Wo das Ende der Welt nun ausgeblieben ist, scheint es an der Zeit, sich ein paar Dingen zu widmen, die man im Fall der Apokalypse gern sich selbst überlassen hätte. So ein zünftiger Weltuntergang wäre hier und da gewiss mit Applaus begrüßt worden.
Vor allem in Köln, wo ja schon der örtliche Zweitligist im Zweiwochentakt die pure Lust am Untergang zelebriert. 30 Millionen Euro Schulden verlieren angesichts des bevorstehenden Endes doch ein bisschen ihren Schrecken. Das Sprachbild der „explodierenden Schulden“ hätte jedenfalls endlich und endgültig einen Sinn ergeben.
Auf ausbleibenden Weltuntergang folgt Plan B
Auch Stadtkämmerin Gabriele Klug wäre im Fall des Untergangs einige Sorgen losgewesen. Zum Beispiel das Haushaltsdefizit von 317 Millionen Euro.
In Ermangelung eines Weltuntergangs muss also ein Plan B her. Die Deutsche Bahn hat bereits offenbart, wie sie die maroden Bahnbrücken der Stadt renovieren will. Und sogar die Leverkusener Autobahnbrücke wird wohl eines Tages neu gebaut sein. Ob sie so lange hält, um eines schönen jüngsten Tages in den der Vorsehung entsprechend blutrot gefärbten Rhein zu stürzen, was ja eine ziemliche Schau wäre, bleibt abzuwarten.
Überhaupt drohte die Welt am 21. Dezember ohne die allseits erwarteten Vorzeichen unterzugehen. Oder haben wir die sieben Plagen schlicht übersehen? Haben wir uns womöglich daran gewöhnt? An die ewige Baustellenplage? Die KVB? Die FC-Heimspiele? Oder gar die Bimmelbahn?
Alle Vorbereitungsmaßnahmen umsonst
Ernsthaft hat sich im Vorweihnachtstrubel der vergangenen Woche jedenfalls kaum jemand mit dem vermeintlich bevorstehenden letzten aller Tage befassen wollen. Lebensrettende Vorbereitungsmaßnahmen hätten ja ohnehin nichts genützt. Denn so ein richtiger Weltuntergang hätte eben nicht nur das Ende von Schuldenfalle, Bimmelbahn und Zweitliga-Demütigungen bedeutet, sondern auch Bunker, Raumschiffe und sonstige Verstecke pulverisiert. Was hilft schon eine Rettungskapsel, wenn die Welt untergeht, auf der sie steht?
So ein fulminantes Weltenende – das hätte man groß aufziehen müssen, zumal in Köln. Mit Tribünen, fliegenden Fahnen – als gäbe es kein Morgen. Wie eine Mischung aus Kölner Lichtern und Rosenmontagszug. Moderiert von Wicky Junggeburth: „Und da kommen sie auch schon, unter dem Jubel der Jecken, die vier Jungs der KG Apokalyptische Reiter. Ein härrlisches Bild.“



