25.08.2016
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Prozess: Rätsel um Schüsse auf Barbesitzer

Landgericht Gericht

Über das Motiv darf spekuliert werden im Prozess vor dem Kölner Landgericht, in dem es um versuchten Mord geht. (Symbolbild)

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dpa

Köln -

War es ein Auftragsmord? Ein Aufnahmetest für die Mitgliedschaft in einem Rockerclub? Oder schlicht Eifersucht? Über das Motiv darf spekuliert werden im Prozess vor dem Kölner Landgericht, in dem es seit Dienstag um versuchten Mord geht.

Angeklagt ist Olaf P., ein 38-jähriger Pole, der nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in Mordabsicht handelte, als er im November vergangenen Jahres mit einer Pumpgun dreimal auf die heruntergelassenen Jalousien des Lokals

„Bubble Lounge“ am Hildeboldplatz schoss. Die Gaststätte hatte längst geschlossen, der Inhaber Azimi war mit seiner Freundin gegen 2.30 Uhr in die Bar zurückgekehrt und hatte hinter verschlossenen Türen das Licht angemacht, als die Schüsse fielen.

Nach dem ersten Schuss, bei dem ein Fenster zersplitterte, war die Frau hinter dem Tresen in Deckung gegangen. Zwei weitere Schüsse durchschlugen die Eingangstür. Nach Überzeugung der Verteidigung hat sich der Schütze lediglich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz schuldig gemacht. „Die Munition hatte ausreichend Durchschlagskraft, um Personen auch durch eine Fensterfront hindurch tödlich zu verletzen“, halten ballistische Sachverständige dagegen.

Nach Überzeugung der Ermittler spricht einiges dafür, dass die Tat im Zusammenhang mit den Rivalitäten zwischen den Rockerclubs „Hells Angels“ und „Bandidos“ steht. Möglicherweise wollte Olaf P. Mitglied in einem der Clubs werden und die Tat war eine Art Aufnahmeprüfung, wird in den Akten spekuliert. Das zu beweisen wird jedoch schwierig. Der Inhaber der Bar ist Präsident des Motorradclubs „MC Median Empire“. Laut Zeugen gab es in der Bar schon mehrfach Treffen verschiedener Rockergruppen mit dem angeblichen Ziel, den „MC Median Empire“ für sich zu gewinnen. Ob die Zeugen diese Andeutungen im Gerichtssaal wiederholen, darf bezweifelt werden – Schweigen gilt in der Rockerszene als eisernes Gesetz.

Bei seiner Festnahme hatte Olaf P. behauptet, aus unglücklicher Liebe gehandelt zu haben: Er habe einen Monat zuvor über das Internet eine Frau namens Inga kennengelernt. Er habe Inga beschattet und beobachtet, wie sie mit einem Mann in die „Bubble Lounge“ ging. Mit seiner Tat habe er dort „Angst verbreiten wollen“.

Von diesem Motiv rückte Olaf P. am ersten Prozesstag ab und gab über seinen Verteidiger ein neues Motiv zu Protokoll: Er habe dem Barbesitzer auf „martialische aber ungefährliche Art und Weise drohen wollen“. Azimi habe sich nicht an Vereinbarungen gehalten, als es um Zigarettengeschäfte zwischen Olaf P. und russischen Geschäftspartnern ging. Mit seiner Tat habe er deutlich machen wollen, „dass mit russischen Geschäftspartnern nicht zu spaßen ist“.

Keinesfalls habe er jemanden verletzen oder gar töten wollen. „Mein Mandant hat ja noch nicht mal ein Motorrad“, verneinte Anwalt Sebastian Schölzl jeglichen Zusammenhang mit der Rockerszene. Der Barinhaber Azimi bestreitet jeglichen Kontakt zu Olaf P., den er angeblich gar nicht kennt. „Der sagt viel, wenn der Tag lang ist“, kommentierte die Verteidigung. Der Prozess ist bis Anfang Oktober terminiert.