28.09.2016
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Wohnheim: Vermittlung im Streit über Flüchtlinge

Reden über Flüchtlinge – Teilnehmer bei der Informationsveranstaltung in Godorf.

Reden über Flüchtlinge – Teilnehmer bei der Informationsveranstaltung in Godorf.

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Philipp Haaser

Godorf -

Die Einladungen sind schon verschickt. Das verkündete Rodenkirchens Bezirksbürgermeister Mike Homann (SPD) in der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung. Er griff damit einen Vorschlag der Grünen-Fraktion auf. In der nächsten Woche soll zum ersten Mal ein Arbeitskreis tagen, der die Erweiterung des Flüchtlingsheimes in Godorf begleiten wird.

An diesem sollen Vertreter der Anwohner, Bezirksvertreter, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die Heimleitung, der Bezirksjugendpfleger, die Polizei und ein Sprecher des Runden Tisch für Flüchtlingsfragen teilnehmen. Alle anwesenden Bezirkvertreter stimmten dem Antrag zu. Manfred Giesen, Fraktionsvorsitzender der Grünen, freute sich über das „vorbildliche und schnelle Handeln“. „Es geht hier nicht nur um die Erweiterung“, sagte Giesen, „sondern um eine ganze Menge von Problemen in Godorf. Wir haben in den vergangenen Jahren zu wenig hingeschaut.“ Monika Roß-Belkner (CDU) wies etwa auf die unzureichende Zahl von U-3-Betreuungsplätzen im Bezirk hin – ein Problem, das sich mit der Erweiterung des Flüchtlingsheimes ihrer Einschätzung nach verschärfen dürfte.

Maximal 70 Bewohner erwartet

Vertreter der Stadtverwaltung hatten wenige Tage zuvor in die Godorfer Realschule eingeladen, um den Anwohnern die Pläne für den Erweiterungsbau vorzustellen. Marita Bosbach vom Deutschen Roten Kreuz, dem Träger des Heimes, wünschte sich auf der Veranstaltung die Unterstützung der Godorfer und bat um konstruktiven Dialog. Sozialdezernentin Henriette Reker formulierte ähnliche Erwartungen: „Wir wollen das diskutieren, was wir ändern können. Wir wollen von Ihnen wissen, wie eine Erweiterung verträglich gestaltet werden kann“ – Hoffnungen, die sich nicht erfüllten. Die Godorfer fürchten zunehmende Kriminalität und Verschmutzung rund um das Heim und lehnen die Erweiterung deshalb ab. Für eine sachliche Auseinandersetzung blieb wenig Raum.

Im geplanten Haus sollen zwölf Wohneinheiten für zwei bis vier Bewohner auf zwei Etagen entstehen, im Gegensatz zum bestehenden Haus jeweils mit separatem Eingang, eigener Kochnische und Badezimmer. Das Gebäude soll sich in die Bebauung der Umgebung einfügen. Geplant ist zudem ein Spielplatz sowie die landschaftliche Gestaltung des Grundstücks. Mit maximal 70 zusätzlichen Bewohnern rechnet Jürgen Kube vom Wohnungsamt.

„Köln ist sehr begehrt“

„Die Bauweise ist nicht vergleichbar mit jener vor 20 Jahren“, erläuterte er. Das Heim in Godorf wurde 1989 errichtet. Eines der ursprünglich zwei Gebäude wurde 2009 abgebrochen. Sinkende Flüchtlingszahlen ließen das zu. Die Bauweise der Häuser war zunächst auf zehn Jahre ausgelegt.

Klaus Kaden von der Interessengemeinschaft Goding mahnte die gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf alle Stadtteile an. 171 Flüchtlinge wohnen zurzeit im Bezirk Rodenkirchen. Sie sind in drei Unterkünften untergebracht, 64 in Godorf. Stefan Färber, Leiter des Wohnungsamtes, versuchte die Situation in den stadtweiten Zusammenhang einzuordnen: „Wir brauchen sechs bis sieben zusätzliche Heime in der Stadt“, sagte er. Dafür sei man derzeit händeringend auf der Suche nach geeigneten Grundstücken, auch mit Hilfe von Maklern. Durch ein sogenanntes Auszugsmanagement versuche das Wohnungsamt, das für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig ist, Flüchtlinge zudem möglichst rasch in regulären Wohnungen unterzubringen. Doch diesem Vorhaben stehen einige Hindernisse im Weg: „Köln ist sehr begehrt“, sagte Färber.

Niemandem Hilfe verwehren

Zwar betonten einige Zuhörer, dass niemandem Hilfe verwehrt werden solle. Mehrmals wurden aber Beiträge, die um Verständnis für die Situation der Flüchtlinge warben und Bedauern darüber zeigten, dass dieser Streit auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen werde, lautstark mit hämischen Kommentaren bedacht. „Ich bin erstaunt, dass heute Abend so wenig Konstruktives eingebracht wurde“, sagte eine Zuhörerin.

Manfred Giesen berichtete in der Bezirksvertretungssitzung vom Auftreten der Pro-Köln-Mitglieder bei der Informationsveranstaltung: „Die zielten mit ihren rollkommandoartigen Wortbeiträgen nur auf Eines: Aufhetzen und Spalten.“ Es gebe einen Konsens, sich als Bezirkspolitiker bei Bürgerveranstaltungen zurückzuhalten. Wenn die Rechtsextremen diesen missachteten, sollte die Zurückhaltung zukünftig aufgegeben werden, regte Giesen an.