23.07.2016
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Rat der Stadt Köln: Archivneubau ohne Museum

Geborgenes Überbleibsel aus dem eingestürzten Kölner Stadtarchiv.

Geborgenes Überbleibsel aus dem eingestürzten Kölner Stadtarchiv.

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ddp

Köln -

Das Historische Archiv der Stadt Köln wird gemeinsam mit dem Rheinischen Bildarchiv, aber ohne die Kunst- und Museumsbibliothek (KMB) errichtet. Das beschloss der Rat der Stadt am Donnerstag mit den Stimmen von SPD und Grünen und gegen die Stimmen von CDU, FDP und der Linken. Zudem sollen die Verhandlungen mit der Kölner Universität, die mit der KMB wissenschaftlich und administrativ kooperieren will, in eine Rahmenvereinbarung überführt werden.

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Schon vor der Ratssitzung begründeten die kulturpolitischen Sprecherinnen von SPD und Grünen, Eva Bürgermeister und Brigitta von Bülow, den Sinneswandel ihrer Fraktionen. Zwar habe man zunächst die große Lösung am Eifelwall befürwortet und einen entsprechenden Architektenwettbewerb durchgeführt. Doch da die Kostenschätzung von 86 Millionen auf 101 Millionen Euro gestiegen sei, habe man feststellen müssen, „dass wir die Belastung nicht stemmen können“.

Folgekosten ungewiss

Die Vorlage der Verwaltung ging bei einer großen Lösung, die nun nicht realisiert wird, von Gesamtkosten in Höhe von 97,7 Millionen Euro aus. Bei der kleinen Lösung, die nun erfolgt, werden Kosten in Höhe von 76,3 Millionen Euro erwartet. Darin sind allerdings nicht die Kosten berücksichtigt, die aus der nun erforderlichen Umplanung und der damit verbundenen Verzögerung erfolgen. So müssen die ausgelagerten Archivalien in einem neuen Zwischenlager untergebracht werden. Eva Bürgermeister nannte eine Option in Düsseldorf. Wie hoch die Mehrkosten insgesamt sein werden, vermochte sie nicht zu sagen.

Die Klage, dass eine Frist von 24 Stunden zu kurz sei für die solide Prüfung einer solch komplexen Verwaltungsvorlage, machten mehrere Redner in der teilweise sehr emotionalen Debatte geltend. Für die Linke stellte Jörg Detjen fest: „Wir sind überfordert, das beurteilen zu können.“ Die FDP sprach von „ungedeckten Schecks zu Lasten des Stadtsäckels“.

Die CDU kritisierte, dass die Berechnungen der Verwaltungen unkorrekt seien. Bei der großen Lösung seien die Gesamtkosten „um fast sechs Millionen Euro zu hoch ausgewiesen“, sagte Ralph Elster, der kulturpolitische Sprecher. Und bei der kleinen Lösung, ohne KMB, sei das Gegenteil passiert. „Da sind alle möglichen Einsparungen hereingerechnet, aber die enormen Verzugskosten für die Bauverzögerung durch die notwendigen Neuplanungen sind schlichtweg vergessen worden.“ Es gehe also nicht um ein Einsparpotenzial von 21 Millionen Euro, sondern um „sieben, vielleicht neun Millionen Euro“.

Unterstützer der KMB hatten vor der Ratssitzung für die große Lösung demonstriert. Nach der Entscheidung sagte Damian van Melis, der Vorsitzende des Fördervereins: „Es ist fast grotesk, wie der Stadtrat in Unkenntnis der Sach- und Finanzlage Köln bundesweit zum Gespött macht, damit unserem Ansehen schadet und zudem noch Geld verbrennt.“

Gleichwohl sprechen SPD und Grüne von einem positiven Signal für die KMB. „Ohne Wenn und Aber setzen wir uns für deren Erhalt ein“, so Bürgermeister. Zumal die Zusage der Universität, mit der KMB kooperieren zu wollen, sei erfreulich. Brigitta von Bülow räumte ein, dass das ursprüngliche Ziel, die auf mehrere Standorte verteilte KMB zu vereinen, nicht erreicht sei. Allerdings könne möglicherweise auf ein Landesgebäude zurückgegriffen werden – „aber das ist nicht spruchreif“.