30.06.2016
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Prozess in Köln: Raser vom Auenweg scherzte und sorgte sich um seine Alufelgen

Miriam S. starb durch einen Raserunfall am Auenweg in Deutz.

Miriam S. starb durch einen Raserunfall am Auenweg in Deutz.

Foto:

kra, privat

Köln -

Der Polizeibeamte, der am Freitag im sogenannten Raser-Prozess am Landgericht  als Zeuge geladen war, hat in 13 Dienstjahren schon viele Unfälle aufgenommen – darunter auch tödliche.

Aber der Unfall im Auenweg im April 2015 ist ihm „im Gedächtnis hängengeblieben“, wie er sagt.

„Ich habe noch nie erlebt, dass jemand derart unbeeindruckt ist,  normalerweise herrscht große Betroffenheit – das war schon sehr ungewöhnlich.“

Er meint das Verhalten von Firat M., der damals mit dem PS-starken Mercedes seines Vaters hinter seinem Freund Erkan F. fuhr, der die Kontrolle über seinen BMW verlor und die 19-jährige Miriam S. auf ihrem Rad erfasste. Die junge Frau starb drei Tage nach dem Unfall.

Die 22 und 23 Jahre alten Männer müssen sich seit Februar wegen fahrlässiger Tötung vor dem Landgericht verantworten.

Während die Radfahrerin bewusstlos in einem Gebüsch lag, erste Zeugen sich um sie kümmerten, habe Firat M. mit seinem Beifahrer gescherzt, sich später geweigert, den Beamten sein Handy zur Beweissicherung zu geben und den Polizisten bei der Unfallaufnahme gesagt, sie sollten bitte aufpassen mit der Sprühkreide, seine Alufelgen hätten 3000 Euro gekostet.

„Erkan F. hat sich zweimal erkundigt, wie es der Verletzten geht“, sagt der 37-jährige Beamte. Er habe im Gegensatz zu seinem Freund deutlich unter dem Eindruck des Geschehens gestanden.

Ein zweiter Beamter, der ebenfalls als Zeuge aussagte, war wie sein Kollege irritiert über das Verhalten des Mercedes-Fahrers. „Ich habe ihn gefragt: «Interessiert dich gar nicht, dass hier gerade ein Mensch im Sterben liegt?“ Doch Firat M. habe nur mit den Schultern gezuckt.

Was Firat M. allerdings wichtig gewesen sei, war zu betonen, dass sie kein Rennen gefahren seien. „Er wäre ganz normal gefahren und verstehe deshalb nicht, warum er überhaupt warten soll.“

Den beiden Angeklagten drohen bis zu fünf Jahre Haft. Der Prozess wird am 5. April fortgesetzt.


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