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Prozess: Muss „Ausbrecherkönig" in den Knast?

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Nachdem der Presse die Fotoerlaubnis erteilt worden war, machte sich Helmut P . unkenntlich: links: Anwalt Reinhard Birkenstock. Foto: Schminke
Der als „Ausbrecherkönig“ bekannt gewordene Helmut P. ist unter anderem der schweren räuberischen Erpressung angeklagt. Wird er schuldig gesprochen, wird seine Bewährung widerrufen und der 63-Jährige geht ins Gefängnis.  Von
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Für Helmut P. steht viel auf dem Spiel. Im Mai 2012 wurde der 63-Jährige, der oft als „Ausbrecherkönig“ tituliert wird, wegen Beleidigung und unter Einbeziehung einer früheren Strafe zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Nun steht der vielfach Vorbestrafte erneut vor Gericht – obwohl Verteidiger Reinhard Birkenstock damals gesagt hatte, sein Mandant gebe seine „forensische Abschiedsvorstellung“ und gehe „in den Ruhestand“. Sollte Helmut P., der seit Dezember in Untersuchungshaft sitzt, wegen der jetzt angeklagten Taten – unter anderem schwere räuberische Erpressung eines alten Menschen – verurteilt werden, würde die Bewährung widerrufen. Weil es also um viel geht, schlugen die Wellen zum Prozessauftakt hoch, der Ton im Saal wurde laut und schroff. Helmut P. blaffte, sein Anwalt polterte, und Sylvia Sella-Geusen, Vorsitzende der 15. Großen Strafkammer des Landgerichts, hatte es schwer, sich durchzusetzen. Zwar war sie, einen Antrag nach dem anderen zurückweisend, ausdrücklich um „Beschleunigung“ bemüht, doch genau das Gegenteil trat ein: Der Oberstaatsanwalt konnte die Anklageschrift erst gut fünf Stunden nach Beginn des Prozesses verlesen.

"Ausbrecherkönig"

Für Schlagzeilen sorgte Helmut P., als er im Frühjahr 1993 während einer Urteilsverkündung durch ein dreifach verglastes Fenster des Kölner Landgerichts sprang und flüchtete. 1974 war ihm schon einmal die Flucht gelungen: Mit Hilfe eines Komplizen schlug er zwei Wachmänner nieder. Fast die Hälfte seines Lebens saß er hinter Gittern. Der ehemalige Boxer arbeitete nach seinen Angaben zuletzt als Privatdetektiv. (cs)

Helmut P. wird etwa zur Last gelegt, einen alten Mann durch „Herumhantieren“ mit einer Pistole genötigt zu haben, eine dubiose Vereinbarung zu unterschreiben. Darin wurde dem Angeklagten eine Art Prämie dafür zugesagt, eine kostengünstige Reparatur des Autos auszuhandeln, das dem mutmaßlichen Opfer gehört. So soll er den Mann, der in einem Seniorenheim in Zollstock wohnt, um einen vierstelligen Betrag gebracht haben. Bei anderen Taten waren laut Anklage eine 103-jährige und eine weitere Frau, die eine Bankvollmacht für sie hatte, im Spiel; P. soll sich als „Hauptkommissar von der Steuerfahndung“ an sie herangemacht haben.

Was er von all dem hält? Vital und kampfeslustig wie eh und je, sagte er, bevor er abgeführt wurde: „Das sind Karl-May-Geschichten aus Rachsucht.“ Um die Mittagszeit war er ärztlich untersucht worden, denn Birkenstock hatte geltend gemacht, der 63-Jährige sei schwer herzkrank. Später stellte er einen Befangenheitsantrag und begründete ihn vor allem damit, wegen eines Fehlers bei der Erstellung des kompletten Anklagesatzes sei die Kammer nicht zuständig. Helmut P. selbst sprach der Vorsitzenden auch deshalb die nötige Objektivität ab, weil sie es gegen seinen Willen zugelassen hatte, dass Fotos von ihm gemacht wurden – wenn auch mit der Auflage, auf dem Zeitungsbild dürfe er nicht zu identifizieren sein. Er machte sich zur Sicherheit dann selber unkenntlich.

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