28.07.2016
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Hochwasserschutz: Kaimauer wird zum Sicherheitsrisiko

Die Stahlbetonwand wurde 1975 errichtet und schützt bis zu einem Pegelstand von 11,30 Metern.

Die Stahlbetonwand wurde 1975 errichtet und schützt bis zu einem Pegelstand von 11,30 Metern.

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Süsser

Sürth -

Fünfeinhalb Meter hoch und 280 Meter lang ist die Lindemauer, die deshalb so heißt, weil sie unterhalb des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Linde AG errichtet wurde. Im Jahr 1975 entstand diese Stahlbetonwand am Leinpfad zum Schutz vor Hochwasser bis zu einem Rheinpegel von mindestens 11,30 Metern. Bisher galt die Wand als standsicher und intakt. Sie blieb unangetastet, als die Stadtentwässerungsbetriebe (Steb) 2003 begannen, den neuen Hochwasserschutz zu bauten. Die Kaimauer war nicht Teil der Planfeststellung.

Nun haben die Steb die Daten zur Statik überprüft und beim Nachrechnen festgestellt, dass die Wand offenbar doch nicht so standsicher ist wie ursprünglich angenommen. Es bestehe unter bestimmten Bedingungen eine Grundbruchgefahr, heißt es in einer städtischen Vorlage, die derzeit den politischen Gremien vorgelegt wird. Die Mauer zwischen Rheinkilometer 674,95 und 675,23 – im Bereich zwischen Mühlengasse und südlich der Ernst-Volland-Straße – müsse saniert werden. Grob geschätzte Kosten: 3,5 Millionen Euro.

Gefahr bei extremen Hochwässern

Die Auswertung des verheerenden Elbe-Hochwassers 2002 habe neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse erbracht, sagt der Steb-Experte Ulrich Hillenbach. Demnach könne vor allem ein schnell ablaufendes Hochwasser erhebliche Sog- und Druckkräfte auslösen und zur Instabilität führen. Zum Zeitpunkt der damaligen Genehmigungen sei das noch nicht so bekannt gewesen. Eine Gefahr trete allerdings erst bei extremen Hochwässern auf, betont Ulrich Hillenbach.

Im schlimmsten Fall könne die Mauer erheblich „wackeln“. Falls sich noch vor der geplanten Sanierung ein bedrohliches Hochwasser einstelle, würde die Mauer besonders kontrolliert und vorbeugend mit großen Sandsäcken gesichert.

Eineinhalb Jahre Arbeit

„Wir haben damit gerechnet, dass der bauliche Hochwasserschutz an manchen Stellen im Lauf der Jahre optimiert werden muss“, sagt Henning Werker, Hauptabteilungsleiter bei der Steb. Oberste Priorität sei damals gewesen, das Mammutprojekt so schnell wie möglich zu Ende zu bringen. Bereits vorhandene und vermeintlich ausreichend stabile Schutzmauern wurden im Status quo belassen.
Aktuell sei die Lindemauer die einzige Wand, die ertüchtigt und saniert werden müsse, aber noch nicht alle heiklen Stellen in Köln seien überprüft worden. Wenn die Sanierung schon früher und nicht erst nachträglich durchgeführt worden wäre, sei das „unwesentlich billiger“ gewesen, sagen Ulrich Hillenbach und Henning Werker.

Für eine ausreichende Standsicherheit soll die Kaimauer mit zahlreichen Erdnägeln befestigt oder mit Stahlankern „vergurtet“ werden. Die Methode der Wahl sei noch nicht festgelegt. Eineinhalb Jahre werden die Arbeiten mindestens dauern. Für die Anwohner bedeute das eine gewisse Lärmbelästigung durch die notwendigen Bohrungen in die Stahlbetonwand. Auch mit Verkehrsbehinderungen sei zu rechnen, meint Ulrich Hillenbach. Der Leinpfad könne wohl nicht genutzt werden. Die Steb würden aber einen Ersatzweg einrichten, wahrscheinlich einen Steg. Für Anwohner und interessierte Bürger soll es eine Informationsveranstaltung geben, der Termin dafür steht noch nicht fest.

Baubeginn in frühestens zwei Jahren

Die Ratsausschüsse für Stadtentwicklung und Verkehr haben dem Projekt bereits zugestimmt. Am 4. und 5. Februar werden die Bezirksvertretung Rodenkirchen und der Rat darüber entscheiden. Falls die mindestens 3,5 Millionen Euro teure Sanierung politisch beschlossen wird, müsse eine Abstimmung in den Ämtern erfolgen und der Bezirksregierung zur Genehmigung vorgelegt werden. Baubeginn könne frühestens in zwei bis drei Jahren sein, sagt Henning Werker.


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