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Rollstuhlfahrerin im Parlament: Lisa Steinmann rockt den Landtag

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Keine Hinterbänklerin: SPD-Politikerin Lisa Steinmann an ihrem Platz in der letzten Reihe im Plenarsaal. Foto: Grönert
Im Mai nach den Neuwahlen zogen auch zwei Kölner Rollstuhlfahrer in den Düsseldorfer Landtag ein. SPD-Politikerin Lisa Steinmann zieht Bilanz als Neuling im Parlament: Inklusion ist für sie nicht nur eine Absichtserklärung, Politik kein Selbstzweck.  Von
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Lisa Steinmann hat sich einen Platz in der letzten Reihe des nordrhein westfälischen Landtags ausgesucht. Von hier aus hat sie alles im Blick, und weil aus ihren Nachbarn zur Linken und Rechten Innenminister und Ministerpräsidentin wurden, ist der Platz nicht nur exponiert, sondern auch ziemlich einsam. „Alleine bin ich aber nie“, sagt sie.
Wenn man die Kölnerin an ihrem Arbeitsplatz begleitet, weiß man schnell, warum das so ist. Jeder scheint hier Lisa Steinmann zu kennen. Nach nur sechs Monaten im Landtag ist die SPD-Politikerin mittendrin statt nur dabei. „Alles wird man hier wahrscheinlich auch nach fünf Jahren nicht durchschauen.“ Aber sie habe sich prima eingearbeitet. „Ich bin nicht leise, immer forsch und habe ein gutes Team. Das hilft.“

Die Frau im Rollstuhl ist voller Tatendrang und Elan – und offensichtlich immer gut gelaunt. Das kommt an. Mancher wird die große Aufmerksamkeit mit „positiver Diskriminierung“ erklären wollen. Steinmann ist das egal. Sie macht sich keine Gedanken darum, warum sie wem wann auffällt – das Ergebnis muss stimmen. Und das messe sich letztlich daran, ob sie etwas erreichen und durchsetzen könne.

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Der Sprung aus der Bezirksvertretung Lindenthal in ein Profi-Parlament sei kein kleiner. Man sei Teil einer Koalition, müsse sich einfügen in abgesprochene Prozesse, Bündnisse hinter den Kulissen schmieden, Projekte gut vorbereiten. Der größte Unterschied zur früheren Tätigkeit sei jedoch, dass sie nun als hauptamtliche Politikerin ganz andere Möglichkeiten habe. „Ich kann jetzt viel mehr rocken.“

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Politik ist für sie kein Selbstzweck. Sie will etwas erreichen für Köln und für ihren Wahlkreis. Steinmann streitet für den Umbau der Kreuzung Militärring/Luxemburger Straße oder den Umzug der Justiz von der Luxemburger Straße in einen Neubau in Bayenthal. Aus den alten Gebäuden von Gerichten und Staatsanwaltschaft könnte dann „ein zweites Unicenter“ mit Hunderten Wohnungen werden.

„Katastrophale Lage“ an vielen Verkehrsknotenpunkten

„Köln hat’s schwer im Land.“ Viele hätten zu wenig Verständnis für die Probleme einer wachsenden Großstadt. Wenn’s ums Geldverteilen geht, sei man schnell in einer Neiddebatte. Steinmann will Bündnisse schmieden, die über Köln hinausgehen. Dazu müsse man nicht nur über den Tellerrand hinausschauen. „Es geht auch um das Ende der Eitelkeiten.“ Sie glaubt, dass die Landesregierung damit begonnen habe, nicht mehr alle über einen Kamm zu scheren. Die Reform des Gemeindefinanzierungsgesetzes sei ein Beispiel. Doch so was geht nicht ohne ein bisschen Druck. Anfang nächsten Jahres bekommt Verkehrsminister Manfred Groschek in Köln die „katastrophale Lage“ an vielen Verkehrsknotenpunkten vorgeführt, sagt Steinmann. „Ich hoffe, dass die Regierung versteht, wo es brodelt.“

Lisa Steinmann ist Interessenvertreterin für Köln. Eine Behinderten- oder Sozialpolitikerin will sie nicht sein. Wenn sie Besuchergruppen wie zuletzt behinderte Bewohner des Frida Kahlo Hauses oder Förderschüler der Anna-Freud-Schule begrüßt, holt sie den nicht-behinderten Landesbehindertenbeauftragten Norbert Killewald dazu. Der ist schließlich zuständig. Geht es um Behindertenpolitik, möchte sie noch nicht einmal „Betroffene“ genannt werden. „Das klingt so beladen.“ Da wundert auch die Antwort auf die Frage nicht, ob sie als Behinderte zwangsläufig viel mit dem zweiten behinderten Kölner Abgeordneten, Stefan Fricke, zu tun habe: „Das ist wie im richtigen Leben. Da suche ich mir die Freunde ja auch nicht nach Fortbewegungsmitteln aus.“

Ausgrenzung und Entfremdung

Statt Betroffenheit spreche sie lieber von der ganz persönlichen „Lebenserfahrung“, die sie in die Debatten einbringe. So auch beim zurzeit heftig diskutierten landespolitischen Thema der Durchsetzung eines inklusiven Schulsystems. „Überfällig“ sei das, findet Steinmann. Und das macht sie auch den behinderten Schülern deutlich, die in der vergangenen Woche zu Gast waren, und das zum Teil ganz anders sehen. Auf der Anna-Freud-Schule kann mancher Schüler davon berichten, dass es ihm nicht gut im deutschen Regelschulsystem gegangen ist.

Steinmann hält dagegen: „Die typische deutsche Art, in guter Absicht zu sortieren, führt zu Ausgrenzung und Entfremdung.“ Mit den Schülern hat sie vereinbart, das Gespräch in Köln fortzusetzen. „Für mich heißt Inklusion, Distanzen zwischen Bevölkerungsgruppen abzubauen. Dazu gehört auch die Distanz zwischen Bürgern und Politikern.“

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