27.08.2016
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Sonnenfinsternis 2015: Kölner auf der Jagd nach den Spezialbrillen

Julia Schweitzer-Augendübler hat sie, die „So-Fi“-Brille.

Julia Schweitzer-Augendübler hat sie, die „So-Fi“-Brille.

Foto:

Martina Boldt

Köln -

Ganz Köln ist im Sonnenfinsternis-Fieber: Um das Himmelsspektakel am Freitag, 20. März, ohne gesundheitliche Risiken für die eigenen Augen beobachten zu können, stürmen die Menschen derzeit auf der Suche nach den empfohlenen Spezialbrillen die Augenoptiker- und Brillengeschäfte. Vielerorts ist das begehrte Accessoire bereits vergriffen, dort wo Nachschub vermutet wird, bilden sich Schlangen als gäbe es das neueste iPhone zum Ramschpreis.

„Unser Telefon klingelt momentan Sturm“, berichtet Julia Schweitzer-Augendübler, die ein Fachgeschäft auf der Breite Straße führt. Als am Dienstagmittag 1000 neue Exemplare eintreffen, sind auch sie binnen einer Stunde vergriffen. „Die Leute standen von hier 80 Meter bis zur Post an“, sagt sie, selbst ein wenig überrascht. Bereits eine Stunde musste sie die ersten enttäuscht weiterschicken.

Glück hatten hingegen die Kunden im Buchladen Neusser Straße in Nippes und deren Filiale in Dellbrück. „Im Gespräch stellte sich heraus, dass viele noch auf der Suche nach solchen Brillen sind“, sagt Inhaberin Dorothee Junck. In Eigenregie besorgten die Mitarbeiter 4000 der Brillen im Optikergroßhandel in Siegen.

Zwei Brillen pro Kunde

Zu einem regelrechten Drama entwickelte sich die Jagd nach den letzten verbliebenen Brillen für Sabine Güldenbeck: Die 41-Jährige war unterwegs, um gleich einen ganzen Satz Schutzbrillen für die achte Klasse der Liebfrauenschule in Lindenthal zusammenzutragen. „Unsere Kinder fahren am Mittwoch für eine Klassenreise nach Paris. Wenn wir nicht wollen, dass sie ungeschützt in die Sonne schauen, ist heute die letzte Chance, Brillen zu besorgen“. Das Problem: Aus Gründen der Fairness geben die meisten Optiker immer nur zwei Brillen je Kunde ab. An der Theke von „Optik Simon“ dann der Durchbruch: Ein Mitarbeiter vermittelte die gesuchte Anzahl an Brillen bei einem Zulieferer – allerdings in Kerpen.

Viele Schüler, die weniger Glück hatten, wird der Blick in die Sonne wohl verwehrt bleiben: In vielen Schulen wie etwa der Grundschule Weiß, hat die Schulleitung angeordnet, dass Kinder ohne schriftliche Erlaubnis der Eltern und Brille während der Sonnenfinsternis nicht auf den Schulhof dürfen.
Und einen Strich durch die Rechnung machen könnte den Sonnenanbetern auch noch das Wetter. „Die Prognosen für den Freitagvormittag sagen Dunst und aufziehende Bewölkung von Nordwesten her voraus“, sagt Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. „Es könnte sein, dass die Verdunklung nur teilweise oder auch gar nicht zu sehen sein wird“. Sollten Lux falsch liegen, lohnt auch ein Besuch der Volkssternenwarte im Schiller-Gymnasium in Sülz. Hier wird das Event vom Teleskop auf einen Bildschirm in die Aula übertragen. (mit csb)