27.09.2016
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Mieterprotest: Unruhe in Finkenberg hält an

Das Wohnzimmer im Haus an der Konrad-Adenauer-Straße 39 könnte so schön sein, wäre da nicht die aufgeweichte Decke, unter der e

Das Wohnzimmer im Haus an der Konrad-Adenauer-Straße 39 könnte so schön sein, wäre da nicht die aufgeweichte Decke, unter der eine Schüssel steht, in die es tropft.

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Roland Schriefer

Finkenberg -

Der Mieterprotest gegen die Hauseigentümer ebbt nicht ab. Nach wie vor bemängeln Bewohner die Verwahrlosung der Gebäude. In vielen Wohnungen würden etwa die Heizungen seit geraumer Zeit nicht funktionieren. Auch die Lüftung in den fensterlosen Badezimmern sei zum Teil seit Monaten ausgefallen. Eine flächendeckende Verschimmelung ist die Folge.

"Es droht eine Verslumung des Viertels, wenn die mangelnde Instandhaltung nicht in einem überschaubaren Zeitraum angegangen wird", warnt Stadträtin Monika Möller (SPD). Sie hat daher zusammen mit Sozialraumkoordinator Jürgen Auth die Initiative "Gemeinsam sind wir stark - das Demo-Gebiet wehrt sich" gegründet.

Kritik an Umgang mit Bewohnern

Zu der Initiative ist auch Karen Kracht gestoßen, die bis vor zwei Monaten für die Hauseigentümer gearbeitet hat. Sie war für die Mietersprechstunde und die Vermarktung der renovierten Wohnungen zuständig. Nun kritisiert sie, wie mit den Bewohnern der Häuser umgegangen wird und glaubt: "Die Mieter sollen weggemobbt werden, damit die Häuser renoviert und zu deutlich höheren Preisen neu vermietet werden können." Dabei seien Renovierungsarbeiten, wie sie bereits in den Häusern Theodor-Heuss-Straße 8 und 10 vorgenommen wurden, nur oberflächliche Verschönerungen. Diesen Kurs der Lico-Hausverwaltung habe sie nicht mehr mittragen wollen, so Kracht.

Im Bürgerzentrum Finkenberg wurde eine Mietersprechstunde eingerichtet. Dort können Bewohner die Mängel an ihrer Wohnung geltend machen. Rechtsanwalt Peter Sales Wagner von der Kanzlei Sonnenschein-Berger & Kollegen nimmt jeden Mittwoch die Beschwerden entgegen. Rund 200 Mieter haben ihm bislang ein Mandat übertragen. Beim Ausfüllen der Formulare helfen neben Karen Kracht und Auth auch Mitglieder der Porzer Synagogengemeinde, die das Amtsdeutsch für Mieter verständlich machen, die aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion zugewandert sind.

Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet

Auch die KPL Immo als Eigentümerin hat eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet. Ein Münchener Anwalt hat die Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Er weist die Vorwürfe zurück. "Das Interesse unserer Mandanten liegt in einer langfristig gut und ruhig funktionierenden Wohnanlage."

Auf absehbare Zeit würden in Finkenberg keine Gewinne entnommen, heißt es. Vielmehr würden frei werdende Gelder wieder investiert. Es solle ein "soziales, gemeinschaftliches Umfeld" geschaffen werden. Es gehe nicht nur um kosmetische Verschönerungen. "Wir haben Dächer erneuert, die Blitzschutzanlage instand gesetzt, Brandschutzmaßnahmen ergriffen und 60 000 Euro für die Sperrmüll-Beseitigung in den Kellern ausgegeben."

Das Arbeitsverhältnis mit der ehemaligen Mitarbeiterin Karen Kracht sei indes im Einvernehmen beendet worden. Das sieht Kracht ganz anders: "Ich bin entlassen worden, weil ich mich für die Mieter eingesetzt habe."


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