25.07.2016
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Prozess: Rückfalltäter missbraucht Tochter

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dpa

Köln -

Nachdem ihn seine Frau aus der gemeinsamen Wohnung geworfen hatte, lebte er in einem Billighotel am Stadtrand. Freunde hatte er keine. Über Wasser hielt er sich damit, nachts Linienbusse zu reinigen. Von dem wenigen Geld, das er verdiente, kaufte er sich bei Aldi einen PC. Den benutzte er dazu, sich Sex-Fotos und -Videos mit Kindern anzusehen. Obwohl er wusste, das gegen ihn ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs lief.

„Das ist nicht nur besorgniserregend, sondern auch traurig und armselig“, sagte Christoph Kaufmann, Vorsitzender Richter am Kölner Landgericht, am Montag an Luc T. gewandt. Eben hatte der 42-Jährige das Urteil der 2. Großen Strafkammer gehört: vier Jahre und drei Monate Gefängnis, wegen sexuellen Missbrauchs des eigenen Kindes in vier Fällen und wegen des Besitzes von Kinderpornografie.

„Traumatische Erlebnisse“

Als „defizitäre Biografie“ hatte Kaufmann das Leben des Mannes bezeichnet, der nun „andere Ressourcen“ finden, „positive Energien“ entwickeln und seinem Dasein „einen Sinn geben“ solle. Luc T. (Name geändert) kam in Belgien zu Welt. Der Vater starb früh, zur Mutter hatte er ein schwieriges Verhältnis. 15 Jahre lang diente er in der belgischen Armee, überwiegend in Köln; bei Auslandseinsätzen, etwa im Kongo und im Iran, habe er vermutlich „traumatische Erlebnisse“ gehabt, sagte der Vorsitzende. 1995 quittierte Luc T. aus privaten Gründen den Dienst. Da war er bereits in zweiter Ehe verheiratet; seine Frau hatte zwei Kinder aus einer früheren Verbindung mit einem gewalttätigen Alkoholiker in die neue Beziehung mitgebracht. Zwei Mädchen, an denen sich Luc T. in der Folgezeit vergriff – und die Anzeige erstatteten. Die Familie zerbrach. Luc T. wurde zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, saß beinahe die gesamte Zeit ab.

Und er machte eine zweijährige Therapie. Als er 2009 freikam, nahm ihn seine Frau wieder auf. Die Kinder hatten sich von ihr abgewandt, denn sie hatte ihren Vorwürfen keinen Glauben geschenkt. Blieben die zwei gemeinsamen Töchter des Paars, 1999 und 2003 geboren. Auch sie beschuldigten Luc T. des Missbrauchs; 2013 wurde er festgenommen. Nach aussagepsychologischen Untersuchungen führten nur die belastenden Angaben der älteren Tochter zur Anklage. Zwar bewegten sich die Vorfälle „am unteren Rand des Missbrauchs“, so der Richter. Doch gegen Luc T. spreche, dass er mehrfach rückfällig geworden und die eigene Tochter missbraucht habe. Von einer Sicherungsverwahrung sah die Kammer ab.