25.08.2016
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Planet Kultur Musical: Laiendarsteller präsentieren „Linie 15“

Das Musical "Linie 15" vom Vereon "Planet Kultur" in der Halle Kalk, zeigt die Vielschichtigkeit an Menschen in der Domstadt.

Das Musical "Linie 15" vom Vereon "Planet Kultur" in der Halle Kalk, zeigt die Vielschichtigkeit an Menschen in der Domstadt.

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michael bause

Köln -

Noch kurz zuvor saßen viele der Zuschauer selber in einer Straßenbahn, um zum Schauspiel Köln in der Halle Kalk zu fahren. Nun haben sie auf hölzernen Theaterstühlen Platz genommen und sehen noch einmal ganz bewusst, wie breit das Spektrum an Menschen in einer Millionenstadt tatsächlich ist. Bei der Aufführung des Musicals „Linie 15“ bevölkern Betrunkene, Straßenmusiker, Obdachlose, Hehler, Dealer, Geschäftsleute und ein Ehepaar im Reisestress einen U-Bahnhof. Mitten darin steht Sunny (Sinem Arslan), ein junges Mädchen, das aus der Eifel nach Köln gekommen ist, um dort seine erste große Liebe Johnnie zu besuchen.

Das Musical, das der Verein „Planet Kultur“ aufführt, ist angelehnt an Volker Ludwigs „Linie 1“, das in Berlin seit 1986 die Zuschauer anzieht. Regisseurin Lisa Mehnert arbeitet mit einem Ensemble, das vollständig aus Laiendarstellern besteht. Die musisch begabten 17 bis 25 Jahre alten Jugendlichen kommen aus der ganzen Welt, viele von ihnen sind Flüchtlinge. Am Ende des elfmonatigen Projekts, das von der „Kölner Stadt-Anzeiger“-Aktion „wir helfen“ und dem Jobcenter Köln unterstützt wird, haben sie nicht nur eine Aufführung erarbeitet, sie holen auch Schulabschlüsse nach und werden in eine Ausbildung vermittelt.

Lisa Mehnert hat erkennbar dafür gesorgt, dass ihre Laiendarsteller, die alle mehrere Rollen verkörpern, für „Linie 15“ alles aus sich herausholen. Zudem haben sie einige Texte und Lieder für das Musical selber geschrieben. Die Handlung wurde von Berlin nach Köln verlagert, aus Kreuzberg wurde Chorweiler, aus der Linie 1 die Linie 15 und aus den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) wurden die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Letztere unterstützten die Inszenierung gar bei der Kulisse, die wechselnd aus Original-Sitzbänken und Mülleimern der U-Bahnhöfe und Original-Sitzen aus einer ausrangierten Straßenbahn besteht. Aus Lautsprechern ertönt immer wieder das vertraute Quietschen einer Straßenbahn, die sich durch einen U-Bahn-Tunnel schlängelt, sowie Ansagen mit Informationen zur nächsten Haltestellen.

In diesem reduzierten Bühnenbild, das viel Raum für die jungen Schauspieler lässt, begibt sich Sunny auf ihre abenteuerliche Reise durch Köln. Sie trifft auf den Gelegenheitsdealer Bambi (Eshan Kasem-Kahled), der ihr verspricht, ihren Johnnie zu finden. Jener hat ihr eine falsche Adresse gegeben, so dass das Mädchen vom Land verzweifelt durch Köln irrt. Dabei trifft sie auf die unterschiedlichsten Charaktere. Manche Begegnungen verlaufen lustig, andere sind von tiefer Bitterkeit geprägt.

Eine der lustigsten Szenen zeigt die Ur-Kölnerin Jaqueline (Melanie Böll), die – in violette Ballonseide gekleidet – mit Pasqual (Patrick Visuttimogkol) eine äußerst typische familiäre Auseinandersetzung führt.

Für den treffenden Witz gibt es zu Recht Szenenapplaus. Das Lachen bleibt einem bei anderen Begegnungen jedoch im Halse stecken. Wenn zum Beispiel eine Touristengruppe mit ihrem Reiseführer (Çaner Demir) nach Chorweiler fährt und der „richtig viel Adrenalin“ verspricht. Die volle satirische Schärfe kommt zur Geltung, als er ankündigt, dass man vielleicht „eine gefährliche Geiselnahme in einem Kindergarten“ oder „den Konflikt zweier rivalisierender Banden“ erleben wird.

Eine der stärksten Szenen bleibt jedoch der Suizid der Punkerin Lumpi (Elvira Sartison), die sich vor die U-Bahn stürzt. Die Trauer ihres Freundes Kleister (feinfühlig: Tunçer Dinç) sorgt für einen äußerst emotionalen Moment. Doch bei aller Ernsthaftigkeit sollte nicht vergessen werden, dass dem spielfreudigen und engagierten Ensemble auch großartige Tanz- und Musiknummern wie „Du sitzt mir gegenüber“ und „Can you please take me from A to B“ gelingen, die Meike Barthelmeh und Mehdi Haris professionell choreographiert haben. Wer nach diesem Abend wieder in eine Straßenbahn steigt, wird sich die anderen Fahrgäste vielleicht einmal genauer anschauen.

Weitere Aufführungen gibt es Montag bis Donnerstag jeweils um 19.30 Uhr in der Halle Kalk.