang im Internet recherchiert, bis ich auf den Trabant gestoßen bin. Mit 1500 Euro war das Angebot unschlagbar günstig und die Sympathiewerte stimmten auch. Ich habe mich sofort in dieses niedliche Auto verliebt. Die grelle Farbe fand ich etwas gewöhnungsbedürftig, doch ich durfte nichts daran ändern – meine damals 17-jährige Tochter hat es mir verboten. Heute weiß ich, dass das die richtige Entscheidung war: Egal, wohin ich fahre, die Leute bemerken den Wagen und sind begeistert.

Das kann er:

Napieraj: Er ist für mich ein ganzjähriger Frischluftlieferant. Ich fahre den Trabi im Sommer wie im Winter offen. Auch wenn es draußen friert, klappe ich das Verdeck zurück und fahre zum Einkaufen oder ins Bergische Land. Solche Frosttouren bringen Herz und Kreislauf in Schwung. Insofern hält mich der Trabi auch fit.

Das kann er nicht:

Napieraj: Mit 80 Stundenkilometern über die Landstraße fahren ist wunderbar. Die Autobahn sollte man sich schenken, höhere Geschwindigkeiten sind eine Tortur für Technik und Fahrer. Was mir fehlt, ist eine gute Musikanlage. Ich würde gerne bei offenem Verdeck laut Bob Marley hören, aber dazu wird es wohl nicht kommen. Für die Boxen müsste ich große Löcher in die Verkleidung fräsen. Und das kommt gar nicht in Frage.

Das habe ich für ihn getan:

Napieraj: Ich mache alles selbst, eine Werkstatt brauche ich nicht. Als ich den Trabi vor sechs Jahren bekam, war er technisch gut in Schuss, aber völlig verdreckt. Der DDR-Staub hatte sich in allen Ritzen festgesetzt und die Teile im Motorraum waren zentimeterdick mit Öl verschmiert. Ich habe irgendwann alle Teile ausgebaut und sie mit Spachtel und Lappen gereinigt, das war harte Arbeit. Karosserie und Technik waren aber intakt, ich habe dem Trabi allerdings einen Katalysator spendiert. Das bringt mir das gute Gefühl, kein Umweltschwein zu sein. Der Wagen qualmt jedenfalls viel weniger als am Anfang und verströmt den DDR-typischen Zweitakt-Geruch nur noch in Maßen.

Das haben wir erlebt:

Napieraj: Meine Frau und ich waren schon vor dem Trabi Fans der Ostseeküste. Zusammen mit ihm erleben wir Land und Leute aber viel intensiver. Seitdem wir mit dem Zweitakter zum Campingurlaub in den Osten fahren, sprechen uns immer wieder frühere Trabi-Fahrer an. Meistens wollen sie ein Foto und den Motor nochmal sehen. Es sind aber vor allem Ältere, die sich interessieren. Die Jüngeren wollen vom Trabi offenbar nichts mehr wissen. Die anderen geben uns immer wieder nützliche Tipps, zum Beispiel, wie man einen gerissenen Keilriemen durch eine Damen-Strumpfhose ersetzt.

Das haben wir vor:

Napieraj: Einmal mit dem Trabi in die schottischen Highlands fahren, das wäre mein Traum. Ich stelle es mir aufregend vor, im Cabrio bei Wind und Wetter durch die neblige Landschaft zu fahren, abends Quartier in einer Whiskey-Brennerei zu nehmen und morgens die Fahrt Open Air fortzusetzen. Wenn sich noch ein oder zwei andere Trabifahrer anschließen würden, wäre die Tour vielleicht noch spannender.

Aufgezeichnet von Tobias Christ


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?