26.06.2016
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Verkehr in Köln: Parken rund um die Bonner Straße wird kostenpflichtig

Samet Algen und seine Frau Selin kennen das Parkplatzproblem aus leidvoller Erfahrung.

Samet Algen und seine Frau Selin kennen das Parkplatzproblem aus leidvoller Erfahrung.

Foto:

Haaser

Bayenthal -

Parken zwischen Gürtel, Rheinufer, Schönhauser Straße und Bonner Straße soll spätestens 2018 kostenpflichtig werden. Mit großer Mehrheit stimmten die Rodenkirchener Bezirksvertreter einer entsprechenden Vorlage der Stadtverwaltung zu.

80 Stellplätze fallen bis dahin im Bayenthaler Abschnitt der Bonner Straße weg – eine Folge des Umbaus für den oberirdischen Abschnitt der Nord-Süd-Stadtbahn. Für Anwohner im betroffenen Karree heißt das künftig, dass sie Bewohnerparkausweise beantragen oder Parkscheine lösen müssen. Letztlich sollen sie aber von der Regelung profitieren.

16 Prozent mehr Autos als Parkplätze

„Unser Ziel ist, die Bewohner zu bevorrechtigen“, erläutert Angela Stolte-Neumann, beim Amt für Straßen- und Verkehrstechnik für die Planung der Bewohnerparkzone zuständig.

Ihr Amt hat im betroffenen Gebiet eine Auslastung der Parkplätze von 116 Prozent festgestellt – 16 Prozent mehr geparkte Autos als legale Parkplätze vorhanden sind. Deshalb sollen Parkscheinautomaten aufgestellt werden. Anwohner können für eine Jahresgebühr von 30 Euro einen Parkausweis beantragen und von den Parkgebühren befreit werden.

Bislang kostet das Abstellen des Autos in den meisten Straßen nichts. Für Angestellte, die mit dem Auto zum Büro in Bayenthal fahren, würde das Parken allerdings wesentlich teurer. Sie bekommen keine Ausweise. „In der Regel weichen sie dann auf andere Parkmöglichkeiten oder Verkehrsmittel aus“, so Stolte-Neumann.

Händler fürchten Einbußen

Jetzt schon sind Parkplätze im Viertel, besonders in den engen Gassen rund um Alteburger Straße und Goltsteinstraße, schwer zu finden. Hartmut Hammer vom Bürgerverein Bayenthal/Marienburg vermutet ebenfalls, dass dafür viele Angestellte der umliegenden Büros verantwortlich sind.

Vor einigen Tiefgaragen im Viertel bewerben die Eigentümer dagegen freie Plätze. „Das wird aber vielen zu teuer sein“, so Hammer auf einer Versammlung seines Vereins.

Händler, die fürchten, dass Kunden ausbleiben, sehen die geplante Regelung skeptisch. Samet Algen kennt beide Perspektiven, die mühsame Parkplatzsuche als Anwohner und die Hoffnung seines Vaters, der ein Lebensmittelgeschäft auf der Goltsteinstraße betreibt, auf Kunden, die mit dem Auto zum Einkaufen fahren. In Zukunft müssen sie bezahlen. Dafür sollen sie aber eher überhaupt einen Parkplatz finden.

„Meine Eltern beobachten oft, dass Kunden einen Parkplatz suchen und weiterfahren, weil sie nichts finden“, sagt Algen. Deshalb ärgerten sie sich über jene Autofahrer, die acht, neun Stunden einen Parkplatz blockieren.

Innenstadt als Beispiel

Stolte-Neumann verspricht zudem ein wenig Flexibilität. „Wir sind noch nicht sicher, ob wirklich alle Parkplätze kostenpflichtig werden“, sagt sie. Auch die Anlieferung, das Aus- und Einladen vor den Geschäften soll kostenlos bleiben. Kunden und Besucher sollen nicht verdrängt werden.

Aber: „Wir können nicht alle Autos unterbringen.“ In der Innenstadt habe die Parkraumbewirtschaftung, also das Aufstellen von Parkscheinautomaten, zu einem Rückgang der Auslastung von 130 auf 99 Prozent geführt. „Wir sehen das als großen Erfolg.“