27.08.2016
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Sprachkurs: Kuhfladen werfen im Englisch-Kurs

Werner Thamm (l.) will die Teilnehmer seines Englischkurses für den Kuhfladen-Weitwurf in Wisconsin begeistern.

Werner Thamm (l.) will die Teilnehmer seines Englischkurses für den Kuhfladen-Weitwurf in Wisconsin begeistern.

Foto:

Philipp Haaser

Bayenthal -

Es lernt sich leichter mit einem konkreten Ziel vor Augen. Das hat sich vermutlich auch Werner Thamm gedacht, der einmal im Monat einen Englischkurs für Senioren leitet. "Wir wollen nicht nur die Sprache lernen, sondern auch die Menschen verstehen", sagt er zu Beginn der Englischstunde in einem Kellerraum des Bayenthaler Antonius-Krankenhauses. Der ehemalige Steward der Lufthansa schlägt den Teilnehmern vor, im nächsten Jahr an einem besonderen Wettbewerb in den Vereinigten Staaten teilzunehmen: am Cow Chip Throw in Wisconsin, einem Kuhfladen-Weitwurf-Wettbewerb.

Das Anekdotenhafte als Prinzip

Durch eine E-Mail von US-amerikanischen Freunden hat Thamm erfahren, dass sich einmal im Jahr in Sauk City, einem Ort im Mittleren Westen, Menschen im Weitwurf der getrockneten, scheibenförmigen Kuh-Exkremente messen. Nach zahlreichen Unglücksmeldungen in den Medien habe diese Nachricht sein Herz erfreut. Nun wolle er seine Schüler teilhaben lassen an seiner Freude über "stupid little things" (auf Deutsch etwa: kleine Albernheiten).

Die wichtigsten Informationen zur Veranstaltung hat Thamm auf einem Papier zusammengefasst, seine Schüler sollen den englischen Text übersetzen. Die Scheiben müssen mindestens sechs Inches (15,24cm) im Durchmesser groß sein, werden vom Veranstalter gestellt und dürfen nur mit bloßen Händen angefasst werden. Der Sport geht zurück auf die ersten Siedler. Für sie waren die Fladen als Heizmaterial in den harten Wintern der Prärie lebenswichtig.

Thamm hat das Anekdotenhafte zum Prinzip seines Sprachkurses erhoben. Seit 17 Jahren leitet er eine Gruppe in Gummersbach, vor zwei Jahren hat er Interessenten in Zollstock gefunden, und seit vier Monaten trifft er sich regelmäßig mit einer Gruppe in Bayenthal. Edeltraud Stecher, die das Seniorennetzwerk Bayenthal betreut, hat ihm bei der Organisation geholfen. Die Unterrichtsmaterialien hat Thamm selbst erstellt. Er schöpft dabei aus dem schier unerschöpflichen Fundus an kuriosen Geschichten aus seiner Zeit als Flugbegleiter.

Jeder Englischschüler hat einen dicken Schnellhefter vor sich. Reihum lesen die Teilnehmer Thamms aufgeschriebene Erlebnisse vor und tragen ihr eigenes Wissen bei. Das Wort "Satisfaction" wird ohne Umschweife den Rolling Stones zugeordnet, die Stimmlage des Sängers Dietrich Fischer-Dieskau als Bariton identifiziert. Um ihn und andere Musiker der Deutschen Staatsoper kümmerte sich Thamm auf einem Flug im November 1963 von Hamburg über Alaska nach Japan. In dem Text, den sich die drei Männer und neun Frauen an diesem Vormittag vornehmen, berichtet er von den dankbaren Gesichtern, die ihm beim Betreten der Maschine vor dem Rückflug begegnet sind. 20 Tage lang konnten sich die meisten weder auf Deutsch noch auf Englisch verständigen.

Das Konzept scheint aufzugehen. "Wir haben viel Spaß, und bislang kommen alle wieder", sagt Werner Thamm. Gerade für Senioren sei eine Fremdsprache wichtig, um fit zu bleiben. Für Teilnehmerin Monika Bremkamp aus Marienburg ist ein weiterer Punkt entscheidend: "Mir gefällt die lockere Runde. Eine Sprache intensiv pauken - das will ich nicht mehr."

Die Treffen des Bayenthal English Action Teams finden am ersten Montag im Monat um 10 Uhr im kleinen Festsaal des Antonius-Krankenhauses, Schillerstraße 23, statt.

thammi-koeln@hotmail.de

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