29.09.2016
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Leerstand am Rhein: Rheinstation sucht neuen Pächter

Früher war auf der Terrasse an der „Bierbud“ kaum ein Sitzplatz zu bekommen. Heute steht das gesamte Gebäude-Ensemble leer.

Früher war auf der Terrasse an der „Bierbud“ kaum ein Sitzplatz zu bekommen. Heute steht das gesamte Gebäude-Ensemble leer.

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Süsser

Rodenkirchen -

Es gab Zeiten, da war es fast aussichtslos, auf der Terrasse an der „Bierbud“ einen Sitzplatz zu ergattern. Es ging lebhaft zu im Biergarten, der gar kein Garten ist, aber trotzdem so heißt. Doch die goldenen Zeiten sind vorerst vorbei. Seit Januar ist dort alles dicht – das gesamte Gastronomie-Ensemble, das zuletzt „Rheinstation“ hieß. Dazu gehören ein Restaurant mit Bar, Wintergarten und Terrasse sowie ein Hotel und der Biergarten.

Das Haus thront prominent über dem Rhein zwischen Uferpromenade und Karlstraße. Das Wahrzeichen von Rodenkirchen, das Maternus-Kapellchen, liegt direkt daneben. Die Lage könnte kaum besser sein. Der Gast schaut auf das Wasser und das grüne Ufer gegenüber und auf die idyllische Flussschleife im südlichen Weißer Bogen. Im Norden sieht er die Rodenkirchener Brücke und bei gutem Wetter und mit ziemlich gerecktem Hals auch die Kranhäuser und den Dom.

Radfahrer, Fußgänger, auch Ausflügler von außerhalb kommen an schönen Tagen in Massen am Lokal vorbei, wenn sie auf der Uferpromenade, dem Leinpfad, unterwegs sind. Die Restauration ist weithin bekannt, und nicht nur die Bürger von Rodenkirchen regen sich gehörig auf über den Leerstand an der Karlstraße 7 – vor allem, seit der Sommer da ist.

Hartes Pflaster für Gastronomen

Auch der Eigentümer ist nicht zufrieden. „So viele Leute sprechen mich an und warten auf die Wiedereröffnung“, erzählt der langjährige Hauseigentümer und Vermieter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich suche einen soliden und erfahrenen Pächter“, sagt er. Es sei aber nicht einfach, einen solchen Profi zu finden, der zudem gewillt sei, das Lokal langfristig zu betreiben.

Verhandlungen mit Interessenten würden derzeit geführt, und es gebe auch erste Ergebnisse, die aber noch nicht spruch- und druckreif seien. Es ist zu befürchten, dass es zumindest in diesem Sommer nichts mehr werden wird mit einer Neuauflage der legendären „Bierbud“ und dem Biergarten direkt am Rhein.

„Es ist kein Renommee für Rodenkirchen, wenn so ein riesiges Objekt in bester Lage leer steht“, sagt Wolfgang Behrendt, Chef der Gemeinschaft der Rodenkirchener Geschäftsleute. Insgesamt tue sich die Gastronomie hier schwer. Es gebe häufige Wechsel, etwa im Traditionslokal „Zum Treppchen“, und weitere Leerstände, zum Beispiel im „Haus Schmitz“. Den örtlichen Gastronomen kreidet er an, dass sie kaum interessiert seien an einer Zusammenarbeit mit der restlichen Geschäftswelt.

„Das sind alles kleine Eigenbrötler“, sagt er. Und manch einer glaube irrtümlich, dass man in Rodenkirchen von selbst reich werde. Insofern könne er den Vermieter der bisherigen „Rheinstation“ verstehen, wenn der einen soliden Geschäftspartner suche.

Rheinstation und Playboy-Intermezzo

Seit März 2011 heißt das Lokal „Rheinstation“. Zwei neue Pächter, die auch die Kölner Diskothek „Triple A“ führen, haben sich die Bezeichnung ausgedacht. Dass der vorherige Betreiber Insolvenz angemeldet hatte, erschreckte sie bei der Übernahme nicht. Sie hatten Ambitionen. Mit einem jungen Personalteam und einer kreativen Küche wollten sie frische Ideen umsetzen. Sie veranstalteten Event-Abende mit Whiskey-Verkostung und Live-Jazz. „Das Duo hat viel auf die Beine gestellt“, sagt Wolfgang Behrendt.

Doch ihr Engagement dauerte nur etwa ein Jahr bis zum Frühjahr 2012. Dann übernahm ein anderer Geschäftsführer den Betrieb, Jörn Schäfer, der zeitgleich den Playboy-Club in Köln leitete, der inzwischen Insolvenz angemeldet hat. „Auf meinen Druck hin hat er die »Rheinstation« aufgegeben“, sagt der Eigentümer. Er habe das Haus in Rodenkirchen nicht entsprechend den Vorstellungen geführt und sich zu wenig gekümmert.

Jetzt ist also ein neuer Profi gefragt. Er muss hohen Ansprüchen gerecht werden. Und das Haus möglichst voll kriegen, sommers wie winters, damit sich das Geschäft rentiert. Wenn es genügend warme und sonnige Tage gibt, ist das kein Problem. Schwierig sei die Schlechtwetterzeit. Da könne man schnell in die Kreide kommen, sagen Kenner der Szene.


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