28.09.2016
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Festkomitee: Ein Imi und zwei waschechte Kölsche

Heinz Reinartz (v. l.), Simon Gosk und Günter Oeser

Heinz Reinartz (v. l.), Simon Gosk und Günter Oeser

Foto:

Karine Waldschmidt

Sürth/Rodenkirchen -

Es ist ein Vergleich, der vielleicht ein wenig platt ist, weil er allzu nahe liegt, trotzdem bietet er sich an: der Vergleich mit Lukas Podolski. Mit der kölschen Fußballikone nämlich hat Simon Gosk einiges gemeinsam. Auch er wurde in Polen geboren und wanderte schon als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland aus. Die Familie verschlug es nach Chorweiler – damals, 1983, war das noch ein junger, aufstrebender Stadtteil mit hochmoderner Wohnbebauung. Der kleine Simon lebte sich schnell ein, lernte akzentfrei Deutsch – und wurde vom Karnevalsvirus infiziert.

Genau wie Podolski, auch er ist längst ein Jeck wie er im Buche steht. Prinz Poldi lässt er sich nennen – ohne jedoch Karnevalsprinz gewesen zu sein. Und genau da enden die Gemeinsamkeiten der beiden Imis aus Polen, denn im Gegensatz zu seinem Landsmann macht Simon Gosk, ein jungenhaft wirkender Schlaks von 37 Jahren, Apotheker von Beruf, den Traum jetzt wahr: Er ist der neue Karnevalsprinz der Alt-Gemeinde Rodenkirchen.

Einmol Prinz zo sin

Als Prinz Simon I. wird er die Jecken im Kölner Süden in der kommenden Session anführen, egal ob es waschechte Kölsche oder angelernte Zuwanderer sind. Für Letztere vor allem könnte er zur Identifikationsfigur werden: „Ich werde ein Prinz für alle sein und Hochdeutsch sprechen“, verkündete die Tollität in spe im Pfarrsaal St. Remigius.

„Und ich sorge für die Simultanübersetzung“, scherzte Günter Oeser, der designierte Bauer, später im Gespräch. In Niehl geboren, beherrscht der 63-Jährige die kölsche Sproch aus dem Effeff. Urkölsche Wurzeln hat auch Heinz Reinartz, die künftige Jungfrau Henrike: 1955 kam er in Rodenkirchen zur Welt. Das Motto des Dreigestirns 2014 betont folglich das integrative Moment, ist aber dennoch in Mundart formuliert: „Ob he jebore oder nit, mer fiere dä Fastelovend wie hä kütt.“

Ohnehin war diesmal bei der traditionellen, der 35. Vorstellung des neuen Dreigestirns alles ein wenig anders. Normalerweise lädt das Festkomitee Karneval der Alt-Gemeinde Rodenkirchen ins Restaurant Maassen ein, an einem Sonntagmorgen. Zuerst wird das alte Dreigestirn verabschiedet, danach das künftige präsentiert. Binnen zwei Stunden ist alles erledigt, und der gemütliche Teil, der Frühschoppen beginnt.

In diesem Jahr war es umgekehrt, das Festkomitee feierte sich erst einmal ausgiebig selbst: Vor 40 Jahren wurde es gegründet. Acht Karnevalsgesellschaften und -vereine taten sich damals zusammen, um gemeinsam in der fünften Jahreszeit an einem Strang zu ziehen. Ein Erfolgsmodell, das sich bewährt habe, sagte Martin van Duiven, der als Festkomitee-Präsident die sitzungsähnliche Jubiläumsveranstaltung moderierte. „Die Idee, die Kräfte zu bündeln, war visionär“, lobte auch Bezirksbürgermeister Mike Homann. „Denn Karneval ist nicht nur Spaß, sondern bedeutet jede Menge Arbeit.“

Kassierer kamen unangemeldet

Bei Erbsensuppe, belegten Brötchen, Kölsch und Kaffee genossen die geladenen Gäste den abwechslungsreichen Nachmittag: es tanzten etwa die Rheintänzer, eine neu gegründete Formation der Weißer KG Kapelle Jonge, die Band Hanak trat auf, und die Playbacks – sechs Frauen, die zu Schlagern vom Band Szenen spielen – feierten Premiere mit ihrem neuen Programm. Dann war es so weit: Joachim Schönenberg, Festkomitee-Vizepräsident, stellte das neue Dreigestirn vor, es entstammt der Großen Rodenkirchener Karnevalsgesellschaft von 1935 (GRKG). Simon Gosk ist dort seit zwei Jahren Präsident, der jüngste innerhalb des Komitees überhaupt. 2008 trat er der GRKG bei, zuvor war er als Jeck nicht organisiert.

Das wäre er womöglich immer noch, hätte er nicht im Januar 2008 von Rolf Klütsch die Wiesel-Apotheke in Rodenkirchen übernommen. „Es kamen unangemeldet zwei Leute und wollten den Jahresbeitrag für die KG kassieren, ich wusste von nichts, da meinten sie: Treten Sie doch ein.“

Gosk folgte der Aufforderung, erschien auch zur Jahreshauptversammlung. „Ich blickte um mich und dachte...“, erzählte er bei seiner Antrittsrede, legte eine Kunstpause ein, um in vielsagendem Ton fortzufahren: „Soso, das ist also die Große!“ Mit Betonung auf „Große“. Wissendes Gelächter erschallte. Eines stand da schon mal fest: Der neue Karnevalsprinz ist ein Redetalent. Und wenn er den Fasteleer ähnlich aufmischt wie die GRKG, können sich die Narren auf eine schwungvolle Session freuen. Als Prinzenführer fungiert Kajo Wirtz, erster Adjutant ist Jörg-Albert Lyon. Die Proklamation findet am 11. Januar in der Gesamtschule Rodenkirchen statt.