28.07.2016
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Kunstschatz in Marienburg: Kostbare Madonna wieder da

Restaurator Jens Hofmann mit der Marienburger Mondsichelmadonna

Restaurator Jens Hofmann mit der Marienburger Mondsichelmadonna

Foto:

Hanns Ley

Marienburg -

Ein Jahr lang war sie abwesend, rechtzeitig zum Pfarrfest kehrte die „Mondsichelmadonna“ nun endlich zurück in die Kirche St. Maria Königin. Hoch über dem Altar hängt die Holzskulptur jetzt wieder an ihrem angestammten Platz. Der Grund für ihr langes Verschwinden war eine aufwendige Restaurierung.

„Es ist eine sehr kostbare Madonna“, sagt Hanns Ley vom Kirchenvorstand der Pfarrgemeinden St. Matthias und Maria Königin. Mikroskopische Untersuchungen des Restaurators Jens Hofmann und Bildvergleiche mit anderen Madonnen hätten ergeben, dass die Skulptur aus dem Jahr 1460 stammt. „Wahrscheinlich wurde sie für einen Altar in Süddeutschland geschaffen“, meint Hanns Ley. Die Marienburger Madonna ist eine Schenkung von Heinrich Neuerburg an die Kirchengemeinde im Jahr 1954. Davor stand sie unbekannte Zeit im privaten Gut Zissendorf bei Hennef.

Komplizierter als angenommen

Ursprünglich war Restaurator Jens Hofmann davon ausgegangen, dass die Überarbeitung der Madonna keinen großen Zeitaufwand in Anspruch nehmen würde. Die Herstellung der Urfassung erwies sich dann aber doch als komplizierter als zuerst angenommen. Erst mit dem Arbeitsbeginn habe sich gezeigt, dass die Statue bereits mehrfach neu gestaltet worden war. „Das Erscheinungsbild vor der jüngsten Restaurierung resultiert aus drei verschiedenen Fassungen“, berichtet der Experte.

Mehrere Farbschichten mussten mechanisch freigelegt oder gelöst werden. Stark störende Fehlstellen wurden gekittet und freigelegte Partien retuschiert. In einer Dokumentation beschreibt Hofmann ausführlich, wie sich die Figur mit den Jahren auch farblich veränderte. Die Überarbeitung im 19. Jahrhundert sei nur teilweise geglückt, meint er.

Der Restaurator hat einige interessante Merkmale des Schnitzwerkes festgestellt. Es sei zum Beispiel anfangs von außen nicht zu erkennen gewesen, dass das Jesuskind montiert ist. Auch die Lilien der Krone seien einzeln geschnitzt und eingesetzt worden. In den drei symmetrisch angeordneten Löchern vorne an der Krone hätten sich früher wahrscheinlich einmal Schmucksteine befunden.

Turm später hinzugefügt

Einige 10 000 Euro habe die Restaurierung gekostet, sagt Hanns Ley. Zum Teil sei die Gemeinde dafür aufgekommen, auch das Generalvikariat habe einen Zuschuss gegeben. Letztlich sei die Arbeit aber erst durch die Unterstützung einiger Sponsoren möglich geworden. Offen bleibt, wie die Marienfigur aus Süddeutschland letztlich zur Familie Neuerburg auf das Gut Zissendorf gelangte. „Das werden wir vielleicht auch noch heraus finden“, glaubt Hanns Ley.

Das Marienburger Gotteshaus mit der Ziegelsteinfassade an der Ecke Goethestraße/Leyboldstraße, in dem die Madonna besichtigt werden kann, wurde von 1952 bis 1954 von Dominikus Böhm erbaut. Der markante quadratische Turm der Kirche wurde erst 1960 von Gottfried Böhm hinzugefügt.