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Paul Bauwens-Adenauer: Planungspause fürs Jüdische Museum

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Um das auf dem Rathausplatz geplante Jüdische Museum ist ein Streit entbrannt. Foto: Michael Bause
IHK-Präsident Paul Bauwens-Adenauer will eine neue Planung für das Jüdische Museum. Das bisherige Konzept werde dem Rathausplatz als zentralem Ort bei weitem noch nicht gerecht. Besser eine Lücke als eine Krücke, meint er und fordert eine Besinnungspause.
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Herr Bauwens-Adenauer, die CDU, in der Sie auch Mitglied sind, fordert einen Planungsstopp für die Archäologische Zone, mit der auch das Jüdische Museum verbunden ist. Die IHK sagt, Kultur ist ein weicher Standortfaktor, mit dem Köln wirtschaftlich punkten kann. Was ist nun richtig?

Paul Bauwens-Adenauer: Ich denke, dass bis jetzt noch kein überzeugendes Konzept vorliegt, weder für die Archäologische Zone noch für das Jüdische Museum. Ganz sicher hat der Platz vor dem Rathaus eine Bebauung verdient, das ist ein wichtiger Stadtraum für Köln. Und die jüdische Geschichte ist ein wichtiger Teil der Geschichte dieses Kölns und des Stadtviertels. Aber was den Städtebau und die Architektur angeht, so ist die bisherige Planung dem Ort bei weitem noch nicht angemessen.

Obwohl die Stadt einen Architektenwettbewerb ausgelobt hat?

Bauwens-Adenauer: Ein Wettbewerb ist noch kein Garant für Qualität, das hat man doch schon beim Schauspielhaus gesehen.

Was stört Sie am Entwurf?

Bauwens-Adenauer: Er bringt nicht die Qualität, die wir für diesen Ort beanspruchen müssen. Das Gebäude erscheint klobig, es hat keine dem Ort angemessene Sensibilität und reagiert städtebaulich nicht gut genug auf die Nachbarschaft, wie zum Beispiel die Seite zum Wallraf-Richartz-Museum völlig nichtssagend ist, es gibt dort keine Begegnung.

Die Jury war sich aber sehr einig über die Planung von Wandel Hoefer Lorch und Hirsch. Das Votum war einstimmig bei einer Enthaltung. Haben die alle keine Ahnung?

Bauwens-Adenauer: Jeder Wettbewerb hängt zum einen von den Teilnehmern ab, zum anderen von der Jury. Aber selbst eine mit guten Fachleuten besetzte Jury entwickelt manchmal eine eigene tagesformabhängige Dynamik. So entstehen Momentaufnahmen. Bei derartigen wichtigen Vorhaben wäre es besser, wenn eine Jury ihre Entscheidung nach einem gewissen zeitlichen Abstand noch einmal überdenken würde.

Ursprünglich sollte das Ganze schon 2010 fertig sein. So langsam entwickelt es sich zu einer unendlichen Geschichte.

Bauwens-Adenauer: Es darf aber nicht sein, dass für diesen so wichtigen innerstädtischen Raum jetzt ein Termindruck aufgebaut wird. Dort kann Hochinteressantes passieren. Das muss gut gemacht werden, dafür muss man sich die Zeit nehmen. Und deshalb finde ich die Diskussion der zurückliegenden Monate gut. In Köln wird an manchen Stellen viel zu wenig diskutiert.

Also sollte der Stadtrat die Planung stoppen?

Bauwens-Adenauer: Ja. Wir brauchen eine Pause zur Besinnung.

Aber grundsätzlich soll gebaut werden?

Bauwens-Adenauer: Der Ort hat das verdient. Und jüdische Geschichte ist ein Teil dieses Ortes. Aber ein jüdisches Museum allein ist es wahrscheinlich nicht, weil die Exponate dafür nicht reichen.

Zeit zum Nachdenken gab es doch genug. Warum wollen Sie noch einmal alles infrage stellen?

Bauwens-Adenauer: Weil das Konzept nicht da ist. Oder sehen Sie ein Konzept?

Sehen Sie nicht die Gefahr, dass die Archäologische Zone ein Endlos-Projekt wird, von denen es ja schon einige gibt in Köln?

Bauwens-Adenauer: Besser eine Lücke als eine Krücke, wie es so schön heißt. Gerade diese Bauten sollen doch etwas für die Ewigkeit sein. Wir wollen lange mit ihnen leben, sie stellen selber schon wieder ein Stück Geschichte dar. Da dürfen ein oder zwei Jahre der Besinnung keine Rolle spielen. Wir haben so viele Örtlichkeiten hier in der Stadt, die nicht so toll geraten sind. Da sollten wir diesmal schon einen richtig guten Wurf hinlegen.

Wie sollte es denn weitergehen? Mit einem neuen Architektenwettbewerb?

Bauwens-Adenauer: Es ist doch so: Zuerst braucht man ein Konzept, dann folgt die Architektur. Wenn ich feststelle, dass es kein hinreichendes Konzept gibt, wie kann ich dann ein Gebäude planen? Wenn ich ein Gebäude entwerfen lasse, von dem es heißt, das schafft alles, dann kann das kein gutes Gebäude sein, es ist beliebig. Deshalb halte ich einen neuen Wettbewerb für nötig. Das darf bei einem so wichtigen Projekt nicht am Geld scheitern.

Ein erneuter Architektenwettbewerb wäre ein sehr aufwendiges Verfahren.

Bauwens-Adenauer: Es könnte ein begrenzter Wettbewerb sein, zu dem die Stadt nur einige wenige Büros einlädt. Leute, die bewiesen haben, dass sie Qualität auf dem Niveau Peter Zumthors liefern können. Diese Güte vermisse ich bei dem jetzigen Entwurf.

Das sagt der Präsident der Industrie- und Handelskammer.

Bauwens-Adenauer: Die Gestaltung dieser Stadt, das kulturelle Angebot dieser Stadt ist ein wesentlicher Standortfaktor. Womit soll sich Köln überhaupt im Wettbewerb der Städte herausheben, wenn nicht mit seiner Kultur?

Zunächst aber müsste irgendjemand die Initiative ergreifen. Wer sollte das sein?

Bauwens-Adenauer: Ich sehe den Baudezernenten gefordert, die neue Kulturdezernentin, die Spitzen der Parteien. Am besten wäre ein gemeinsamer Aufschlag, hier geht es ja nicht um eine parteipolitische Frage.

Das Gespräch führten Andreas Damm, Christian Hümmeler und Jörg Wagner.

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