25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Abschreckung: Bundespolizei testet Körperkameras am Kölner Hauptbahnhof
29. January 2016
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Abschreckung: Bundespolizei testet Körperkameras am Kölner Hauptbahnhof

Die Polizei testet jetzt sogenannte „Bodycams“ am Kölner Hauptbahnhof.

Die Polizei testet jetzt sogenannte „Bodycams“ am Kölner Hauptbahnhof.

Foto:

Arton Krasniqi

Köln -

„Videoüberwachung“ steht auf der Schutzweste von Mark Radermacher. Der Bundespolizist ist am Freitag zum ersten Mal mit einer kleinen Kamera ausgestattet, die per Druckknopf vorne an seiner Weste angebracht ist.   Während er im Kölner Hauptbahnhof auf Streife ist, bleibt die  „Bodycam“ aus, Radermacher kann sie aber einschalten, wenn es etwa eine Schlägerei zu schlichten gibt oder er selbst angegangen wird.

„Wir versprechen uns vom Einsatz der  Kameras eine abschreckende Wirkung – außerdem erhoffe ich mir mit Blick auf den zusätzlichen  Videobeweis empfindlichere Strafen für Gewalttäter“, sagt Wolfgang Wurm, Präsident der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin. Die Bundespolizei testet die Kameras zwölf Monate lang. Das Pilotprojekt läuft auch in Düsseldorf, München, Hamburg sowie im Berliner Haupt- und Ostbahnhof. 

„Es ist an der Tagesordnung, dass wir geschlagen werden.“
Köln, 29.01.16: In Köln werden jetzt Körperkameras, sogenannte Bodycams, für Bundespolizisten getestet. Martina Dressler, Sprecherin der Bundespolizei, erklärt im Video, warum die neuen Kameras für ihre Kollegen sinnvoll sind.

Die rot-grüne Landesregierung hatte sich am Donnerstag zum wiederholten Male gegen einen Einsatz der Mini-Kameras ausgesprochen.  Die CDU würde die Bodycams gerne in NRW einführen. „Wir lehnen sie nicht grundsätzlich ab“, sagt ein Sprecher des Innenministeriums. „Wir wollen aber erst einmal schauen, welchen Nutzen die Kameras haben.“

Im Herbst sollen Ergebnisse aus anderen Bundesländern vorliegen. Innenminister Ralf Jäger (SPD)  gilt eigentlich als Befürworter von Bodycams, verzichtet bisher aber aus Rücksicht auf den grünen Koalitionspartner.

Die Grünen finden, dass das Filmen  mit dem Datenschutz nicht vereinbar sei. „Wir wollen außerdem eine bürgernahe Polizei bleiben“, sagt der Ministeriumssprecher. „Die Frage ist, wie es ist, wenn man einem Beamten gegenüber steht, der eine Kamera auf der Schulter oder an der Weste hat.“

Auf manchen Bürger könne das befremdlich wirken. CDU-Innenexperte Gregor Golland sagt zum Pilotprojekt:  „Das zeigt, wie fortschrittlich die Bundespolizei im Vergleich zum NRW-Innenministerium ist.“ Jäger müsse  keine weitere Auswertung abwarten, die Tests in anderen Ländern seien erfolgreich verlaufen.  „Es ist bewiesen, dass sie deeskalierend wirken und die Gewalt gegen Polizisten reduzieren.“ Angesichts der Ereignisse von Köln müssten sie schnell eingeführt werden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte schon 2014 einen Pilotversuch in Großstädten wie Köln und Düsseldorf gefordert. „Man kann damit nicht jede Tat verhindern, aber  Täter schneller überführen“, sagt GdP-Landesvorsitzender Arnold Plickert. Er ist von einer stark abschreckenden Wirkung der Kameras auf Täter überzeugt.

Die Bundespolizei in Köln hat für die Testphase vier Bodycams. Sie werden nicht nur am Bahnhof und in einem kleinen Bereich auf dem Vorplatz und dem Breslauer Platz (darüber hinaus ist die Landespolizei zuständig) eingesetzt, sondern auch am Bahnhof Ehrenfeld oder am Bahnhof Weiden West.

Der Streifenbeamte Mark Radermacher sichtet das Videomaterial nach Schichtende mit seinem Chef Alexander Maul. „Wenn nichts vorgefallen ist, löschen wir es, aufgezeichnet wird nur situativ“, sagt der Polizeihauptkommissar.  Grundsätzlich wird nur dann eine Aufnahme gespeichert, wenn sie als Beweismittel nützlich werden könnte. Die Beamten müssen ihr Gegenüber darauf aufmerksam machen, wenn sie die Kamera einschalten – etwa wenn gewaltbereite Personen kontrolliert werden.

Aufgezeichnet wird grundsätzlich ohne Ton, damit nicht Gespräche von Personen mit aufgenommen werden, die zufällig gerade an dem Einsatz vorbei gehen. Alexander Maul erhofft sich durch den Einsatz der Kameras, dass „meine Kollegen besser geschützt sind“.