25.08.2016
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Wochenmarkt: Die Zeiten ändern sich

Der Donnerstagmarkt ist Treffpunkt, Ersatz-Kantine und Einkaufsgelegenheit.

Der Donnerstagmarkt ist Treffpunkt, Ersatz-Kantine und Einkaufsgelegenheit.

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Haaser

Zollstock -

Reden, ansprechbar für die Kundschaft sein und Blumensträuße binden gleichzeitig – für Frank Reichert ist das kein Problem, sondern Routine. Seit 15 Jahren baut Reichert seinen Blumenstand donnerstags auf dem Markt in Zollstock auf. „Früher haben sich die Händler noch um jeden Zentimeter gestritten“, sagt er, in einer Hand Christrosen, in der anderen grüne Schnur. Doch diese Zeiten sind offensichtlich vorbei.

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Als Marktleiter vertritt Reichert die Interessen der Händler. Außer seinem Blumenstand stehen donnerstags eine Hähnchenbraterei, ein Obst- und Gemüsehändler, ein Eierverkäufer und ein Reibekuchenstand auf dem Parkplatz neben dem Höninger Weg auf Höhe der Bahnhaltestelle Herthastraße und der Einmündung der Zeltinger Straße. „Die wirken immer etwas verloren“, sagt Raphael Struwe, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksvertretung Rodenkirchen. Er wünscht sich einen belebteren Markt.

Mit seinen Kollegen verabschiedete er einen Antrag, mit dem sie das Marktamt der Stadt auffordern, zu prüfen, wie der Markt in Zollstock mehr Besucher anziehen könnte. „Das ist dünner geworden in den letzten Jahren“, sagt Struwe. Er wünsche sich mehr Händler, vielleicht einen Metzger und einen Bäcker. Der Bezirksvertreter weiß aber auch, dass die Organisation der Märkte „ein komplexes System“ ist. Deshalb sei der Auftrag sehr allgemein formuliert. Und er weiß, dass eine Verlegung des Marktes auf den Samstag nicht hilfreich wäre. Samstags gehen auch die Zollstocker zum großen Markt in Klettenberg.

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Auch die Verlegung des Markttages diskutierten die Stadtteilpolitiker. Christoph Schykowski von der CDU-Fraktion kann sich zur Belebung nur eine Erweiterung des Angebots vorstellen. Für die Geschäftsleute am Höninger Weg sei das nicht problematisch, glaubt Schykowski. Von mehr Besuchern auf dem Marktplatz würden auch sie profitieren. „Die einzige Hoffnung ist, dass sich jemand neu auf dem Markt etablieren möchte“, sagt Schykowski. Der Reibekuchenstand erfreut sich um die Mittagszeit größter Beliebtheit. Auch Brathähnchen, Fritten und Currywürste wandern zu Dutzenden über die Theke des Grillwagens. Doch so schnell wie sich die Schlangen der Angestellten gebildet haben, so rasch sind sie auch wieder verschwunden.

Viele Kunden des Zollstocker Marktes sind Mitarbeiter der umliegenden Büros. Dazwischen stehen die Zollstocker für ein Schwätzchen zusammen. „Das ist ein Ort, wo man bewusst hingeht, um sich zu treffen“, sagt Jürgen Gellert vom Allgemeinen Bürgerverein Zollstock. Auch die Cafés, ein griechisches Restaurant und die Eckkneipe auf der anderen Straßenseite profitierten an Markttagen von den Besuchern. Dennoch findet auch Gellert, dass der Markt attraktiver sein könnte. Von der „Verweilsituation“ spricht Reiner Stroebelt von der Marktverwaltung der Stadt, wenn er die soziale Funktion der Wochenmärkte beschreibt.

„Die Anwohner sehen den Markt als Treffpunkt, sie halten dort ihr Schwätzchen. Und sie kaufen günstig das ein, was sie beim Discounter nicht finden“, sagt Stroebelt. Entscheidend für das Angebot sei das Verhalten der Kundschaft. Vor allem die Discounter und die längeren Ladenöffnungszeiten seien für die Händler zum Problem geworden. Außer dem Budget, mit dem die Händler Werbegeschenke anschaffen und auf ihren Markt aufmerksam machen können, sieht er wenig Möglichkeiten für die Stadt, einzugreifen. Stroebelt schlägt daher vor, über eine Änderung der Marktzeiten nachzudenken. Einige Märkte in der Stadt sind etwa von 8 bis 15 Uhr geöffnet, in Zollstock stehen Reichert und seine Kollegen zwischen 7 und 13 Uhr an ihren Ständen.

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So auch Nada Jeron, die für die Firma Broicher Obst und Gemüse aus Porz-Zündorf verkauft, seit 25 Jahren. „Die Kunden verändern sich“, sagt sie. Überwiegend ältere seien mittlerweile darunter. „Die Jüngeren arbeiten tagsüber.“ Jeron hält die Höhe der Standgebühr für eines der größten Hindernisse für neue Markthändler. Frank Reichert hat oft erlebt, dass neue Händler zwei- oder dreimal auftauchen und dann wieder verschwinden. „Man muss schon erhebliche Anlaufschwierigkeiten in Kauf nehmen. Es dauert bestimmt ein halbes Jahr, um Fuß zu fassen und bekannt zu werden“, sagt der Marktleiter.

Die Marktzeiten zu verändern, hält er für sinnvoll. „Früher kamen die Kunden morgens um 7 Uhr“, sagt er. Inzwischen könne aber jeder nach der Arbeit noch frische Lebensmittel einkaufen. Deshalb sei auch die Zahl der Händler zurückgegangen: „Sie finden einfach niemanden, der sich noch auf so kleine Märkte stellt.“