27.07.2016
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Bebauungsplan: Offene Fragen zum Godorfer Hafen

Der Ausbau des Godorfer Hafens bleibt strittig.

Der Ausbau des Godorfer Hafens bleibt strittig.

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Süsser

Rodenkirchen -

Die bisherigen Pläne zur Erweiterung des Godorfer Hafens hat das Oberverwaltungsgericht Münster vor zwei Jahren für rechtswidrig erklärt. Deshalb hat die stadtnahe Häfen und Güterverkehr AG (HGK) einen neuen Bebauungsplan beantragt. Dieser Entwurf und die damit verbundene Änderung der Flächennutzung in der Sürther Aue sind nun fertig erarbeitet. Die Pläne wurden der Bezirksvertretung Rodenkirchen vorgestellt mit der Bitte um Zustimmung zur Öffentlichkeitsbeteiligung. Das allerdings lehnte das Stadtteilparlament ab. Zahlreiche Fragen seien noch offen, betonten Grüne, CDU und die FDP. Diese Unklarheiten müssten erst ausgeräumt werden, hieß es. Mit einem Antrag der FDP vertagten die Bezirksvertreter ihre Entscheidung einstimmig.

Mit wie vielen Schiffen, mit wie vielen Lkw, mit wie vielen Zügen ist künftig zu rechnen, wie groß sind die Containerschiffe und wie gefährlich sind die nötigen Manöver an der Hafeneinfahrt, wollte Monika Roß-Belkner (CDU) wissen. Karl-Heinz Daniel und Karl Wolters von der FDP verwiesen in der Antragsbegründung auf völlig unterschiedliche Prognose-Zahlen des Bundes auf der einen Seite und der Hafengesellschaft HGK auf der anderen Seite, was den Zuwachs der Güter- und Verkehrsleistung in der Binnenschifffahrt betrifft. Außerdem sei der Godorfer Hafenausbau im Bundesverkehrswegeplan der Metropolregion Rheinland keineswegs als vordringlich eingestuft worden. Die geplante Erweiterung liege zudem im Überschwemmungsgebiet des Rheins, dort dürfe ohne spezielle Befreiung nicht gebaut werden. Eine solche liege offenbar nicht vor. Und vor allem müsse geprüft werden, ob der Hafenausbau neben der Shell-Raffinerie Rheinland und den Verladeeinrichtungen für Mineralöl- und Chemieprodukten im bestehenden Hafen zulässig sei.

Erhöhtes Havarie-Risiko befürchtet

Daniel bezog sich auf den Abstandserlass NRW und die Störfall-Verordnung sowie auf entsprechende EU-Richtlinien. Bereits bei einer Informationsveranstaltung der Hafengegner vor kurzem in Sürth hatte Daniel mit Blick auf die jüngsten Störfälle der Shell in Wesseling und Godorf auf mögliche Gefahren hingewiesen. "Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der Bevölkerung hier nicht zuzumuten", sagte er. Paul Kröfges vom BUND sprach bei der Gelegenheit vom "zweitgrößten Gefahrguthafen" in Deutschland. Unter den Binnenhäfen würde nur in Duisburg noch mehr Güter wie Kerosin, Säuren und Laugen umgeschlagen. Die Ausbaugegner befürchten ein erhöhtes Risiko für Havarien. Die Einfahrt sei zu schmal für zusätzlichen Schiffverkehr.

Demgegenüber beteuert Jan Zeese, Sprecher der HGK auf Nachfrage, dass ein vorgesehenes Gefahrgutlager aus den Planungen gestrichen worden sei. Er versicherte, dass das Risiko durch die im neuen Teil verladenen Güter beherrschbar sei.

Kosten und Risiken

Die HGK will seit Jahren den bestehenden Hafen in Godorf erweitern, um zusätzliche Kapazitäten für die Verladung von Containern sowie Stück- und Schüttgütern vom Schiff auf Schiene und Straße zu schaffen. Bei der Erweiterung soll im bisherigen Naturschutzgebiet ein Hafenbecken für vier Schiffsanlegeplätze mit einer Länge von circa 370 Metern und einer Breite von etwa 65 Metern geschaffen werden, außerdem Terminals für Container, Schütt- und Stückgut, Flächen für den Hafeneingang, für Magazine und Lager, Einrichtungen zur Wartung und Instandhaltung, eine Anlage für die Behandlung von Abwasser und neue Geleise.

Die Ausbaugegner fordern ein Moratorium, also eine Pause, um den Ausbau zu überdenken. "Es besteht immer noch die Chance, die 60 Millionen Euro für das Projekt nicht auszugeben", sagte der Sprecher der Initiative contra Hafenausbau Dieter Neef bei der Sürther Informationsveranstaltung. Ohne den Hafenausbau könnten zudem 150 000 Quadratmeter Naturschutzgebiet gerettet und Überkapazitäten beim Güterverkehr vermieden werden. Bernd Petelkau, CDU-Kreisvorsitzender, nahm ebenfalls Bezug auf die Haushaltssituation. "Wir wollen wissen, was die Investition auf Heller und Pfennig kostet", sagte er und versprach, auch die von den Ausbaugegnern vorgelegten Zahlen genau zu prüfen.