24.07.2016
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Plätzchen backen: Türkisches Gebäck zu Weihnachten

Baklava wird im gesamten Orient genossen.

Baklava wird im gesamten Orient genossen.

Foto:

Roland Schriefer

Finkenberg -

„Baklava kann ich nicht machen“, hat Ipek Zengin (43) früher immer behauptet. Ihre Freundinnen hätten ihr aber einmal den Tipp gegeben, den Blätterteig fertig zu kaufen. Danach habe es auch bei ihr mit der bekanntesten türkischen Süßspeise geklappt. Auf den ersten Blick ist in der Wohnung von Ipek und Halil Zengin, der bei einem Autovermieter Arbeit gefunden hat, das orientalische Gebäck das einzige, was an ihre Herkunft aus dem Osten der Türkei erinnert. Die Wohnungseinrichtung ist ebenso modern und westlich geprägt wie ihre Kleidung.

Dabei pflegt Ipek Zengin durchaus selbstbewusst die kurdische Tradition. „Ich singe bei Festen meiner Freunde und auch zum Beispiel am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, kurdische und türkische Volkslieder“, verrät sie. Am 1. Mai zu singen, liegt ihr besonders am Herzen: „Ich bin Sozialistin“.

Weihnachten wird gefeiert

Musik spielt auch im Leben ihrer beiden Söhne eine Rolle. Dennis (9) lernt Geige und Şahan (15) klassische Gitarre in der Carl-Stamitz-Musikschule. „Ich singe aber nur“, sagt Ipek Zengin. Bei ihren Auftritten bei kurdischen Feierlichkeiten wird sie aber meistens von Musikern auf klassischen Instrumenten der türkisch-kurdischen Musik wie einer Langhals-Laute, begleitet.

An den neuen Kulturkreis, in dem sie seit 15 Jahren lebt, hat sich ihre Familie angepasst. „Wir feiern sogar das christliche Weihnachtsfest“, sagt Ipek Zengin. Allerdings liegen bei ihr keine Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. „Wir schenken uns dafür an Silvester Kleinigkeiten.“

Jeder auf seine Weise glücklich

Ihre Familie fühle sich in Finkenberg ziemlich wohl, sagt Zengin. „Hier leben Menschen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander, das gefällt mir.“ In der Türkei hat sie erfahren müssen, dass das auch ganz anders aussehen kann. „Wir Kurden sind dort ja nicht als eigenständige Volksgruppe anerkannt. Wir dürfen unsere Sprache offiziell nicht sprechen, und unsere Kultur wird unterdrückt.“ Auch deshalb genießt sie es, in Köln zu leben. Hier könne jeder auf seine Weise glücklich werden. „Das finde ich prima.“

Finkenberg ist denn auch Ipek Zengins neue Heimat geworden. „Hier habe ich viele Bekannte und Freunde aus verschiedenen Kulturen gewonnen.“ Das mit der neuen Heimat nimmt sie ernst und besucht deshalb zur Zeit einen Sprachkurs, um ihr jetzt schon recht gutes Deutsch noch zu verbessern.