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Schornsteinfeger: Mitternacht endete das Monopol

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Kaminkehrer Wilfried Dettmer hat gute Aussichten, ab und zu auch vom Dach des Hyatt-Hotels. Foto: Grönert
Mit Beginn des neuen Jahres ist das Schornsteinfeger-Monopol gefallen. Dass viele Hausbesitzer deswegen nun die Arbeiten am Schornstein einem anderen Fachmann übertragen könnten, glaubt Bezirksschornsteinfegermeister Wilfried Dettmer nicht.  Von
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Wenn sich in der Vergangenheit prominente Gäste wie Jennifer Lopez, Justin Bieber oder Kylie Minogue in der Präsidentensuite des Hyatts einquartierten, um dort sowohl Domblick als auch echtes Kaminfeuer genießen zu können, dann tangierte das indirekt auch Wilfried Dettmer. In seiner Funktion als Bezirksschornsteinfegermeister in Deutz ist er nämlich zuständig für die Feuerstellen in dem Hotel – und gehört zu den wenigen, die über das sechste Stockwerk hinaus steigen dürfen.

Das circa 2000 Quadratmeter große Terrain ist dem 54-Jährigen bestens bekannt. Schließlich ist er seit einem Vierteljahrhundert für die Feuerstätten im Hause zuständig: für den Kamin in der Bibliothek und die beiden weiteren in der Präsidentensuite. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn in der Silvesternacht das Schornsteinfegermonopol fällt.

Stefan Hahn, technischer Direktor im Hyatt, hat kein Interesse daran, dass ihm im neuen Jahr ein Fremder aufs Dach steigt. Ähnlich sehen das die Eigentümer der rund 1200 Liegenschaften zwischen Severins- und Mülheimer Brücke, die Dettmer zum Teil seit 20 Jahren betreut. Für die meisten seiner Kunden zähle in erster Linie das Vertrauensverhältnis, sagt der Kölner, und nicht, ob sie die Dienstleistung demnächst für ein paar Euro weniger bekommen könnten. Wohnungsschlüssel, wie sie ihm zu Hunderten anvertraut wurden, drücke man so schnell keinem Fremden in die Hand.

Dass Hausbesitzer durch den Wegfall des Monopols Kosten einsparen, bezweifelt der Fachmann aus Deutz ohnehin. Fakt ist: Ganz ohne den Bezirksschornsteinfeger geht es auch künftig nicht. „Jeder wird in seinem Bezirk weiterhin die hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen wie zum Beispiel Bauabnahmen, Bauzustandsbesichtigungen und die Feuerstättenschau“, erklärt Dettmer.

Anders als bisher muss die brandschutztechnische Zustandsüberprüfung am Schornstein jedoch nicht alle fünf Jahre, sondern „zweimal in sieben Jahren“ erfolgen. Ferner müssen Dettmer und seine Kollegen in den 64 Kölner Kehrbezirken von 2013 an einen sogenannten Feuerstättenbescheid ausstellen, auf dem vermerkt wird, wann welche Arbeiten auszuführen sind.

Für den Bezirksschornsteinfeger Dettmer – beziehungsweise für den „bezirksbeauftragten Schornsteinfeger“, wie er in Zukunft heißt – bedeutet dies: Er muss allein für die Präsidentensuite-Kamine im Hyatt künftig drei Seiten Papier ausfüllen. Mindestens genauso viel Schreibarbeit erfordert jede seiner übrigen 1200 Liegenschaften. Kein Wunder, dass der Mann mit der schwarzen Dienstkleidung „einen immensen Verwaltungsaufwand“ befürchtet, „bei gleichbleibenden Gebühren“. Ob der jeweilige Bezirksschornsteinfegermeister künftig auch die turnusgemäßen Kehr- Mess- und Überprüfungsarbeiten erledigt, oder ob diese Tätigkeiten dessen spanischer oder polnischer Kollege erledigt, entscheidet vom ersten Januar an der Hauseigentümer.

Eine positive Kehrseite

Obwohl mit dem Wegfall des Monopols auch auch ein Stück beruflicher Sicherheit verschwindet, kann Dettmer der neuen Situation durchaus eine positive Kehrseite abgewinnen. Zeitgleich mit der neuen Regelung, die letztendlich dazu dient, dass jeder Schornsteinfeger mit Meisterbrief oder einer vergleichbaren Qualifikation die Chance erhält, sein Handwerk überall in Europa ausüben zu können, tritt auch das bisher in Deutschland geltende Nebenarbeitsverbot außer Kraft.

Mit anderen Worten: Jeder Bezirksschornsteinfegermeister kann sich künftig – etwa im Bereich der Energieberatung oder bei der Installation von Rauchmeldern – auch in anderen Stadtgebieten tummeln. Ob es sich für einen Hausbesitzer in Brück allerdings rechnet, für die vorgeschriebene Abgaswegeprüfung den für Junkersdorf zuständigen Fachmann kommen zu lassen, ist zweifelhaft.

Als Kreisbeauftragter der Kölner Schornsteinfeger weiß Dettmer, dass unter den Hausbesitzern Verunsicherung herrscht. Dabei bestehe lediglich für denjenigen Handlungsbedarf, der die Arbeiten am Schornstein einem anderen Fachmann übertragen wolle. Das werden nach Einschätzung Dettmers aber nicht viele sein. Schon deshalb nicht, weil niemand von außerhalb über eine so gute Ortskenntnis bei Dächern verfüge, wie der Bezirksschornsteinfeger. „Das ist vor allem im Fall eines Brandes von ganz großer Bedeutung.“

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