28.07.2016
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Geschäftsaufgabe in Finkenberg: Alles muss noch heute raus

Franz Homscheid (l.) verteilt seine restlichen Waren an Einrichtungen – Bürgeramtsleiter Norbert Becker hilft ihm dabei.

Franz Homscheid (l.) verteilt seine restlichen Waren an Einrichtungen – Bürgeramtsleiter Norbert Becker hilft ihm dabei.

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Porz/Finkenberg -

Ein Pastoralreferent von Pfarrer Franz Meurer war schon da. Sozialraumkoordinator Marco Morschel ebenfalls. Und auch Grundschulen durften hier in den Resten stöbern, um vielleicht noch das eine oder andere nützliche Schätzchen für sich zu entdecken. Denn bis zum heutigen Donnerstag muss Franz Homscheid seine Lagerräume an der Schillerstraße 26 räumen. Nach rund 50 Jahren hat er sein Schreibwarengeschäft in Finkenberg geschlossen und versucht nun seit etwa einem Jahr, die übrig gebliebenen Waren loszuwerden.

Bastelbücher, Weihnachtsdekorationen, Karteikästen, Spardosen, Pfeifenständer, Aufkleber, Eierbecher, Formulare für Kaufverträge, Staubsaugerbeutel – der Fundus wirkt noch riesengroß. Allerdings ist nicht mehr alles zeitgemäß. Da gibt es zum Beispiel Bänder für elektrische Schreibmaschinen oder Kästen, in denen Disketten aufbewahrt werden. Vor allem Toner und Druckerpatronen sowohl für alte als auch für neuere Modelle stapeln sich noch in den Regalen. „Beim Kauf hatten die Waren insgesamt einen Wert von rund 100 000 Euro“, schätzt der 74-Jährige nicht ohne Wehmut. „Mir würde das Herz bluten, wenn ich alles zur Mülldeponie bringen müsste.“ Deshalb habe er die Stadt kontaktiert, um die Bestandsreste für wenig Geld zugunsten von Flüchtlingen und anderen bedürftigen Menschen abzugeben. „Allerdings wurde mir vom Wohnungsamt mitgeteilt, dass die Stadt ausschließlich für die Unterkünfte der Flüchtlinge zuständig ist“, schildert Homscheid. Schließlich entstand der Kontakt zu Bürgeramtsleiter Norbert Becker – und der war gleich Feuer und Flamme: Er schaltete Einrichtungen ein, die an den Büromaterialien interessiert sein könnten. Dankbar für die Schreibwaren zeigten sich unter anderem Schulleiter von Grundschulen, die Senioren des Johanniterhauses in Finkenberg, die Betreuer der Flüchtlingsunterkünfte im Stadtteil und der Förderverein des Bauspielplatzes Senkelsgraben.

Zigaretten gestohlen

Sein ehemaliges Geschäft an der Konrad-Adenauer-Straße in Finkenberg steht bereits leer. Er betrieb es seit 1979. An Finkenberg habe er jedoch kaum gute Erinnerungen, so der 74-Jährige. „90 Mal wurde bei mir eingebrochen – in den vergangenen Jahren wurde es immer schlimmer.“ Meistens seien Zigaretten gestohlen worden. „Wegen der Überfälle habe ich in den vergangenen zehn Jahren auch keine Versicherung mehr finden können, die mich aufnimmt“, schildert Homscheid wütend.

Das Warenlager für die Industriebelieferung an der Schillerstraße eröffnete Homscheid bereits 1961. Diese Räume muss er nun ebenfalls verlassen. „Hier sollen sechs Studentenwohnungen eingerichtet werden“, sagt Homscheid. Er sei froh, wenn er sich von nun an etwas mehr Ruhe gönnen könne. „Ich habe mit meinem Schreibwarengeschäft so viel mitgemacht – jetzt bin ich glücklich, wenn ich mit diesem Kapitel abschließen kann.“ Dann habe er auch mehr Zeit für seine Hobbys. „Jeden Sonntag fahre ich 20 bis 30 Kilometer mit dem Fahrrad, außerdem gehe ich gerne wandern.“

Wer heute noch im Warenlager vorbeischauen möchte, kann sich bei Franz Homscheid unter der Nummer 0177/5585034 melden.


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