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Premiere: Zirkus in einer anderen Dimension

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Atmosphärisches Spiel in schwindelerregender Höhe. Foto: Michael Bause
Die Premiere des neuen Flic Flac-Programms hat abermals offenbart, dass ein Zirkus auch heute noch zeitgemäße Unterhaltung bietet kann. Ein Künstler überschritt allerdings die Grenzen des guten Geschmacks.  Von
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Das ist eher eine Stunt-Show als traditioneller Zirkus. Das neue Flic Flac-Programm „Exxtrem“, das am Samstag auf dem Platz an der Gummersbacher Straße in Kalk Premiere hatte, ist „das genaue Gegenteil des Circus Roncalli“.

Das sagt Thomas Schütte, Geschäftspartner von Flic Flac- Gründer Benno Kastein und zuvor rund 25 Jahre bei Roncalli tätig. Zerrissene Jeans, Lack und Strapse anstatt  bunt glitzernder Kostüme; laut röhrende Motoren anstelle von wild fauchenden Raubtieren. Und als Ersatz für eine schwergewichtige Elefantendame bewegt ein riesiger Bagger auf Kommando und Zeichen mit Peitsche und Gerte seine Schaufeln und Räder.

Mittelpunkt des 120 Meter langen und 60 Meter breiten Zeltes ist eine hölzerne Bühne im Stil einer Straßenkreuzung. Entlang der Hauptstraße sitzen 1500 Zuschauer – darunter bei der Premiere auch Schauspieler Tom Gerhard und Comedy-Frau Carolin Kebekus – auf vier Tribünen.

In der dunklen und düsteren Atmosphäre marschieren die Artisten auf. Mal in schwarzen Anzügen, weißen Hemden und militärähnlichen Schrittformationen, mal als äußerst gelenkige Bodenakrobaten in Jeans und mit nackten Oberkörpern: doppelte Salti, dreifache Schrauben, sechsfache Flickflacks. Musikalisch ist das Ganze untermalt von ein wenig Kraftwerk und viel Rammstein.

Tollkühne Motorradfahrer sind längst Standard bei Flic Flac. Foto: michael bause

Und immer wieder Nebelschwaden und Qualm, sprühende Funken und lodernde Flammen. Manchmal kaschieren die Effekte – aber genau deswegen kommt das Publikum ja zu Flic Flac – das doch recht bescheidene Leistungsvermögen einigen Artisten. 

Einfach nicht lustig

Richtig daneben geraten wirkt die Mitmach-Animation des aus Simbabwe stammenden und in London lebenden Clowns Chris Lynam. Der war kurzfristig verpflichtet worden, weil zwei tragende Nummern –  so das Todesrad und die menschliche Kanonenkugel – aufgrund von technischen Problemen noch nicht fertig waren. Mit wenig Charme und Fingerspitzengefühl bei der Auswahl der Zuschauer, die Lynam auf die Bühne holt, scheitert er bei der Gradwanderung zwischen amüsieren und blamieren.

Aufforderungen, jemanden ins Gesicht zu spucken oder auf den Kopf zu pinkeln, sind – auch wenn sie auf englisch gemacht werden - einfach nicht lustig. Auf diese Nummer, das war man sich schon in der Pause einig, kann ohne Qualitätsverlust verzichtet werden. War aber dachte, das es peinlicher nicht ginge, irrte. Bei seinem zweiten Auftritt entledigte sich all seiner Kleidung und schob sich eine Feuerwerk-Rakete in den Hintern.

Aber Flic Flac kann auch besser. So gab es viel Beifall für die Sprünge von der russischen Schaukel aus in einem Auffangnetz hinein und für Nachwuchs-Artist Nicolai Kuntz (21), der sowohl am Schwungtrapez als auch mit den Diabolos überzeugte. Richtig herausragend sind Dmytry Makrushin (31) und Dmytro Tarasenko (20) – im Jahr 2010 bei den Turnweltmeisterschaften noch mit einer Silber-Medaille dekoriert – vom russischen Duo Dima & Dima, die sich zunächst im Stil der Anführer von zwei rivalisierenden Straßengangs begegnen, dann ihre Muskeln zeigen mit perfekter Hand-auf-Hand- oder auch Hand-auf-Kopf-Akrobatik begeistern. Da jubelt das Publikum. Zu Recht.

Beeindruckende Sprünge

Richtig beeindruckend sind die Sprünge von professionellen BMX-Fahrern, dem Australier Jack Fahey und den beiden amerikanischen Inline-Skatern Dave Lang (24) und Brian Shima (31) über eine 15 Meter hohe Rampe sowie eine Jonglage auf zwei Gabelstaplern. Von den Hebebühnen, die von den Baufahrzeugen vor und zurück, rauf und runter bewegt werden, werfen sich Ira Rizaeva und James Jean Micheletty die Keulen zu und bieten dabei noch einen gekonnten Strip – bis sie in Mieder und Strapsen dasteht, er in Unterhöschen und Tattoos. Recht ungewöhnlich auch die Sprünge von vier Trapezen aus hinein in die Fenster einer mit „Puff“ beschrifteten Hauskulisse. 

Das größte Zirkuszelt, das derzeit in Europa auf Tournee ist. Foto: Christoph Hennes

Schon Standard sind bei Flic Flac die tollkühnen Motorradfahrer. Im „Globe of Speed“, einer 6,50 Meter hohen Stahlkugel, drehen Biker aus Kolumbien um José Pinillo (36) waghalsige Runden. Zunächst zu dritt, dann mit fünf und schließlich gar mit neun Fahrern gleichzeitig. Atemberaubend auch die Sprünge der Motorcross-Freestyler von „Air-Force“, die sich ähnlich wie beim Show-Spektakel „Night of the Jumps“ von einer Rampe aus mit ungeheuerem Schwung in die Luft katapultieren lassen. Neben Drehmanövern und Rückwärtssalto hält sich dabei einer der Fahrer nur noch mit einer Hand am Sattelende fest. Und dies ist nun wirklich Zirkus in einer anderen Dimension.

 

Die  „Exxtrem“-Show des FlicFlac-Ensemble gastiert noch bis zum 11. April auf dem Festplatz an der Gummersbacher Straße. Vorstellungen: Dienstag bis Samstag (je 20 Uhr), sonntags um 19 Uhr. Nachmittags an Samstagen (16 Uhr) und Sonntagen (19 Uhr). Bislang sind bereits mehr als 25 000  Tickets (19, 29, 39 oder 49 Euro) verkauft. Eintrittskarten gibt es an den Vorverkaufsstellen oder übers Internet.

 

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