24.08.2016
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Hänneschen-Puppensitzung „Fastelovakis“: Schäl sitzt wegen Waffenhandels im Klingelpütz ein

Speimanes (l) empfangt den neuen Präsidenten Schäng

Speimanes (l) empfangt den neuen Präsidenten Schäng

Foto:

Hennes

Köln -

Rund drei Jahrzehnte war Schäl nicht nur der Obermaggeler in Knollendorf, sondern auch im Zusammenspiel mit Literat Speimanes („Herr Präsident, die Woosch“) stets ein gewitzter und schlagfertiger Präsident der Puppensitzung. Nun wurde diese Type von Intendantin Frauke Kemmerling und dem Ensemble eiskalt abserviert.

Der Schäl säße derzeit wegen illegalem Waffenhandel im Klingelpütz. Er habe die Knabüse der Roten Funken an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen verkauft.

In Wirklichkeit kann nach der Pensionierung der beiden Schäl-Darsteller Peter Ulrich und Walter Oepen derzeit kein Ensemble-Mitglied diese Lücke füllen. Neuzugang Werner Schlagen, der den Schäl im aktuellen Kinder- und Abendstück spielt, ist noch nicht so weit für eine tragende Rolle. Daher muss mit Udo Müller einer der derzeit erfahrendsten Puppenspieler ran. Aber da dieser nicht mit seiner Standdart-Figur Tünnes den Sitzungspräsidenten mimen wollte, wurde mit Jean Baptist Heukeshoven, genannt Schäng, eine ganz neue Type erfunden.

„Jede Tradition war mal neu“, erläuterte die Intendantin den Premierengästen zum Auftakt. Auch vor dem Schäl habe es andere Präsidenten gegeben. So in den 80er Jahren eine Figur „Bürgermeister von Knollendorf“, die Heinz-Helmut Simon nachempfunden war, der zu der Zeit die Fernsehsitzungen des Festkomitees leitete. Und je länger die mehr als dreistündige Sitzung andauerte, umso mehr ließen Schäng und Manes (Charly Kemmerling) zu Hochform auf.

Die Woosch bleibt

Aber nicht alles war neu. Schönes bleibt – so auch die Woosch. Der Kranz Flönz, der allen Akteuren zunächst verliehen und dann von Speimanes wieder abgenommen wird, tauchte nach seiner himmlischen Erscheinung als Blut-Mond in mehreren Versionen auf – vertrocknet, scheibchenweise, in einer hellen Variante aus Metzgerei-Abfällen oder zu Dutzenden auf einem Gyros-Spieß.

Der Gesang von Maritzebell ist Traditionell die letzte Nummer vor der Pause und war musikalisch wie inhaltlich schon lange nicht mehr so gut wie diesmal. Eindrucksvoll wird zum alten Creedence Clearwater-Klassiker „Proud Mary“ (hier in der Version von Tina Turner) die Flüchtlingsproblematik und die Willkomens-Kultur aufgegriffen. „Fruhsenn verbingk Welte – och en Asylantezelte. Kut m“r fiere, fiere, fiere Faste-lo-ho-vend“, heißt es in dem Lied, das sich Puppenspielerin Steffi Brands auf den Leib geschrieben hat. Und weiter: „Kölle määt für üch all Häng un Hätze op. He künnt ehr verjesse, dat ehr Fremde sid, weil et he kein Fremde, denn bloß Minsche jitt.“ Das gab Riesen- Applaus und eine Zugabe.

Die vielen liebevoll gestaltete und oft überraschenden Details und vor allem die musikalischen Sketche und Gesangsnummern sind die ganz große Stärke der „Fastelovakis“-Show. So kamen mehr als 50 unterschiedliche Puppen, darunter Osterhasen, Bienen und Bieber, zum Einsatz. Thematisch drehte sich alles um Griechenland und Europa mit allen Facetten und Krisen.

Und angelehnt an den Bläck Fööss-Song „Mer losse d'r Dom en Kölle“ stand im wunderschönen Bühnenbild neben dem Rathaus die Akropolis. Da konnten die Redebeiträge, die man leicht um einige schlüpfrige und altbekannte Pointen kürzen könnte, nicht mithalten.

Großes Kino dagegen sind die Erläuterung der Heinzelmännchen-Sage durch die Ehrenfelder Türken Aslan, der Schrei einer Colombine nach einem weiblichen Dreigestirn und das Gesangsquartett europäischer Spitzenköche (Paulo Pizza, Brigitte Baguette, Maria Tapas und Gyros-Pitter).

Alles überragend der Auftritt der kölschen Royals (Motto-Queen Marie-Lusie Nikuta und König Ludwig Sebus herrlich nachgemacht von Renate Vesen und Jacky von Guretzky-Cornitz) und ein Tanz der Roten Funken mit den griechischen Göttern. Dafür wurden die Pöppcher und ihre Spieler zum Finale, bei dem wie auf einer großen Theaterbühne alle Hauptakteure nochmals einzeln präsentiert wurden, mit stehenden Ovationen gefeiert. Zu Recht. (NR)

Die „Fastelovakis“-Puppesitzung ist die Letzte, die im Fernsehen ausgestrahlt wird. So am Karnevalssonntag (7. Februar) um 22.15 Uhr und am Karnevalsdienstag (9. Februar) um 8.55 Uhr. Nach mehr als 30 Jahren stellt der WDR die Übertragung der Puppensitzung ein.