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Promis im Maritim: Auf dem blauen Teppich zur Aidsgala

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Die Moderatoren der Aidsgala Wayne Carpendale und Janine Reinhardt treffen im Maritim Hotel ein. Foto: stefan worring
Ein Abend mit Janin Reinhardt und Wayne Carpendale: Die beiden haben am Freitag die 21. Aids-Gala im Kölner Maritim Hotel moderiert. Für den guten Zweck spielten Musiker und Entertainer ohne Gage. Der Jugendchor St. Stephan legte einen historischen Auftritt hin.  Von
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Der Auftritt ist getrost historisch zu nennen: Mit dem Lied „Ain’t no mountain high enough“ (Kein Berg kann zu hoch sein) von Ashford and Simpson aus dem Jahr 1966 eröffnete der Jugendchor St. Stephan die Aids-Gala am Freitagabend im Maritim-Hotel. Und damit trat erstmals in 21 Jahren ein Kirchenchor bei der Veranstaltung der Kölner Aids-Hilfe auf. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagte auch Chorleiter Michael Kokott. „Vor zehn Jahren durften wir nicht. Heute tun wir’s einfach. Und wir hoffen, dass es in ein paar Jahren selbstverständlich ist und keiner mehr drüber redet.“

Mit mehreren Liedern (auch zum Finale) begeisterte der Chor mit mehr als 100 Sängerinnen und Sängern – darunter ein junger Mann in Frauenkleidern. Eine Art Coming Out durchlebte auch das Moderatorenpaar Wayne Carpendale und Janin Reinhardt. Für beide war es der erste Auftritt im Rahmen einer solchen Veranstaltung. „Ich bin eine waschechte CSD-Jungfrau“, sagte er. – „Dann wirst Du heute entjungfert“, entgegnete sie. Beide spielten sich gekonnt und unterhaltsam die Bälle zu. Sie bezauberte mit einem Bützjer-Lehrgang, den sie im Publikum gegen Spenden absolvierte – inklusive kölschem Sprachkurs. Er berichtete mal aus seiner neuen Heimatstadt München: „Da gibt es trotz CSU einen CSD. Aber wer will schon nach heute Abend hier noch nach München zum CSD?“ Und im nächsten Moment trat der „Landarzt“-Darsteller des ZDF als Dr. Wayne im Arztkittel auf, der über Geschlechtskrankheiten aufklärte. Denn zwar stagniert die Zahl der HIV-Neuinfektionen in der Stadt. Dafür ist die der übrigen sexuell übertragbaren Leiden auf einem traurigen Rekordhoch. Köln ist die Stadt mit der höchsten Zahl an Syphillis-Neuinfektionen. Dazu wurden immer wieder richtig gut gemachte neue Aufklärungs-Spots gezeigt.

Aidshilfe-Vorstandsfrau und Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes freute sich über einen Scheck der Firma UPS in Höhe von 35 000 Euro, die sie versprach in die Prävention zu investieren. Über die finanzielle Unterstützung hinaus  lobte sie das tatkräftige Engagement der Firma.  50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter packen bei der Aids-Hilfe mit an. Markus Danuser – Vorstand des Kölner Lesben- und Schwulentages (Klust) sowie der Kölner Aidshilfe in Personalunion ­– berichtete von Erfolgen der Aids-Gala wie der Kritik an einer Fluggesellschaft im vergangenen Jahr, die keine HIV-positiven Flugbegleiter einstellte. „Das hat sich mit unserer öffentlichen Kritik geändert“, berichtete er stolz – und knöpfte sich sogleich ein neues Thema vor, das er dieses Mal besonders in den Mittelpunkt stellte: Die Kölner Sperrbezirksverordnung, die die Prostitution ins Verborgene abdränge und damit Prävention erschwere. „Das gefährdet die Gesundheit dieser Frauen und Männer.“ Einen Erfolg verkündete er auch für die diesjährige Klust-Kampagne zum „Ja, ich will“-Motto  im Internet, bei der Bundestagsabgeordnete zu ihrer Meinung zur Gleichstellung von Verpartnerten mit Verheirateten befragt wurden.  „Da haben wir jetzt schon mehr Ja-Stimmen als letzte Woche im Bundestag. Da sage noch mal jemand, der CSD sei nicht politisch…“

Promiauflauf bei Aids-Gala

Alle Moderatoren und Künstler des Abends verzichteten auf ihre Gage - schmissen sich aber ins Zeug, als gäb es das Doppelte. Comedian Mirja Boes (zum zweiten Mal schwanger) ließ die Lachmuskeln nicht zur Ruhe kommen, obwohl  ihre Damenbinden-Nummer eigentlich heterosexuelle Paare zum Thema hat. X-Factor Gewinner David Pfeffer durchlitt seine Version von „Streets of Philadelphia“  mit politischer Botschaft („Die Ausgrenzung in dem gleichnamigen Film von Aidskranken ist heute immer noch aktuell.“) überzeugend und leidenschaftlich.

Das Publikum wollte Schlager und Herzschmerz

Die Kölnerin Adrienne Morgan Hammond sang mit „Hör bitte nicht auf zu träumen“ erstmals in deutscher Sprache, was begeisterte. Jupiter Jones mit ihrem Hit „Still“ bekamen verdient viel Applaus. Benjamin Boyce, Joy Fleming und Katharina Franck ebenfalls. Doch  es waren Schlager und Herzschmerz, die das überwiegend schwule Publikum wollte. Musical-Star Angelika Milster („Den einen verfolgt die Mafia. Mich Andrew Lloyd Webber.“) riss zu Jubelstürmen hin mit dem, was sie sagte („Menschen, die Menschen lieben sind die glücklichsten auf der Welt.“) und dem, was sie sang.  Ihre Ode „Liebe ist“ weckte nicht enden wollenden Applaus sowie stehende Ovationen. Gefeiert wurde auch Bata Ilic, der nicht nur seinen Evergreen „Michaela“ im Musik-Gepäck hatte, sondern den Ballsaal auch mit modernen Rhythmen rockte. „Ein  bisschen Bum-Bum“, wie er es nannte. Damit, dass ein Großteil der Gäste nicht aus Köln kam, scheiterte leider der Versuch, mit den Kölsch-Rockern von Kasalla Party zu feiern. Der Saal verstand schlicht nicht, was die Jungs sangen – egal wie sehr die sich ins Zeug legten. Sie gingen als letzte Nummer etwas unter. Ilic oder Milster wären als Abschluss hier die bessere Wahl gewesen. Doch da kam noch einmal der Jugendchor St. Stephan und versöhnte mit „Oh happy day“. Das war ein glücklicher Tag, in der Tat.

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