29.07.2016
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Polizeieinsatz an der Kölner Volksgartenstraße: Eingemauerter USB-Stick ist eine Kunstaktion

Dieser Stick ragt aus der Fassade neben der Live Music Hall in Ehrenfeld.

Dieser Stick ragt aus der Fassade neben der Live Music Hall in Ehrenfeld.

Köln -

Das Rätsel um die Bombenbau-Anleitungen auf einem eingemauerten USB-Stick in der Südstadt bleibt vielleicht für immer ungelöst. Polizisten haben den Datenträger am Montag zwar aus der Mauer herausgelöst, dabei wurde der Stick aber so beschädigt, dass er nicht mehr lesbar ist. Die Kripo erwägt, ihn ans Landeskriminalamt zu schicken. „Vielleicht gelingt es den Spezialisten, die Dateien zu rekonstruieren“, sagte Polizeisprecher Christoph Gilles.

Bisher keine Ermittlungen

Zeugen hatten den in der Wand eingelassenen Speicherstift entdeckt und mit einem Laptop ausgelesen. Dabei fanden sie Anleitungen zur Herstellung harter Drogen sowie einer Bombe oder zumindest Links zu entsprechenden Internetseiten. Ermittlungen hat die Polizei bislang dennoch nicht eingeleitet. „Dazu müssten wir erst sicher wissen, was sich auf dem USB-Stick befindet und ob das Material überhaupt strafrechtlich relevant ist“, sagte Behördensprecher Gilles. Gebrauchsanweisungen wie die auf dem Datenträger finden sich auch frei zugänglich und massenhaft im Internet. Als möglicher Tatbestand käme die Anstiftung zu einer Straftat in Frage.

Wenn auch derzeit noch unklar ist, wer die Dateien auf den Stick geladen hat, so steht immerhin fest, wie das Speichergerät in die Mauer gelangt ist. 2010 rief der Berliner Künstler Aram Bartholl in New York die Aktion „Dead Drops“ ins Leben, tote Briefkästen. Die Idee dahinter: Jeder kann überall USB-Sticks einmauern, jederzeit Daten herunterladen und eigene aufspielen.

„So wird ein ganzes Haus zum Datenträger, an den man sein Laptop anschließen kann“, sagte Bartholl am Dienstag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Inzwischen gibt es Hunderte „Dead Drops“ auf der ganzen Welt, sieben auch in Köln – außer dem in der Volksgartenstraße, den die Polizei am Montag abmontiert hat, am Kennedy-Ufer, am Bahnhof Süd in der Dasselstraße, an der Hohenzollernbrücke, in der Josephskirchstraße, neben der Live Music Hall in Ehrenfeld und neben der Halle Kalk. Während der Stick neben der Live Music Hall inzwischen kaputt und nicht mehr lesbar ist, finden sich auf dem Datenträger an der Halle Kalk zum Beispiel 855 Megabyte Material: vor allem Musikstücke, aber auch Fotos vom Party-Event „Evoke 2011“ in Köln. Den USB-Stick in der Volksgartenstraße 10 hatte Bartholl 2011 eingemauert, als sich dort noch eine Zweigstelle seiner Berliner Galerie befand. „Was auf den Sticks drauf ist, ist letztlich nicht kontrollierbar“, erklärt der Künstler den Reiz seines Projekts. Er freue sich, dass auch fünf Jahre nach dem Start seiner Aktion immer neue Sticks hinzukommen. Zuletzt einer in Indien.