30.07.2016
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Vermisster im Rhein: Tragisches Ende eines Wettrennens

Der 20-jährige Freund konnte von einem Angler gerettet werden.

Der 20-jährige Freund konnte von einem Angler gerettet werden.

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stefan worring

Rodenkirchen -

Ein verkohlter Einmalgrill liegt im Sand, daneben stehen zwei Paar Turnschuhe ordentlich nebeneinander auf einem Stein. Die geschockten Urlauber haben wohl vergessen, sie mitzunehmen, als sie Dienstagmorgen in aller Frühe überstürzt vom Campingplatz am Rhein in Rodenkirchen nach Hause aufgebrochen sind. Die Schuhe gehören einem 20-Jährigen und einem 23-Jährigen der Reisegruppe aus Engländern und Holländern. Den Jüngeren hat ein Angler am Montagabend unter dramatischen Umständen aus dem Fluss gerettet, der Ältere ist untergegangen. Von ihm fehlt bis jetzt jede Spur.

Augenzeugen zufolge haben die Touristen kurz vor dem Unglück am Ufer der gegrillt. Sie sollen „in Maßen Bier getrunken“ und sich „fröhlich und normal“ verhalten haben, erzählt ein Zeuge. Mehrere aus der sechs- bis achtköpfigen Gruppe gehen gegen 20.45 Uhr in den Rhein, angeblich – da sind sich die Zeugen nicht einig – zwei Frauen und die beiden Männer.

Laut Polizei kommen die Männer offenbar auf die verhängnisvolle Idee, im Wasser entlang einer schmalen Landzunge (Buhne) in Richtung Flussmitte um die Wette zu rennen. Die Buhne ragt etwa 80 Meter in den Strom hinein. Die beiden Engländer sind fast am Ende angelangt, als der Untergrund steil abfällt. Die beiden verlieren den Boden unter den Füßen. Der Ältere – laut Polizei ein Nichtschwimmer – geht sofort unter.

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Angler rettet dem Jüngeren das Leben

Der Jüngere greift in Panik nach einer Angelschnur, die ins Wasser hängt. Der Angler hatte die Rute auf der Buhne befestigt und sitzt nun ein paar Meter weiter mit seiner Familie beim Grillen. Er hört das Klingeln der Glocke, die an der Angel befestigt ist; sie bimmelt, sobald ein Fisch am Haken zieht. „Der Mann ist aufgestanden um nachzusehen“, schildert Polizeisprecher Wolfgang Baldes. Aber statt eines Fischs sieht der Angler, wie der 20-Jährige sich am Schwimmer der Angelschnur festhält und wild um sich schlägt. Der Familienvater springt ins Wasser, zieht den Engländer auf die Buhne und rettet ihm dadurch das Leben.

Zeugen rufen die Feuerwehr. Rettungskräfte kümmern sich um den 20-Jährigen und die übrigen Mitglieder der Reisegruppe, die sich an einem Rettungswagen versammelt haben. Der Schock ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Während Feuerwehrmänner nach ihrem Freund tauchen, spricht ein Notfallseelsorger ihnen Mut zu.

Um 23.05 bricht die Einsatzleitung die Suche ab. „Die Taucher haben das Gebiet, wo der Mann zuletzt gesehen wurde, mehrfach abgesucht“, berichtet Einsatzleiter Philipp Hessemer. In der Hoffnung, der 23-Jährige könne von der Strömung fortgetrieben worden und woanders an Land gegangen sein, sind Einsatzkräfte das gesamte Rodenkirchener Ufer abgelaufen – ohne Erfolg. Die Wasserschutzpolizei suchte am Dienstag mit Booten die Uferbereiche ab – ebenfalls erfolglos. Es gebe keine Aussichten mehr, den Mann lebend zu finden, sagte Hessemer schon am Montagabend.

Als ein Feuerwehrmann die Reisegruppe darüber informiert, stellen sich die Holländer und Engländer im Kreis auf. Sie legen sich gegenseitig die Arme um die Schultern, starren zu Boden. Minutenlang verharren sie so. Schweigend.